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JCVD 2008

von andré gabriel / 14.08.08 15:26 Uhr


Film Kritik

96
Länder
France, Belgium, Luxembourg
Genres
Action, Krimi, Drama
DVD
24.07.2009

Handlung

The Muscles from Brussels are back!

2008, Brüssel. Jean-Claude hat gerade in L.A. ein anstrengendes, kostspieliges Sorgerechtsverfahren um seine Tochter hinter sich gebracht, steigt von der Reise gebeutelt und de facto pleite aus dem Flieger, soll aber noch am selben Tag fristgerecht eine stattliche Summe an seinen Anwalt überweisen. Als er kurz vor Geschäftsschluss eine Bank betritt, gerät er unversehens in einen Überfall und wird als Geisel genommen. Einer der Räuber entpuppt sich als begeisterter Van Damme-Fan und überredet den Schauspieler, der ja schließlich Profi in solchen Situationen ist, in ihrem Auftrag mit den Cops zu verhandeln. Für die Polizei stellt sich die Situation daraufhin wie folgt dar: Der bekanntermaßen in Geldnöten steckende Star betritt eine Bank, nimmt eine Handvoll Geiseln, um so einen Batzen Euros zu erpressen. Der leitende Commissaire - natürlich auch ein Fan - ist tief betrübt über Jean-Claudes offensichtlich verzweifelte Lage. Während der Schauspieler hinter verbarrikadierten Türen Autogramme schreiben und Karatekniffe vorführen muss, beginnen sich draußen Scharen von Schaulustigen mit Parolen à la „Befreit Jean-Claude!" bei Laune zu halten. Doch die Situation wird zunehmend ernster für alle Beteiligten.

Kritik

The Muscles from Brussels are back... heißt es einleitend zu dieser Kritik des neuen Films mit Jean-Claude Van Damme. Und gleich muss man wieder ein wenig zurück rudern. Nicht, dass sich eingefleischte Van Damme-Fans, die hier einen Actionstreifen in alter Tradition erwarten, auf den Schlips getreten und schwach informiert fühlen. Also, aus diesem Grunde gleich eines vorweg: solch einen Van Damme-Film hat es bislang noch nicht gegeben. Und was so besonders an JCVD ist, soll in der Kritik deutlich werden.

Ok, der Film beginnt wie ein Actionfilm - augenscheinlich, auch wenn sich hinter der Szene, die übrigens in Childen of Men-Manier ohne Schnitte auskommt, eine etwas andere Aussage befindet als das an der Oberfläche dargestellte Kämpfen. Die Szene führt den Protagonisten ein, könnte man sagen, und der ist natürlich, der Titel verrät es ja schon, Jean-Claude Van Damme. Dargestellt wird er als alternder Action-Opa, der nicht mehr wirklich in der Lage ist, eine solche von Ausdauer und Konzentration geprägte Szene zu drehen. Und schon sind wir angekommen im Leben von JCVD, denn darum geht es in dem Film, der kein Biopic ist, sondern eine fiktive Geschichte, in die der Mensch Jean-Claude Van Damme, gespielt von sich selbst, involviert ist. Sein Leben nimmt an diesem Film in Form von ausgewählten Tiefpunkten wie beispielsweise das Thema Drogenkonsum und primär dem Sorgerechtsstreit um seine Tochter teil.

Im Film befindet sich Van Damme in keiner vorzeigbaren Situation, was sich gut in dem Ausbruch in der Bank zeigt, als er partout kein Geld von der Servicedame erhält. Er befindet sich in finanziellen Nöten, der Sorgerechtskampf zerrt an den väterlichen Nerven und zu alledem hat ihm Steven Seagal auch noch eine Rolle weggeschnappt - welch ein Tiefschlag. Da passt es rein medial doch gut zusammen, dass der (ehemalige) Filmstar jetzt scheinbar eine Bank ausraubt. Und schnell sind die Medien auch zur Stelle, aber neben der Presse auch etliche Fans, die Van Damme gegenüber ihre Anerkennung kund tun und lautstark dessen Namen rufen. Das ist auch das grobe Szenario des Films: das Draußen und Drinnen während des Banküberfalls.
Es wird schnell klar, dass es sich bei dem Film um spezielle Kost handelt, die einem nicht alltäglich serviert wird. Das zeigt auch schon irgendwie das Poster, denn der Blick der Hauptfigur spricht Bände: er wirkt angeschlagen, nicht wie ein Actionstar, nicht wie ein Held... es ist der wahrheitsgetreuere Blick auf und von dem Menschen Jean-Claude Van Damme, abseits des großen Starrummels, was auch wunderbar mit der Tatsache einher geht, dass ihm seine Kampfkünste in einer realen Situation wie die im Film nicht allzu sehr helfen... das zeigt auch auch die Szene gegen Ende des Films, diese kurze Traumsequenz wie es wohl in einem seiner Actionfilme ausgesehen hätte, nicht aber im wahren Leben des Jean-Claude Van Damme, in dem die persönlichen Probleme längst den vergänglichen Status eines Actionfilmhelden überholt haben. Ein Status, der früher noch präsenter war, auch in der Gedankenwelt von Jean-Claude Van Damme selbst.

