The Fall 2006
von Sebastian Stumbek / 11.09.08 14:41 Uhr
Film Kritik
Handlung
Taucht ein in die atemberaubende Welt von "The Fall".
Hollywood in den 20er Jahren. Roy Walker ist Stuntman beim Film. Bei einem gefährlichen Job mit einem Pferd hat er sich übel verletzt. In einem abgelegenen Krankenhaus erholt er sich von seinem Sturz. Hier wird ihm eröffnet, dass er seine Beine unter Umständen nie wieder wird bewegen können. Aus der drohenden Depression befreit ihn Alexandria. Das Mädchen ist aus Osteuropa in die USA eingewandert. Sie hat sich beim Apfelpflücken den Arm gebrochen. In Alexandria sieht Roy eine Möglichkeit, seinem Elend zu entkommen. Der Stuntman schlägt dem Mädchen einen Deal vor: Er erzählt ihr die fantastischste Story, die man sich überhaupt vorstellen kann. Dafür muss sie für ihn das Morphium stehlen, sollte er die ganze Krankenhaustortur nicht mehr aushalten können.Kritik
Nicht viele Regisseure verleihen ihren Filmen eine besondere optische Note, doch hier und da gibt es doch immer mal wieder kreative Menschen, die ihren Film als Kunstwerk sehen. Solch ein Mensch ist auch Tarsem Singh (vor allem durch kreative Werbespots und seinen Thriller "The Cell" bekannt), der mit seinem neuen Film "The Fall" gleich mal zeigt, was künstlerisch alles möglich ist, denn "The Fall" ist ein ungewöhnlicher, unglaublicher und optisch fantastischer Film geworden, wie man es vorher noch nicht gesehen hat. Auch die Entstehungsgeschichte des Films und seine Fakten sind unglaublich."The Fall" ist sozusagen die Verwiklichung eines Traums für Tarsem Singh gewesen. 17 Jahre lang hat er sich mit dem Film beschäftigt und reiste überall auf der Welt umher, um passende Drehorte zu finden, die er alle abfotografierte mit dem Ziel, sie alle später noch zu nutzen. Das Besondere an den Drehorten, die letzendlich dann für "The Fall" genutzt wurden ist, dass an den meisten Orten zuvor niemand gedreht hat und man das meiste gar nicht kennt, wodurch "The Fall" noch einzigartiger und unglaublicher ausschaut. "Es war sehr sehr schwer und deshalb hat man auch noch nichts gesehen was dort vorher gedreht wurde. Es wahr nahezu unmöglich. Wir hatten Aufstände, wurden mit Steinen beworfen und vertrieben und mussten immer wieder zu diversen Locations zurückkehren, es war sehr schwierig. Ansonsten wären es aber auch vertraute Orte für den Zuschauer. Es sind einfach sehr schwer betretbare Umgebungen weil es wohl die wenigen Orte der Erde sind, die noch immer unerforscht und unbekannt für die Leute sind", so Tarsem. Die Arbeit hat sich aber gelohnt, denn wie zuvor schon beschrieben, sieht "The Fall" alleine dadurch schon so unglaublich schön aus, dass man sich wie in einer Fantasywelt versetzt fühlt. Auch bricht der Film alle Rekorde mit seiner Anzahl an Drehorten in verschiedenen Ländern, denn "The Fall" wurde in sage und schreibe 24 Ländern gedreht - und das dann auch gleich stolze 4 Jahre lang.
Bei solch einem Mamutprojekt ist es schier unmöglich, Investoren für seinen Film zu überzeugen, so dass Tarsem in der Hinsicht erfolglos blieb. Machte aber nichts, denn Tarsem ging einfach an sein Erspartes und finanzierte den Film komplett selbst. Der Vorteil der sich daraus ergab war dann auch der, dass ihm dadurch alle Freiheiten in der Umsetzung gegeben waren. Bekannt ist das Budget nicht, das möchte Tarsem nämlich nicht verraten, aber wer den Film gesehen hat und die Entstehungsgeschichte hier noch hinzuzieht dürfte sich darüber einig sein, dass es verdammt teuer gewesen sein dürfte.
