Survival of the Dead 2009
von Utandi / 12.02.10 23:01 Uhr
Film Kritik
Handlung
Zombievater George A. Romero meldet sich mit einem neuen Film zu Wort.
Es ist noch keine Woche her, seitdem die Untoten angefangen haben, über die Erde herzufallen und die Welt zur Hölle gefahren ist. Das Militär versinkt im Chaos. Eine Gruppe kriegsmüder Soldaten hat sich unerlaubt davon gemacht, weil sie glauben, allein besser zurecht zu kommen. Sie folgen Sarge (Alan van Sprang), einem harten, kettenrauchenden Gardisten. Ihr einziges Ziel heißt Überleben.Die Gruppe kämpft sich bis zu einer Insel an der Küste von Delaware durch, wo sie glauben, einen sicheren Zufluchtsort gefunden zu haben und in Frieden leben können. Aber das erhoffte Paradies entpuppt sich als wenig friedlich. Auf der Insel leben zwei Gruppen, deren Anführer sich gegenseitig so sehr hassen, dass nicht einmal die von den lebenden Toten ausgehende Gefahr die beiden vereinen könnte. Mittendrin ist Sarge, der keine andere Wahl hat, als selbst in den Konflikt einzugreifen.
Kritik
Vor nun schon über 40 Jahren schrieb der damals 27-jährige George Andrew Romero völlig unbewusst Filmgeschichte und prägte fortan das Genre des modernen Horrorfilms. Nicht umsonst ist sein Erstwerk "Night of the Living Dead" (1968) in die Filmsammlung des Museum of Modern Art aufgenommen worden und seit 1999 fester Bestandteil des National Film Registry. Dort eingetragen gilt jeder Film als erhaltenswertes Kulturgut.Es folgten "Dawn of the Dead" (1978), "Day of the Dead" (1985) und etwa 20 Jahre später "Land of the Dead" (2005), die alle mit ihrer Mischung aus sozialkritischen Subtexten, einer einzigartigen Horroratmosphäre und Splatter- und Goreeinlagen toppen konnten und heute fast alle Kultstatus erreicht haben.
Nach dem kommerziell sehr erfolgreichen "Land of the Dead" musste Romero nach eigenen Aussagen wieder zurück an die Wurzeln (von der Geschichte her wie auch produktionstechnisch und filmisch) und präsentierte mit "Diary of the Dead" (2007) einen völlig unabhängig produzierten, minimalistischeren Film, der die Anfangsgeschichte des sozio-politischen-satire-Zombie-Opus darstellen soll. Und hier schließt der mittlerweile schon 6. Teil der Zombie-Reihe "Survival of the Dead" (2009) an.
Dass der Film wieder "normal" und nicht wie sein Vorgänger mit Wackelkamera à la "The Blairwitch Project", "Cloverfield" oder "REC" gedreht wurde, könnte man durchaus als positiv ansehen, da es bei "Diary" viel zu gedrungen daherkam und nicht so richtig passen wollte, obwohl die Idee der Kritik an das YouTube-Zeitalter keine schlechte Idee war. Auch ist die Musik im Film sehr gut gelungen und erzeugt ein passendes Endzeitgefühl, wobei der Soundtrack leider nur aus ein- und demselben Thema besteht, das sich ständig wiederholt.
Doch was bleibt übrig?
Ehrlich gesagt nicht wirklich viel! Und das ist echt schade, denn hat uns Romero doch in der Vergangenheit mit so manch einem Meisterwerk belohnt. Aber hier deuten alle Zeiger in eine völlig andere Richtung. Man kann "Survival of the Dead" durchaus eine gewisse Unterhaltsamkeit zusprechen, aber wenn man den Film im Kontext mit Romeros Vorwerken sieht, bleibt nur ein wirklich miserabler Haufen Etwas übrig. Und auch alleinstehend oder gerade besonders alleinstehend hinterlässt der Film keinen guten Eindruck.