Kritiker mögen eventuell sagen, dass der Film der übliche Versuch ist, ein Image rein zu waschen und selbst, wenn dieser Effekt erzeugt wird, glaube ich nicht, dass es primär darum ging. Dafür steht eine Szene im Film, die mir selbst beim Schreiben dieser Zeilen noch eine Gänsehaut verursacht: ein Monolog von Jean-Claude Van Damme, der nicht allzu einstudiert und daher wenig unrealistisch wirkt, der erneut ohne einen Schnitt gedreht wurde, was die Tränen des Protagonisten ehrlich erscheinen lassen. Wir haben Jean-Claude Van Damme in der Vergangenheit kaum als Schauspieler erlebt und wahr genommen. Aber seine Filme und Rollen haben auch kein darstellerisches Talent voraus gesetzt. Dieser Film schon und es bleibt klar zu resümieren, dass er es doch scheinbar kann. Und dieser Eindruck wird nicht von dem angesprochenen Monolog hinterlassen, denn wenn man auf das Reale in der Szene vertraut, dann handelt es sich ja nicht um Schauspiel. Nein, auch sonst, in den vielen weiteren Szenen, in denen er auftritt, hat man den Eindruck, dass dieser Jean-Claude Van Damme schauspielert.

Zur Technik und Kamera in JCVD: mit einem Wort... beeindruckend. Und zwar den gesamten Film über: da gibt es außergewöhnliche Kamerafahrten, mehrere Szenen ohne Cuts, die Kamera fliegt durch die Räume als wäre sie wirklich ein schwebendes Auge mit der Fähigkeit, Bilder festzuhalten. Es ist wirklich klasse, was einem hier technisch geboten wird und zunächst einmal mehr als überraschend, denn -mal ehrlich- wer hätte das bei einem so kleinen belgischen Film erwartet?
Hinzu kommen einige interesante und lustige Querverweise auf beispielsweise John Woo oder eben Steven Seagal.

Fazit: es ist nicht leicht, einem solchen Film eine Bewertung zu geben, denn entweder funktioniert ein solcher Film oder er funktioniert eben nicht. Daher kommt es hier nicht allzu sehr auf die vergebenen Sterne an.
Der Film ist besonders und sollte daher auch unter besonderer Beurteilung kritisiert werden. Es wäre möglich gewesen, dass ein solches Projekt kitschig wirkt und eben doch nach "Image-Reinwaschen" schreit, aber diesen Weg hat JCVD nicht genommen. Das Vorhaben ist demnach gelungen, den Menschen Jean-Claude Van Damme mit Hilfe einer fiktiven Geschichte aus der Hülle des Actionstars zu pellen und die wichtigen Dinge in seinem Leben zu zeigen... der rote Faden, der aus dem Sorgerechtsstreit um seine Tochter besteht, sowie das Ende des Films stellen dann auch deutlich klar, was beziehungsweise wer im Leben von Jean-Claude Van Damme am wichtigsten ist.

Kommentare


Kaspian
73
05.12.09 20:24 Uhr

Jean-Claude schauspielert? Ich habs nicht gelaubt... ..der arme Jean..wenner Geldprobleme hat soller doch beim Sly mitspielen..


professorfedi
21.04.10 03:36 Uhr

Köstlich. Irgendwie erinnert das Ganze an MY NAME IS BRUCE oder entfernt an LAST ACTION HERO. Der reale Jean-Claude van Damme wird in einen fiktiven Postraub verwickelt - ein Film in dem er unter also unter fiktiven Umständen über seine reale Person spricht, sinniert - ja, schauspielt. Und dass - wider erwarten - ziemlich gut. Ganz ehrlich. Der Film hat was. Diese französisch-belgische Produktion ist zunächst eine wunderbare Satire, eine Hommage an die "Muscles of Brussels" und ein witziger Rundumschlag gegen die Filmbranche - zum Beispiel unterhalten sich zwei arabische Videothekbesitzer über die Gemeinheit, dass ihr Volk in letzter Zeit dauernd die Bösewichte in den gängigen Hollywoodproduktionen darstellen. Wunderbar (als am Ende, die Geiseln befreit werden, werden den arabischstämmigen Geiseln sofort Handschellen angelegt - zum Brüllen!)!!

