John Carter - Zwischen zwei Welten 2012
von Daniel Krüger / 03.03.12 10:49 Uhr
Film Kritik
Handlung
John Carter (Taylor Kitsch) glaubt, alles schon erlebt, alles schon gesehen zu haben. Doch dann gerät der ehemalige Offizier, der nicht mehr kämpfen will, in einen Konflikt, der alle Vorstellungskraft sprengt. Auf unerklärliche Weise findet er sich auf einem geheimnisvollen Planeten wieder, den die Bewohner Barsoom nennen.
Kritik
James Cameron und George Lucas sind nur die bekanntesten Namen in einer schier endlosen Reihe von Regisseuren und Künstlern, die seit Jahrzehnten beteuern, sich von "Tarzan"-Autor Edgar Rice Burroughs und seiner Science-Fiction Ikone 'John Carter' inspirieren zu lassen. Bereits 1912 veröffentlichte das US-amerikanische All-Time Magazine die erste Geschichte über den Bürgerkriegsveteranen und dessen Heldentaten fernab seines Heimatplaneten Erde – der Auftakt zu einer mehrteiligen Buchreihe und zahlreichen Abenteuern auf dem Planeten 'Barsoom' (Mars). Da das Sci-Fi Genre nie aus der Mode kommt und Disney immer auf der Suche nach lukrativen Franchise ist, bekommt der Weltraumreisende zu seinem 100. Geburtstag ein großangelegtes High-Budget Spektakel geschenkt. Er sollte sich allerdings nicht von der hübschen Verpackung blenden lassen und lieber den Kassenbon aufheben...Unabhängig davon, wie nah die aktuelle Leinwandumsetzung an der Originalgeschichte 'The Princess of Mars' sein mag, auch Nichtkennern der Vorlage fällt es leicht zu glauben, dass sich Lucas etc. tatsächlich stark an Burroughs Werk bedient haben. Was den Autor natürlich ehrt, erweist sich allzu schnell als filmisches Fiasko, denn schon nach kurzer Zeit umklammert uns ein unangenehmes Gefühl; zahlreiche Szenen, Kulissen und Designs aus 'John Carter' scheint man bereits gesehen zu haben, nur eben liebevoller und opulenter - in einem Wort: Besser!
Die grobe Geschichte ist der aus James Camerons 'Avatar-Aufbruch nach Pandora' nicht unähnlich, Effekte und 3D-Bonus sorgen endgültig dafür, dass sich Disneys neueste Produktion an dem erfolgreichsten Film aller Zeiten messen lassen muss. Und so finden wir schon in der Einführung des Protagonisten einen gravierenden Qualitätsunterschied: Während uns 'Jake Sully' (Sam Worthington) im Dschungel Pandoras an die Hand nahm und von Regisseur Cameron sogar ein Videotagebuch an die Hand bekam, um (aller CGI-Verfremdung zum Trotz) nie die emotionale Bindung zum Publikum zu verlieren, wird John Carters Charakter pflichtbewusst durch markige Sprüche hingerotzt und dann möglichst schnell auf den fremden Planeten 'Barsoom' verfrachtet. Emotionale Bindung gleich Null, anstatt tatsächlich einen verlorenen Veteran zu ergründen, dient Carter lediglich als hüpfende Kampfmaschine, die passenderweise mit dem ebenso muskulösen wie schauspielerisch limitierten Taylor Kitsch besetzt ist.
Da seine Leinwandpartnerin Lynn Collins sich in ähnlichen darstellerischen Abgründen tummelt, ist es umso bedauernswerter, dass sich Schwergewichte wie Willem Dafoe und Thomas Haden Church hinter den Motion Capture Masken der Alien Rasse 'Thark' verbergen müssen. Das Wüstenvolk erweckt insofern Mitleid, dass es je nach Drehbuchwind gerade Heldenhaft wirkt, oder eben zum Selbstzweck von Carter abgeschlachtet wird - nur eines von vielen Beispielen für eine unausgewogene Storyline und eine unstete Inszenierung. Regisseur Andrew Stanton, bisher bekannt für seine fantastische Arbeit an den Pixar-Produktionen 'Findet Nemo' und 'Wall-E', scheitert mit seinem kruden Spagat aus potenter Action und kindgerechtem Slapstick. Exemplarisch die Sequenz, in der John Carter (aus mittlerweile nebensächlichen Motiven) einen mittelgroßen Stoßtrupp der 'Thark' ausrottet. Während er mit jedem seiner Schwerthiebe mehrerer Gegner zugleich ausschaltet, schneidet Stanton vogelwild Bilder aus Carters tragischer Vergangenheit, konkret die Beerdigung seiner Familie, ins Geschehen hinein. Katastrophal genug, dass er so das theoretisch nachdenkliche Bild eines in Leichenbergen stehenden Titelhelden und des, in einem früheren Leben, gebrochenen Vaters zerstört hat, bedrängt er seine Zuschauer keine drei Minuten später schon wieder mit einem Scherz auf Vorschulniveau. Emotionale Höhepunkte verpuffen aufs Grausamste und das Marsmärchen steuert in vollster Belanglosigkeit auf den medial bereits ausgeschlachteten Kampf gegen zwei riesige weiße Affen zu.
