127 Hours 2010
von Sebastian Stumbek / 30.11.10 11:17 Uhr
Film Kritik
Handlung
Es ist die wahre Geschichte des Abenteurers und Kletterers Aron Ralston (James Franco), der während einer Tour durch den Bluejohn Canyon Utahs in eine dramatische Situation gerät.
Kritik
Wenn Danny Boyle einen Film dreht ist alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet. Nicht nur, weil uns der britische Regisseur mit seiner Experementierfreudigkeit immer wieder etwas neues bietet, sondern auch, weil seine Regiearbeit großartig ist. Zuletzt räumte er mit seinem "Slumdog Millionaire" stolze 8 Oscars ab und erreichte damit seinen bisherigen Karrierehöhepunkt. War "Slumdog Millionaire" noch eine groß angelegte Lebens- bzw. Liebesgeschichte, geht sein neuer Film, "127 Hours", in eine völlig andere, zurückhaltendere Richtung. Hier erleben wir eine One-Man-Show, die sich zum größten Teil über 127 Filmstunden hinweg nur in einer Felsspalte abspielt. Klingt nicht unbedingt neu, ähnliches hat man vorher schon zig Male gesehen, doch da Boyle Regie führt kann man sich sicher sein, dass der Stoff, der übrigens auf einer wahren Geschichte beruht und vorher schon als Autobiographie von Aron Ralston erschien, filmisch entsprechend gut umgesetzt wurde.Dreht man einen Film, der sich intensiv um einen einzigen Charakter dreht, ist es enorm wichtig, dass dieser von einem fähigen Schauspieler glaubwürdig gespielt wird, immerhin steht oder fällt der ganze Film mit ihm. Nach Sichtung von "127 Hours" kann man sich eigentlich gar keine bessere Wahl als James Franco vorstellen, denn was er hier leistet ist wirklich großartig geworden, eine Nominierung für den Oscar wäre also durchaus denkbar und verdient. Schon in der Vergangenheit zeigte er, dass er Talent besitzt, nun kann er dieses aber vollkommen ausspielen. Talentierte Schauspieler gibt es natürlich viele, doch die Rolle des Aron Ralston passt deswegen auch so gut zu ihm, weil der Charakter selbst in seiner dunkelsten Stunde noch seinen Humor nicht verliert – eine Rolle, die James Franco wie auf den Leib zugeschnitten scheint, denn humorvolle Szenen, bei denen er die Sympathien der Zuschauer jederzeit bei sich hat, kann er bestens spielen. Cillian Murphy ("Sunshine", "The Dark Knight") war wohl ursprünglich für die Rolle vorgesehen, die dann doch an Franco ging, aber ob er das genau so gut hinbekommen hätte...?
Mit "Buried" lief bereits vor kurzem ein Film in den Kinos, der sich über die gesamte Laufzeit des Films nur mit einer Person an einem Ort befasste. Bis auf die ersten 10 Minuten von "127 Hours" folgt der Film einem ähnlichen Schema. Rückblenden, die Emotionen schaffen sollen, werden zwar auch hin und wieder eingeblendet, doch größtenteils bleibt der Film am Ort des Geschehens, nämlich in der Felsspalte. Die meiste Zeit über gestaltet sich das Geschehen auch recht spannend wenn man den Protagonisten dabei beobachtet, wie er sich zu befreien versucht, trotzdem fehlt noch der letzte Kick, um "127 Hours" auf die nächste Stufe zu befördern, das gelang "Buried" meiner Meinung nach zumindest noch etwas besser und lies die Zeit dort wie im Flug vergehen. Bei "127 Hours" werden mit der Zeit, wenn auch nur ganz selten, leichte Längen spürbar. Besonders schön wird das Geschehen aber durch Danny Boyles erstklassige Regie eingefangen, der Zuschauer erlebt immer wieder tolle Bilder. Mit der Zeit leidet Ralston durch die gegebenen Umstände, den Wasser- und Nahrungsmangel, den Schmerzen und der Verzweiflung an Halluzinationen, die durch Boyle auch immer wieder originell und schön in den Film eingeflochten werden.
