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Die Eiserne Lady 2011

Originaltitel: The Iron Lady
von Jane Fritsche / 14.02.12 07:22 Uhr


Film Kritik

105
Länder
Großbritannien, Frankreich
Genres
Drama, Biografie
Kinostart
01.03.2012

Handlung

Biopic über die Eiserne Lady Margret Thatcher

Margaret Roberts (Meryl Streep) wächst in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater, ein methodistischer Laienprediger, betreibt einen Kolonialwarenladen, in dem sie als junges Mädchen aushilft. Vom Vater erbt Margaret das Interesse an Politik und die Fähigkeit, andere für ihre Ideen zu begeistern. Als Erwachsene gelingt der Außenseiterin der Einstieg in das bis dahin von Männern beherrschte politische Establishment. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere wird Margaret, jetzt verheiratete Thatcher, Premierministerin Großbritanniens. Aus anfänglichen Niederlagen lernt sie schnell, sie schult sich rhetorisch und ändert auf Anraten ihrer engsten Mitarbeiter ihren Stil. Unbeirrt aber geht sie ihren politischen Weg, sei es im Kampf mit den Gewerkschaften oder im Falkland-Krieg. Ihr Mann Denis (Jim Broadbent) ist ihr mit seiner liebenswert-humorvollen Art ein unentbehrlicher Halt. Nach seinem Tod führt die an Demenz erkrankte Lady Thatcher oft Zwiegespräche mit Denis, der in ihrer Erinnerung weiterlebt.

Kritik


Die Laufbahn der einstigen Premierministerin (1979-1990) Margaret Thatcher war geprägt von harten politischen Auseinandersetzungen und ihrem beschwerlichen Weg als Tochter eines Kaufmannes hin zum höchsten Amt in Großbritannien. "Die Eiserne Lady" beleuchtet markante Stationen im bewegten Leben der ersten Frau an der Machtspitze.

„Watch your thoughts for they become words. Watch your words for they become actions. Watch your actions for they become... habits. Watch your habits, for they become your character. And watch your character, for it becomes your destiny! What we think we become.“ (Margaret Thatcher)

Das Biopic der Regisseurin Phyllida Lloyd („Mamma Mia“) nähert sich durch Rückblenden seiner Hauptfigur an und wählt als Ausgangspunkt eine gebrechlich gewordene Margaret Thatcher, die aufgrund ihrer fortschreitenden Demenz nicht mehr an die Öffentlichkeit tritt.
Eben jene zwei Zeitebenen, wenn man sie auf das hohe Alter und die linear verlaufende Skizzierung ihres Werdegangs eingrenzt, zeichnet ein komplexes und an vielen Stellen sehr grob gezimmertes Bild einer Frau, die vielen ihrer Geschlechtsgenossinnen als Vorbild galt und bis heute als eine der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Politikerin angesehen wird.

In einer schnellen Abfolge schildert der Film die kennzeichnenden Abschnitte ihrer Jugend im Krieg, die Verehrung ihres politisch aktiven konservativen Vaters, ihr unbändiger Drang sich zu beweisen und der eiserne Wille sich gegen jeden Gegner durchzusetzen – in gedrängten Bildern erhält man Unmengen an historischen Fakten, die sich zum Ziel setzen, das Leben und Wirken Thatchers möglichst genau nachzuzeichnen.

Der Film lässt durch seine Gedrungenheit der historischen Ereignisse nur eingeschränkt einen Blick auf ihre politischen Entscheidungen zu und ohne Wissen um ihr politisches Wirken wird das Geschehen schnell zur unüberschaubaren Bilderflut. Ihr Sieg bei den Parlamentswahlen 1979, die in vielerlei Hinsicht ähnlichen Bestrebungen wie Ronald Reagan in der Innenpolitik, ihre Bemühungen im Steuerwesen und der umstrittenen Bekämpfung der Inflation und dem Streik im Bergwesen und die Privatisierung von Staatsunternehmen und vor allem der Falklandkrieg gegen Argentinien, stellten unter Beweis, dass sie Nerven aus Stahl besaß  – alles markante Punkte ihrer Politik und Ecksteine für ihren Ruf als knallharte Verhandlungspartnerin.

"Die Eiserne Lady" will in erster Linie seiner Titelheldin ein filmisches Denkmal setzen, ihre Errungenschaften hervorheben und herausarbeiten, was an Margaret Thatcher erinnerungswürdig ist. Als Mittel dazu diente die perfekte Imitation der lebenden Person. Bereits als Julia Child in „Julie & Julia“ bestach Meryl Streep durch das genaue Studium der Aussprache und die möglichst genaue Annäherung an das Aussehen der amerikanischen Hausfrau und Köchin. Diese Arbeitsweise nutzt sie nun auch für ihre Darstellung der Politikerin. Sie nähert sich in ihrer Imitation der Premierministerin soweit, dass sie förmlich hinter dem Gesicht ihrer Figur verschwindet. Die Maske, die detailgenaue Nachbildung der Kostüme und die bekannte Betonfrisur tun ihr Übriges um eine nahezu identisches Abbild zu erschaffen.

Regisseurin Phyllida Lloyd findet in ihrem zweiten Kinofilm nicht das nötige Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz zur Eisernen Lady. Ihre Herangehensweise eine kränkliche Margret einer starken Thatcher gegenüberzustellen, ist recht einfallsreich, die imaginären Gespräche mit ihrem toten Mann Denis Thatcher (Jim Broadbent) sorgen für heitere Momente, die angesichts der dramatisch aufgeladenen dokumentarischen Bilder nichtsdestotrotz seltsam deplaziert wirken. Es scheit fast so, als wollte Autorin Abi Morgan („Shame“) ihrer Heldin eine private Seite andichten, die wir aus irgendeinem Grund bisher nicht sehen durften. Das Resultat bildet ein unausgewogenes, an vielen Stellen unangenehm aufgesetztes wirkendes Konstrukt.