Doch selbst die Action kann Sci-Fi Puristen kaum mehr als ein müdes Lächeln abgewinnen. Die finale Schlacht befindet sich auf 'Star Wars: Episode I'-Niveau, weiß Gott kein Kompliment, zumal dies auch auf zahlreiche Nebendarsteller und Textpassagen zutrifft. Letztendlich wissen nur die Effekte und die Grundidee des rührseligen Finales auf der heimischen Erde zu überzeugen – im Übrigen ein weiterer Moment, den der Regisseur nicht vollends auszukosten weiß.
Fazit: Die auf dem Papier spannende Geschichte über einen verlorenen Mann, der erst auf einem fremden Planeten zu sich selbst findet, erweist sich unter Andrew Stantons Regie ebenso ernüchternd wie der obligatorische 3D-Effekt. 'John Carter – Zwischen zwei Welten' ist in den Hauptrollen schlecht gecastet und wirkt in seiner Inszenierung zugleich einschläfernd sowie gehetzt. Letzteres ist wohl der einzig bemerkenswerte Aspekt des Films.
Kommentare
Totaler Reinfall der Film. Ich liebe Sci-Fi und bin der letzte, der sich nicht auf ein bombastischen neuen Genreableger freuen würde, aber bei John Carter war mir nach 2 Minuten bereits klar, dass das was ganz schlimmes wird.
Mir fällt absolut nichts positives ein. Höchstens die Special Effects könnte man vielleicht noch als ganz hübsch bezeichnen und dass es davon halt jede Menge im Film gibt (wovon aber auch nicht alle toll aussehen). Das wars aber auch schon.
John Carter ist ein absolut stinklangweiliger, viel zu langer, viel zu unterhaltungsarmer Film geworden mit vollkommen bescheuerten Drehbuch. Mag sein dass die Vorlage ganz toll ist, ich kenn sie nicht und will sie an dieser Stelle auch gar nicht beurteilen, aber was man hieraus draus gemacht hat und nun in Filmform präsentiert ist einfach nur Crap. Dialoge waren gaga, Darsteller waren schlecht, viele peinliche Szenen zum Fremdschämen, die Geschichte kommt nie wirklich voran, viele langatmige schlechte Szenen, die sich an die peinlichen immer anreihen, Action total unspektakulär, Figuren allesamt einem völlig egal und nachdem ich gefühlte 100 mal auf die Uhr geschaut hab und der Film endlich vorbei war ist davon auch nicht mehr viel Hängen geblieben, ausser einen schlechten Clon von Episode 1 und 2 gesehen zu haben. Ich sage bewusst Clon von denen, auch wenn die Vorlage dazu natürlich weitaus älter ist und man nun sagen kann, dass Lucas dort geklaut hat, was sicherlich auch der Fall war, dennoch waren die Star Wars Filme nunmal früher da und haben die Szenen einfach weitaus besser gezeigt. John Carter bietet haufenweise Szenen, die man aus Episode 1 und 2 kennt, nur eben in super schlecht. Und das, obwohl Episode 1 und 2 schon selbst der "Tiefpunkt" der Star Wars Saga waren. Da herschen qualitativ einfach Welten zwischen denen und John Carter.
Ich muss an dieser Stelle mal einen Vergleich zu Conan ziehen der ja kürzlich auch im Kino lief. Conan war totaler Trash und ein wirklich schlechter Film in so vielen Hinsichten. Aber Conan war zumindest eines nicht: Er war nicht langweilig. So schlecht der Film war, er hat irgendwo unterhalten und ich sage mal "Spass" gemacht. Das kann John Carter von sich nicht behaupten. Ich hab mich hier regelrecht durchgequält. Im Trailer sieht alles ganz toll und episch und spannend aus, aber in seiner finalen Filmform fand ich den Film einfach nur unwatchable.
Oh weia.
Da könnte einer der größten Flops der Filmgeschichte auf uns warten.
Ein haufen Geld in den Film und der nicht gerade guten Werbung reingesteckt und dann kommt ein anscheinend sehr bescheidener Film raus.
Hab schon zweimal hinsehen müssen als meine TV Zeitung, die sonst jeden Scheiß lobt, den Film runtergemacht hat und sogar spöttisch wurde.
Ich werde mir dann mal irgendwann ausleihen um mir selber einen Eindruck zu machen.
@siBBe
"Und das, obwohl Episode 1 und 2 schon selbst der "Tiefpunkt" der Star Wars Saga"
Daumen hoch für den Kommentar.
Hört sich ja ganz schwach an, da wird der vielleicht Kinobesuch zum sehr unwahrscheinlich Kinobesuch! Feine Kritik werter Daniel!
Wirklich ernüchternd, was man da oben liest...
Werde mir den Film dennoch anschauen. Ich weigere mich zu glauben, dass er wirklich so schlecht ist.
war mir fast von anfang an klar, dass kitsch den film nicht alleine tragen kann - effekte sind halt nicht alles
Ich war von dem Streifen eigentlich positiv überrascht, aber wahrscheinlich auch aus zwei Gründen: 1. Hab ich von Sci-Fi nicht so wirklich viel Ahnung, ist eigentlich nicht mein Ding und 2. hatte ich absolut ganz und gar geringe Erwartungen, konnte daher nicht wirklich enttäuscht werden. Irgendwie fand ich den Film dann ganz nett, Kitsch war ja nun mehr als hübsch anzusehen und außerdem hat der Niedlichkeitsfaktor des 'Moster-Hundes' auf mich auch irgendwie gewirkt :p Dass das alleine keinen guten Film macht, bestreite ich nicht. Ich hab mich aber ganz gut unterhalten gefühlt.