Jean-Claude van Damme spielt übrigens toll. Sein großer Moment des Films ist v.a. der Monolog den er trocken, ehrlich und emotional gegen Ende des Films in die Kamera spricht. Er redet über sein Leben, seine Karriere, Frauen, Drogen, Ruhm - und seinen Untergang. Diesen Monolog improvisert er. Jean-Claude van Damme improvisiert!!! (Erinnert an den Monolog von Marlon Brando im "letzten Tango" - auch wenn der Vergleich zwischen den Schauspielern hinkt, der Effekt ist letzten Endes der Selbe). Zudem gewinnt der Film gegen Ende einen leicht surealen Touch, vermischt die Grenze zwischen filmischer Fiktion und Realität und
legt nebenbei noch einen unglaublich coolen Showdown hin.

Ganz klarer Kauffavorit meinerseits, auch wenn der französische, absurde Humor manchmal etwas anstrengend und verwirrend ist. Nach diesem Film werd ich wohl doch noch zum Jean Claude Fan (DAMME!).


EastClintwood
10.12.10 07:40 Uhr

den wollte ich mir schon ewig mal zu Gemüte führen, ich glaube es wird langsam mal Zeit!


Expendable87
23.07.11 22:33 Uhr

OSCAR für JCVD^^ Er hätte es verdient^^


Bumblebert
11.09.11 21:54 Uhr

Hat mich gut unterhalten der Streifen. Teilweise waren dort echt köstliche Szenen. Und der Monolog zum Ende hin von Jean Claude ist wohl einer der geilsten, die ich je gehört habe!


Freeman
49
12.09.11 19:37 Uhr

Als alter Van Damme-Fan hab ich mir jetzt endlich JCVD angesehen, auf den ich schon länger sehr gespannt war. Der Film fängt klasse an. Wie die Story aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und sich dann einige Dinge auflösen, war sehr schön. Auch spielt Van Damme wirklich gut und beweist ein gehöriges Maß an Selbstironie, was ich immer toll finde. Sein Seelenstritease so sehr auf die eine Monolog-Szene zu konzentrieren, fand ich zwar nicht optimal, es geht aber noch in Ordnung. Ich hätte ihm immer wieder was erzählen lassen. ;)
Aber leider wars das für mich auch schon mit den positiven Eindrücken. Die Kidnapper waren irgendwie seltsam. Da gabs z.B. Arthur, der großer Van Damme-Fan war und altersmäßig so um die 30 sein sollte. Hallo? Der Typ sah mit seinem weißen Bart aus wie 60! Sein Kollege, der angeblich 54 Jahre alt war, und laut eigener Aussage sein Vater sein könnte, sah da deutlich jünger aus. Also das hat mich schon mal irritiert. Auch der 3. Gauner im Bunde war die ganze Zeit ein ruhiger, total harmlos wirkender Typ und dreht dann am Schluss total ab. Hab ich ihm überhaupt nicht abgekauft. Das Schlimmste von allem aber war für mich das Ende. Ich fand es mal sowas von doof, langweilig und vor allem nicht nachvollziehbar! Sollte das sarkastisch-lustig sein? Nenee das ging gar nicht. Nervt mich jetzt noch.

SPOILER
Wenn man ihn z.B. erschossen hätte, während er versucht die Geiseln zu retten, DAS wäre dann böser Humor gewesen! Und seine Filme würden nach seinem Tod plötzlich wieder total gefeiert werden. Es gäbe da viele Möglichkeiten...
SPOILER ENDE

Schade schade, das hätte ein cooler Film werden können. Zwar hatte ich nicht so was ulkig-lustiges wie "My Name Is Bruce" erwartet, aber man hätte etwas mehr abstruse, trockene Situationskomik reinbringen können. So war der Film etwas zahnlos und ärgerte zuletzt sogar noch durch das wirklich dumme Ende!


Therisingknight
10.11.11 10:05 Uhr

SUPER LEISTUNG Jeans...


Demise
82
24.12.11 16:11 Uhr

Warum nicht mehr davon? War das beste, was ich von Van Damme in den letzten 10 jahren gesehen hab.