Zombies, die Essen kochen, auf Pferden reiten oder sogar Autos starten?! Zu oft überspitzt es der Meister hier einfach und man bekommt, je mehr der Film voranschreitet, verstärkt das Gefühl, dass Romero doch langsam in die Jahre gekommen ist. Was in seinen anderen Filmen noch geschickt eingefädelt wurde, vermisst man hier völlig. Auch merkt man schnell, das Romeros Stil sich hier nun wirklich abnutzt und wie eine alte Leier heruntergespielt wird. Hinzu kommen teilweise unnötige CGI-Effekte, die auch noch ziemlich billig aussehen, eine sehr banale und wirklich schlecht erzählte Geschichte (man fragt sich, wie man auf so ein schlechtes Drehbuch stolz sein kann), total lächerliche komödiantische Elemente, die oft unpassend und infantil wirken, grottenschlechte Schauspieler, deren Rollen transparenter und plakativer gar nicht sein könnten, und viele Ideen, die im Film verwirklicht wurden, wirken sehr unausgereift und teilweise lächerlich. Eine Szene als Beispiel: Zwei Gruppen kämpfen gegeneinander. Die eine verschanzt sich in einem Fischerhäuschen und die andere steht an einem gepanzerten Wagen draußen. Jemand aus der Gruppe, die sich draußen am Wagen befindet, schmeißt eine Grante an die vordere Seite des Fischerhäuschens. Nachdem die Granate explodiert ist fehlt die komplette Front des Häuschens und die dahinter stehenden Protagonisten sind rußgeschwärzt und schauen sekundenlang doof aus der Wäsche.
Der Schluss von "Survival of the Dead" setzt dem allen dann noch die Krone auf und bricht einem als Romero-Fan wirklich das Herz. Was in allen anderen Filmen als finale Botschaft galt und den einen oder anderen Zuschauer zum Nachdenken angeregt und gleichzeitig durch die teilweise harten Splattereinlagen unterhalten hat, wird hier nur auf eine völlig routinierte und altbekannte Weise dargeboten, ohne aber letztendlich eine wirkliche Message zu transportieren, was letztendlich am negativsten ins Gewicht fällt. Stattdessen werden diesmal Pferde ausgeweidet, da die Zombies jetzt keine Menschen mehr essen müssen... die finale Szene ist dann einfach nur noch schlecht.
Zwar ist "Survival of the Dead" besser als sein Vorwerk "Diary of the Dead", doch macht es ihn dadurch nicht unbedingt zu einem guten Film. Ganz im Gegenteil.
Romero kopiert und zitiert sich hier zu oft selbst, ohne aber eine wirkliche Botschaft rüberzubringen oder etwas Neues einzubringen. Man kennt alles und weiß, was als nächstes passiert, da es Romero hier nicht schafft, aus seinem eigenen Schatten herauszutreten.
Fazit:
George A. Romero hätte nach dem starken Comeback mit "Land of the Dead" das Thema ruhen lassen und sich anderen Filmen widmen sollen. So macht er seine Zombiereihe nur um eine schlechte Fortsetzung reicher und zieht sein Gesamtwerk weiter nach unten. Für einen DVD-Abend mit dem Thema "Trash" kann er aber vielleicht zu gebrauchen sein. Echt schade...
Kommentare
Kann in den allzu negativen Tenor nicht ganz einstimmen. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass ein Romero Zombie-Film nichts Bahnbrechendes mehr bietet. Das war auch bei Land Of The Dead nicht anders. Dennoch ist es interessant, was der Altmeister hier seinem Publikum vorsetzt. Dass hier die Coexistenz von Menschen und Untoten als Thema des Films gewählt wurde, gefällt mir persönlich auch nicht so besonders. Es erscheint leider fast schon plump - mit dem erwähnten "grandiosen" Finale - wie Romero versucht damit dem Film einen bedeutungsschwangeren Anstrich zu verpassen.
Davon abgesehen merkt man halt doch, dass es hier die echten Romero Zombies sind. Und keine hyperaktiven Infizierten oder ähnliches Gesocks. Einem wohligen Nostalgiegefühl konnte ich mich bei der Sichtung von SURVIVAL OF THE DEAD jedenfalls nicht völlig entziehen.
Ein Fazit fällt mir persönlich eher schwer. Ich bleibe bei unentschlossenen drei Sternen.