Achtung Spoiler: Eine Szene, über die im Vorfeld viel zu hören war ist die, in der Ralson seinen Arm abzuschneiden versucht. Es wurde sogar davon berichtet, dass Zuschauer reihenweise in Ohnmacht fielen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei wieder einmal um PR und sollte nicht zu ernst genommen werden, besagte Szene ist aber tatsächlich alles andere als leicht verdaulich, da die Kamera einerseits voll draufhält, aber auch weil sie unglaublich intensiv gespielt wird.
Was uns der Film unter anderem zeigen will ist, wie sehr wir doch das Leben zu schätzen wissen sollten. Das wird den Menschen meistens dann erst klar, wenn sie sich in Extremsituationen befinden und damit rechnen, nicht mehr lange am Leben zu sein. So auch Aron, der selbst die kleinsten Nebensächlichkeiten zu schätzen lernt und sich an den kleinsten Dingen, die uns im Alltag wohl eher entgehen würden, erfreut. Durch Boyles Feingefühl bei der Regie und der Kamera wird das Ganze auch visuell gekonnt eingefangen.
Fazit: "127 Hours" ist ein schön gedrehter Film, der trotz der furchtbaren Situation, in der sich der Protagonist befindet, und den Qualen, die er aufzeigt, nie vergisst, dem Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. James Franco zeigt sich dabei schauspielerisch von seiner besten Seite und dürfte spätestens jetzt alle seine Kritiker überzeugt haben. Doch wird man irgendwie das Gefühl nicht los, dass man in Sachen Emotionen, Dramatik und Spannung noch mehr aus dem Stoff hätte rausholen können, so dass der Film so wie er ist zwar ohne Zweifel gut und lohnenswert ist, allerdings nicht solch einen Ausnahmefilm darstellt, wie zuvor Boyles "Slumdog Millionaire".
Kommentare
Der Trailer hat mich so begeistert, dass 127 Hours inzwischen in meiner Most Wanted Liste sehr weit oben steht. Hat denn irgendjemand ne ungefähre Ahnung, wann er in die deutschen Kinos kommt? Zumindest eine Tendenz? Noch 2010? Anfang/Mitte/ Ende 2011? 2023?
Okay... Danke! Muss ich mich leider noch gedulden! Aber dann kommt er wenigstens sofort auf meine Most Wanted 2011 Liste ;-)
Achtung! Für jeden der die Geschichte des Herren nicht kennt sollte nicht zu weit forschen.
Ich habe das Ende unfreiwillig erfahren und kann mich jetzt nur noch auf die Umsetzung freuen.
Je weniger man weiß umso besser^^
Na das klingt ja nach hartem Stoff:
http://www.bild.de/BILD/unt...
Gibt schon mehrere Berichte dieser Art zu dem Film. Immer wieder Ohnmacht und Übelkeit etc. bei diversen Vorführungen...
Aber ich vermute einfach mal, dass die Betroffenen einfach solche harten Szenen nicht gewohnt sind. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich bei dem Film in Ohnmacht fallen werde ;-)
Ach ja an den der nur 1,5 Sterne gegeben hat ??????????? Hast du denschon gesehen oder wie kanst du ihn so bewerten ???? mir unverständlich
denn an einem Trailer kann man keinenFilm messen / oder solte man nicht
(Ach ja nur schon zur verteidigung natürlich sind meine sechs Sterne auch nicht gerechtfertigt (noch nicht) aber konnte den Film einfach nicht mit einer Wertung von 1,5 hier stehen lassen) NIEMALSSSSSS
What? "Nur" 4 Sterne? Kann ich kaum glauben, haha! Aber kann natürlich gut sein, dass bei dieser Art Film auch mal ein oder zwei Längen reinrutschen. Sollte ich es tatsächlich mal wieder irgendwann ins Kino schaffen, werd ich den auf jeden Fall sehen.