Aufgeteilt ist der Film im Grunde in 2 Parts, die sich immer wieder abwechseln: Zum einen spielt der Film in einem Krankenhaus in Los Angeles in den 20er Jahren und konzentriert sich dabei vor allem auf auf den verletzten Stuntman Roy Walker und das kleine Mädchen Alexandria, zum Anderen aber auf die von Roy erzählte Geschichte, die man zwischendurch immer zu sehen bekommt. Die Krankenhaus Parts sind dabei schauspielerisch auf höchsten Niveau gespielt, vor allem was die kleine Catinca Untaru, die das Mädchen Alexandria darstellt, angeht. Gerade einmal 6 Jahre alt aber von einer solchen Natürlichkeit und Niedlichkeit geprägt wie selten zuvor gesehen. Bei Kindern ist es in Filmen immer so eine Sache, denn meistens sind sie schauspielerisch einfach nicht gut. Nicht so bei Untaru, sie spielt ihre Rolle nämlich so überzeugend, als wäre es gar kein Schauspiel mehr. Liegt möglicherweise auch an der lustigen Tatsache, dass man dem Mädchen während des Drehs vorgegaukelt hat, dass Lee Pace, der den Stuntman Roy Walker spielt, wirklich krank sei. Außer Tarsem kannte während des Drehs niemand die Wahrheit, er wollte nämlich nicht, dass Catinca Untaru davon Wind bekommt, wodurch ihre Glaubwürdigkeit nicht mehr in der Form gegeben wäre.
Erstaunlich auch, dass die in Rumänien geborene Catinca Untaru zum Dreh kein Englisch konnte. Sie lernte die Sprache am Set relativ schnell, doch das Problem war, dass sie durch Anweisungen des indischen Regisseurs Tarsem sich selbst einen indischen Akzent aneignete. Um das zu vermeiden wurden einige Rumänen ans Set geholt, die als Zwischenknoten fungierten und Anweisungen des Regisseurs weiter übertrugen. Die Dialoge wurden ihr dabei nicht aufgetragen, sondern nur die Thematik erklärt und einige Schlüsselwörter genannt, wodurch sie selbst die Dialoge erfand und formte (ein Anschauen des Films in Originalton sei an dieser Stelle dringend empfohlen, denn in einer Synchro würde der ganze Charme, der dabei übertragen wird, zerstört werden). Dann musste auch alles ganz schnell gehen, erzählte Tarsem während eines Interviews, die ersten beiden Takes über verstand Untaru nämlich nicht, worum es geht, der dritte und vierte Take waren dann meist korrekt mit der nötigen Irritation, danach war ein Drehen nicht mehr möglich, da sie gelangweilt war und nicht mehr mitmachen wollte, so dass Tarsem im Notfall eine neue Situation ausdenken musste und aus neuen Winkeln filmen musste, um sie wieder zu begeistern. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, es ist in jeder Szene schön anzuschauen, wie sich die Geschichte mit den beiden Charakteren weiter entwickelt und sich zu einem wie man ahnt bösen und emotionalen Ende entwickelt. Die Dreharbeiten im Krankenhaus dauerten insgesamt 12 Wochen, doch der Dreh der erzählten Geschichte, die auf der ganzen Welt gedreht wurde, nahm insgesamt 4 Jahre in Anspruch.
Die vom Stuntman erzählte Geschichte, die von Alexandria während des Erzählens mit geformt wird, könnte visuell kaum schöner sein. Weiter oben wurde bereits beschrieben, wie einzigartig sich die Auswahl der Drehorte gestaltete. Kaum zu glauben ist dabei auch, dass der Film keine Special Effects benutzt! Man bekommt eine wunderschöne Fantasywelt zu sehen, die so schön aussieht, dass man denkt, dass sie einfach nicht echt sein kann und aus dem Computer kommen muss, doch Tarsem benutzte tatsächlich kein CGI. Stattdessen setzte er auf ungewöhnliche Drehorte, abgedrehte schöne Kostüme, originelle Ideen und Farbspielereien, so dass insgesamt eine glaubwürdige Welt geschaffen wird, wie man sie schöner Wohl kaum bisher gesehen hat. Alleine der Blick auf die Blue City ist atemberaubend und kaum vorstellbar, dass sie so tatsächlich wie im Film zu sehen echt ist (wofür Tarsem und sein Filmteam aber auch mitverantwortlich sind, denn sie verteilten für die Einwohner kostenfrei blaue Farbe, womit sie ihre Häuser bemalten). Aber nicht nur optisch ist "The Fall" ein Meisterwerk, auch musikalisch macht der Film eine ganze Menge her, allein die Titelmelodie wird so schnell keinem aus dem Gedächtnis entfallen.
