Handlung
Nach einer wahren Begebenheit...
Adam Carlson (John Krasinski) berichtet für einen kleinen Sender aus einer der nördlichsten Städte der USA, am Nordpol gelegen. Als er für seinen jungen Freund Nathan (Ahmaogak Sweeney) noch einen letzten Film drehen will, entdeckt er zufällig eine Walfamilie, die sich unter der Eisschicht verirrt hat. Fünf Meilen entfernt vom offenen Meer halten sie eine kleine Stelle im Eis offen, um regelmäßig atmen zu können. Trotzdem haben sie nur noch wenige Tage zum Überleben, da die Öffnung bald zufrieren wird.
Doch Adams kleiner Film, lässt ganz Amerika auf die drei Wale aufmerksam werden und bringt eine Lawine ins Rollen, darunter auch die Greenpeace Aktivistin Rachel (Drew Barrymore), Adams Ex-Freundin. Ihr gelingt es, Hilfe für die Wale zu organisieren, aber immer mehr zeigt sich, dass es beinahe unmöglich ist, sie zu retten...
Kritik
Im Oktober 1988 erlangte das kleine Dorf Barrow am nördlichen Ende Alaskas überraschenderweise weltweite Berühmtheit. Drei kalifornische Grauwale waren dort im arktischen Eis gefangen und erzeugten dadurch ein globales Medienecho. In einer zweiwöchigen Rettungsaktion versuchten nun verschiedenste Interessengruppen die Wale, die nur ein kleines Loch in der Eisdecke zum Luftholen hatten, ins offene Meer zu geleiten. Politiker, Tierschützer, Militär, Unternehmer und sogar ein sowjetischer Eisbrecher taten sich zusammen, um den Tieren zu helfen. Was sich selbst für eine TV-Produktion billig und kitschig anhört, ist bei einer wahren Begebenheit doch glatt kinotauglich – das dachte sich Universal Studios und bringt mit 'Der Ruf der Wale' den passenden Spielfilm dazu in die Lichtspielhäuser.
Die Rahmenhandlung steht, ihr fehlt nur noch die Charaktere und die dazugehörigen Hintergrundgeschichten. Adam Carlson (John Krasinski) ist ein Lokalreporter, der durch Zufall auf die Wale stößt und sich damit den großen Durchbruch als Berichterstatter erhofft. Die hilflosen Tiere rufen Greenpeace mit ihrer Stimme Rachel (Drew Barrymore) und Ölmagnat McGraw (Ted Danson) auf den Plan, der sich mit finanzieller Unterstützung positive PR sichern will. Rachel ist die Ex-Freundin von Adam, der aber mittlerweile für die skrupellose Reporterin Jill (Kristen Bell) schwärmt. Und schon hätten wir den 08/15-Brei aus dem Standardkochbuch vom Gewöhnlich-Verlag. Hmmm, lecker!
So unglaublich die Geschichte rund um die eingeschlossenen Grauwale auch ist, sie ist wirklich geschehen und wurde in den wichtigen Eckpunkten korrekt auf der Leinwand abgebildet. Die Vorlage bringt schon einiges an „Kitschgefahr“ mit sich, die Regisseur Ken Kwapis nicht im Geringsten zu umgehen versucht. Das man diese Eigenschaft einem familientauglichen Spielfilm in der ein oder anderen sentimentalen Minute durchaus nicht absprechen kann ist naheliegend; dennoch ist Kino für die ganze Alterspalette ohne zu dick aufgetragene Rührseligkeit durchaus im Bereich des Machbaren. Der Realismus räumt sicherlich nicht den höchsten Stellungswert bei solchen Produktionen ein, aber das man bei eiskaltem Wasser ohne Gesichtsschutz mehrere Minuten tauchen kann oder bei -50°C mit offenen Türen Hubschrauber fliegt ist des Guten doch ein wenig Zuviel.
Das größte Manko des Films sind die schwach gezeichneten Charaktere. Da wäre die energische Greenpeace-Aktivistin, die dem Zuschauer sympathisch vermittelt werden soll, aber durch ihre ständige Meckerorgien einfach nur auf die Nerven geht. Ebenso vertreten sind die walfangenden Inuits, die diese Tiere eigentlich verehren, der Erdölförderer, der im Herzen gar nicht so schlimm ist und die rücksichtslose Reporterin, die für einen Karriereschub nahezu alles macht. Auch wenn mancher Protagonist in der wahren Geschichte wirklich mit diesen Eigenschaften ausgestattet gewesen ist, werden diese durch die schablonenhafte Charakterisierung ins Lächerliche gezogen.
Schauspielerlisch gibt es kaum etwas Positives zu berichten; die meisten Mimen rund um den Star Drew Barrymore schalten auf Autopilot und spulen gelangweilt ihr Routine-Programm ab. Allein der alte Recke Ted Danson und John Krasinski als liebenswerte Identifikationsfigur holen mit etwas Esprit Pluspunkte aus dem engen Korsett der Geschichte.
Die politische Seite der Handlung birgt Potenzial, da Russland und USA darin verwickelt waren und 1988 der kalte Krieg zwar in den letzten Zügen, aber noch nicht offiziell beendet war. Doch diese angespannte Thematik sowie der Umstand, das Ronald Reagan den Walkampf zum Wahlkampf benutzt, wird nur achtlos am Rande behandelt und dann ausgerechnet mit völlig unpassenden humoristischen Ansätzen. Das unausweichliche Ende setzt dem Ganzen noch die Krone auf; im Grunde fehlt nur noch David Hasselhoff auf einer Eisschorle treibend, der munter seinen Mauerfall-Song „Looking for Freedom“ trällert.
Das diese ergreifenden Ereignisse nicht nur Tierfreunde emotional binden, zeigt der Film leider nur in sehr wenigen Momenten - wenn die beiden Wal-Eltern ihr verwundetes Baby immer wieder an die Wasseroberfläche hieven, würde selbst das Herz einer Robenbabyfell-tragenden Mittsiebzigerin schwach werden. Dieser Effekt verpufft aber nahezu gänzlich und somit fiebert man selten mit dem Schicksal der Tiere mit. Da sind die 1-2 gelungenen Gags beinahe eine positive Randnotiz.
Fazit: Logiklöcher, eindimensionale Charaktere und fehlende Bindung zu der Geschichte; die filmische Aufarbeitung der dramatischen Ereignisse in Alaska macht so ziemlich alles falsch was man falsch machen kann. Dies ist sehr schade, hätte das Grundgerüst doch Potenzial für tolle Familienunterhaltung geboten.