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Chronicle - Wozu bist du fähig? 2012

Originaltitel: Chronicle
von Daniel Krüger / 16.02.12 11:11 Uhr


Film Kritik

84
Länder
USA, Großbritannien
Genres
Action, Thriller, Drama, Horror, Sci-Fi
Kinostart
19.04.2012

Handlung

Ungewöhnlicher Genre-Mix aus 'Found-Footage' und 'Superhero-Film'

Drei Highschool-Jungen machen nachts auf einem Feld eine mysteriöse Entdeckung. Ein seltsames Objekt befindet sich unter der Erde und scheint einen speziellen Effekt auf Menschen zu haben, denn seit diesem Abend haben Andrew (Dane deHaan), Steve (Michael B. Jordan) und Matt (Alex Russell) besondere Kräfte. Anfangs probieren die Drei ihre neuen Fähigkeiten nur harmlos aus. Aber bald wird aus dem Spaß bitterer Ernst und ein Machtkampf zwischen den Jungen entsteht, der immer gefährlicher wird...

Kritik

In belastenden Zeiten von unnötigen Fortsetzungen, Neuverfilmungen und Markenausschlachtung scheint Regisseur Josh Trank und sein erster weltweit beachteter Spielfilm 'Chronicle – Wozu bist du fähig?' als eine Art Heilsbringer in die Herzen der nerdigen Filmlandschaft einzumarschieren. Doch ist die Idee eines Superheldenfilms im Found-Footage Stil wirklich innovativ? Letzten Endes ist es nur eine Kreuzung des erfolgserprobten Konzepts 'nähe zur unaufhaltbaren Youtube-Gemeinde halten' und all der Superheldengeschichten, die in den letzten Jahren wie selbstverständlich die Spitzen aller Trends anführen. Was sich ernüchternd anhört, verhindert zum Glück nicht, dass 'Chronicle' dennoch ein unterhaltsamer Film geworden ist und sich Josh Trank als ein weiter Hoffnungsträger der US-Nachwuchsriege empfehlen kann. 

Andrew Detmar (Dane deHaan) ist einer dieser Teenager, die seit jeher mit gesengtem Blick über den Schulhof laufen. Von Mitschülern gemobbt und vom Vater geprügelt, bleibt ihm nur die Liebe zu seiner todkranken Mutter und die familiär-loyale Freundschaft seines Cousins Matt (Alex Russel). Andrew beschliesst sein Leben fortan per Videokamera zu dokumentieren und findet sich bald zur rechten Zeit am rechten Fleck wieder; als Matt und Schulliebling Steve (Michael B. Jordan) einen Krater erkunden wollen und Andrew sie dabei filmt, finden sie eine mysteriöse Substanz, die dem Trio Superkräfte verleiht. 

Autos mit purem Willen bewegen, nahezu resistent gegen äußere Gewalt sein und sogar vom Boden abheben um eine runde Football in den Wolken spielen – welcher Teenager würde die neugewonnen Fähigkeiten nicht auf ähnliche Art und Weise austesten, wie Matt, Andrew und Steve es in 'Chronicle' tun? Folgerichtig entfaltet der Film seinen größten Reiz in der Lernphase der Protagonisten und übertrumpft sich nahezu im Minutentakt mit kreativen Varianten der Superspielereien, sei es das an Jackass anmutende Training mit einem Baseball oder Andrews verblüffender Kartentrick in einer regionalen Talentshow. Josh Trank umgeht bei all dem geschickt die Macken des Found Footage Genres: Anstatt 90 Minuten auf dauerwackelnde sowie kostengünstige Amateuraufnahmen zu setzen, spendiert er seinem Exoten Andrew einen Lehrgang zum Kameramann und lässt ihn das Gerät per Telekinese steuern. Ein genialer Schachzug, lässt sich nun jede Szene aus einem optimalen Blickwinkel präsentieren, ohne dabei auffallend professionell zu wirken. 

Die neugierige Phase des Trios stellt den stärksten Abschnitt des Films dar. Nach Andrews Wandlung zum rücksichtslosen Antagonisten verflacht der Umgang mit den Fähigkeiten zu einem austauschbaren, aber dennoch rasanten Endkampf inmitten der Großstadt Seattle. Der Schritt, das Prinzip der Handkamera noch einmal aufzuweichen und zusätzlich Aufnahmen von Nachrichtenhubschraubern sowie Überwachungskameras zu nutzen, erweist sich als weitere geschickte Regieentscheidung und verhindert einen Verlust der Übersicht. 

Seine größte Schwäche offenbart Chronicle in der Entfaltung von Andrews düsterer Seite. Um ihn als bemitleidenswertes Produkt seiner Umgebung- statt purem Bösewicht - darzustellen, gibt ihm das Drehbuch ein komplizierte Elternhaus an die Hand. Doch leider wirken der prügelnde Vater und die kranke Mutter sehr platziert – den raschen Wechsel auf die dunkle Seite können sie ebenso wenig untermauern, wie ihn Hauptdarsteller Dane deHaan darstellerisch transportieren kann. Deutlich besser agieren da seine Leinwandpartner Alex Russel und Michael B. Jordan, die ihre Figuren, von kumpelhaft bis melodramatisch, hervorragend interpretieren. 

Fazit: Auch wenn 'Chronicle - Wozu bist du fähig?' im Finale tatsächlich ein kleines Superhelden-Epos sein möchte, funktioniert Josh Tranks Genremix deutlich besser als kurzweilige Popcorn-Bespaßung. Übernatürliche Spielchen und der bewusste Bruch mit den Found-Footage Konventionen erweisen sich als die richtigen Mittel, um der Masse an Franchiseproduktionen einen gezielten Nadelstich zu versetzen.

Hinweis: "Chronicle" ist aktuell auf den Fantasy Filmfest Nights zu sehen. Mehr Infos zum Filmfest findet ihr >>hier<<

Kommentare


marki
79
15.02.12 02:47 Uhr

Bescheuerter deutscher Nebentitel, dafür ein umso stärkerer Film.


bogi86
16.02.12 11:35 Uhr

Liest sich echt gut! Ist (jetzt noch mehr als vorher ;)) vorgemerkt.


tarantino
16.02.12 11:35 Uhr

Hätte nicht gedacht das der so gut ist.
Bin gespannt.


dkr
78
dkr
16.02.12 11:57 Uhr

erklär mir mal bitte das Pseudo in "pseudo teenie action"?


EastClintwood
16.02.12 12:14 Uhr

Yeah fein! Freu mich drauf!


MIKE
16.02.12 14:52 Uhr

Coole Kritik

Der Film war schon von Anfang an einer meiner Most Wanteds, und die sehr gute Kritik verstärkt meine Meinung.


dennino
80
16.02.12 18:11 Uhr

Der Trailer überzeugte mich schon sehr und eure Kritik bestätigt meine Hoffnung auf den Film.


SERF
18.02.12 13:44 Uhr

Den werde ich mir bestimmt ansehen.


SilentBob
20.02.12 10:45 Uhr

War eh schon einer meiner Most Wanteds dieses Jahr. Bin absolut gespannt den endlich zu sehen. 73 Punkte sieht jetzt irgendwie nen bisschen hart aus, im Gegensatz zu den satten 4,5 Sternen :D


mjk89
64
22.02.12 06:51 Uhr

Hab den Film noch nicht gesehen und bin jetzt auch zu müde um die Kritik noch komplett zu lesen, aber das neue Bewertungssystem von 1-100 finde ich besser als das alte.