Nicht nur im Film gestaltet Untaru die erzählte Geschichte mit, sondern auch vor Drehbeginn gab sie vor, wohin sich die Reise zu entwickeln hat. Dazu zeigt ihr Tarsem seine Fotos der Drehorte aus 17 jähriger Suche, und das kleine Mädchen mische sich mit ihren eigenen Ideen und Wünschen in den Prozess der Fantasystory mit ein. "Sie gab alles vor. Das ist der Grund wieso man nirgendwo einen Investor findet, da man immer erklären muss: 'Wir haben kein Drehbuch, nur eine Struktur. Das Drehbuch wird von einem 6-jährigen Mädchen "geschrieben" die nicht einmal englisch spricht', von daher wird kein Investor mir sein Geld geben aber ich sagte mir dann einfach 'Alles klar, ich mache es einfach allein'.Sie kam und sie änderte einfach ALLES. Ich nahm sie in diesen einen Raum und sie erzählte mir, wo was passiert und was zu passieren hat. All die Hintergrundgeschichten von Darwin oder dem Inder waren ursprünglich gar nicht geschrieben", erzählt Tarsem.
Was wirklich schade ist ist die Tatsache, dass "The Fall" sich nicht nur mit der Finanzierung schwer tat, sondern auch mit einer Veröffentlichung. Der Film ist eigentlich von 2006(!), lief seitdem aber fast ausschließlich nur auf Festivals. Erst in diesem Jahr erschien der Film in einigen wenigen Ländern im Kino (Russland, Niederlande, Japan), in den USA bekam der Film dieses Jahr nur einen Limited Release (also wurde nur in wenigen Kinos gezeigt). Nun erschien die DVD/Blu-Ray zum Film, die international überall erhältlich ist, für Deutschland ist mit einem Kinostart wohl eher nicht mehr zu rechnen. Darum bleibt wohl nichts anderes übrig als auf die DVD-Veröffentlichung hierzulande zu warten oder die Scheibe einfach aus dem Ausland zu bestellen.
Fazit: "The Fall" ist ein Meisterwerk, anders kann man den Film einfach gar nicht beschreiben. Die Bilder, die man hier zu sehen bekommt, sind schlicht atemberaubend, was "The Fall" zu einem der optisch wohl schönsten Filme aller Zeiten macht. Wenn man sich mit der Story anfreunden kann, die in meinen Augen gut gelungen ist, wird man mit dem Film nicht viel falsch machen. Anschauen lohnt sich schon allein aus dem technischen Aspekt heraus und auch aus der Tatsache, einen einzigartigen Film zu sehen.
Nachtrag: Wir hatten die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit Regisseur Tarsem Singh, unser Interview findet ihr hier.
Kommentare
So den Streifen auch mal gesehen....
Ja coole Idee und Story, Ja coole Bilder.... aber so ganz konnte mich der Film nicht auf 6 Sterne niveau packen...
Ein traumhaft schöner Film, der mit seinen fantastischen Bildern, der märchenhaften Story und tollen Figuren absolut mitreißt. Nimmt von der ersten Minute an gefangen und lässt mit seinen überreichen Setting nicht mehr los. Ein echter Hingucker und emotional sehr ergreifend - kurz: Eine Filmperle vom Feinsten!
@Easty: Du sagst es! Kein Plan warum ich den so lange vor mir hergeschoben habe. ;D Der Film muss gesehen werden!
"googly googly, go away!" wuchtige landschaftsaufnahmen, knallig saftige bildkompositionen kombiniert mit slow motion shots zum staunen. allein die opening sequence erinnerte an damalige schwarz/weiss LEVIS werbungen. der wunderbar orchestrale soundtrack brennt sich wohlig in die gehörgänge. trotzdem konnt ich nicht ganz in diese gekünstelte märchenwelt ein-/abtauchen. das studiokulissen-feeling war mir dann doch etwas zu sehr omnipräsent. der letzte kick an intensität hat gefehlt. aber das is nur nebensächliche geschmackssache. prädikat: besonders schön!
Filmi: Was meinst du mit "studiokulissen-feeling"? Der Film wurde in 24 Ländern an Originalschauplätzen gedreht, kein Studio, keine Special Effects.
Aber immerhin hat er dir ja dennoch gefallen :)