„It used to be about trying to do something. Now it's about trying to be someone.“

Thatchers Gedanken und Reflektionen zählen zu den Stärken des Films und sind der beachtlichen pointieren Darstellung seiner Hauptdarstellerin zuzuschreiben. Doch verhindert es nicht, dass sich im Laufe der Handlung die Haltung gegenüber der Hauptfigur verändert. Der Blick wird zunehmend überhöht und letztendlich überwiegt die Verehrung zur Figur über die reservierte Beobachtung. Das am Ende der Personenkult Züge von Elisabeth I. annimmt, hätte sich die Crew ruhig verkneifen können.   

Fazit:
Würde man das Spiel Meryl Streeps allein bewerten, hätte der Film die Höchstwertung verdient. Sie verschmilzt mit ihrer Figur und lässt sie in jeder Lebensphase auf beeindruckende Weise wieder auferstehen. Als Biopic ist die oftmals viel zu oberflächliche Bilderflut an geschichtlichen Ereignissen jedoch höchstens Mittelmaß und der nahezu verklärte Blick auf seine Heldin hinterlässt am Ende einen bitteren Nachgeschmack.

Kommentare


EastClintwood
14.02.12 08:28 Uhr

Wiedereinmal toll geschrieben diva! Die Person Thatcher ist sehr interessant und hat ja viele Kontroverse ausgelöst, aber außer Streep (welch Überraschung!) scheint der Film ja nicht so gelungen zu sein ... Achja, man sollte jährlich einen "Streep"-Oscar für die Dame vergeben und die anderen extra, sonst haben die ja kaum eine Chance wenn sie in solch anspruchsvollen Rollen steckt, räumt sie fast sicher das Goldköpfchen ab ;)


siBBe
49
14.02.12 10:31 Uhr

Streep spielt ihre Rolle spitze, aber das weiß man eigentlich auch vorher schon. Vom Film selbst bin ich aber leider sehr enttäuscht. Die Trailer vorab gefielen mir richtig, habe etwas ganz großes erwartet, nun kann ich aber auch nachvollziehen, warum der Film nur Anerkennung für seine Hauptdarstellerin erhält und sonst ziemlich unter geht.

Genervt hat mich erst einmal der humoristische Ansatz. Das war vollkommen fehl am Platze, aber ständig wurde rumgealbert (Thatchers Mann). Mag sein dass er in real auch ein "lustiger Kauz" war, das weiß ich nicht, aber selbst wenn, dann will ich den Mist nicht den ganzen Film hindurch sehen. Der Typ hat einfach nur gestresst. Ernst nehmen konnte man den Film danach nur noch schwer.

Dann hatte ich ein großes Problem mit dem Aufbau. Ich dachte wir sehen hier eine groß aufgebaute Lebensgeschichte (oder einen Teil davon), stattdessen geht der Film einen sehr komischen Weg: Wir sehen Thatcher, die schon sehr alt und im Ruhestand ist, mit den Problemen des Altseins kämpft (einsam, senil, sieht ihren tote Mann immer um sich und glaubt er sei real...) und zwischendurch werden immer Phasen ihres Lebens eingestreut, die auch immer sehr oberflächlich und kurz behandelt werden. Richtig ins Thema kann man dabei nicht eintauchen, so dass selbst Szenen, die im Trailer noch wuchtig wirkten und mir eine Gänsehaut einjagten, nun völlig langweilig an mir vorbeigingen.

Wäre Streep nicht dabei, würde ich auch vollkommen davon abraten, sich den Film anzusehen. Wer sie allerdings (mal wieder) in einer tollen Performance sehen will, und sich für das Thema interessiert, kann ja mal einen Blick hineinwerfen. Erwartet vom Film selbst aber lieber nicht zu viel.


tarantino
14.02.12 10:35 Uhr

Schade.
Dachte der Film hat auch neben Streep einiges zu bieten.


hitmanBcengiz
14.02.12 11:44 Uhr

binn sehr neigierig darauf


Bumblebert
14.02.12 13:07 Uhr

Sowas in der Art hatte ich mir schon gedacht. Ich werde definitiv auf den Verleih warten, um mir das geniale Spiel von Streep in der OV reinziehen zu können!


hitmanBcengiz
01.03.12 23:22 Uhr

es ist klar das jeder für sich seinen eigenen geschmack hatt und ich war zwar schon vorher daran intressiert aber nach einigen kritiken hier hatt es mich noch mehr bestärkt und es wurde daraus ein kino besuch, zum glück deswegen dankeschön, meryl streep sollte klar sein und schade das robert deniro oder al so runtergekommen sind die frau spielt immer noch auf einer ganz hohen ebene ohne kompromisse, RESPEKT war sehr beeindruckt, zum glück erzählt der film nicht so ausführlich ihre lebensgeschichte wie sonst bei biografien üblich vieleicht unterschätz man gerade deshalb umso mehr, fand ihn sehr stielvoll ob es die grossartigen kostüme sind oder die bildliche sprache des films, ein "meisterwek" hätte mich glaube nur gelangweilt:9


Anne
53
13.03.12 22:17 Uhr

Ich hab den Film am Wochenende gesehen und muss sagen, dass ich den so langweilig fand, dass ich fast eingeschlafen bin. Meryl Streep hat die Sache natürlich gut gemacht, aber der Rest hat mich wirklich nicht überzeugt...