Coraline 2009
von Sebastian Stumbek / 07.06.09 12:28 Uhr
Film Kritik
Handlung
Es gibt Türen, die besser ungeöffnet bleiben.
Eine bessere Welt, ein schöneres Leben. Davon hat Coraline schon immer geträumt: kein Vater, der meistens seine Ruhe will, keine Mutter, die kaum Zeit für sie hat, und bitte keine Silberfische in der Dusche. Was würde sie nicht alles geben für ein bisschen mehr Luxus, Spannung und Spaß? Und wer hätte gedacht, dass all das in ihrem neuen Zuhause schon hinter einer versteckten Tür auf sie wartet?Die Tür führt Coraline direkt in eine etwas andere, spektakuläre Version ihres eigenen Lebens. Hier leuchten die Farben, hier stehen Pizza, Hot Dogs und Creme-Muffins auf dem Mittagstisch und abgesehen von den seltsamen schwarzen Knöpfen auf ihren Augen sind diese anderen Eltern weitaus spaßigere Abbilder ihrer Mutter und ihres Vaters. Der Alltag scheint hier wie eine endlose Zirkusvorstellung - doch als die andere Mutter versucht, sie für immer in diesem Parallelzuhause zu behalten, wird aus dem dauernden Spaß bitterer Ernst. Um sich selbst und ihre wahren Eltern zu retten und ein paar andere Kinder aus ihrem Gefängnis in dieser anderen Welt zu befreien, braucht Coraline ihren ganzen Mut und ein bisschen Hilfe von ihren Nachbarn und einer sprechenden schwarzen Katze.
Kritik
Der britische Schriftsteller Neil Gailman hat schon so manch erfolgreiches Buch publiziert. Zuletzt wurde sein Fantasy-Roman "Sternwanderer" verfilmt, der zwar leider an den Kinokassen enttäuschte, dafür aber durch seine seine Qualität (sowohl der Film als auch das Buch) überzeugte. "Coraline", das sich eher der Jugendliteratur unterordnet, ist nun die nächste Gailman-Buchverfilmung, die demnächst in unseren Kinos startet, diesmal aber als Animationsfilm statt Live-Action. Geschrieben hat Gailman "Coraline" ursprünglich für seine damals 4-jährige Tochter, die ihm damals selbst immer wieder Geschichten von Hexen erzählte, die aussahen wie die eigene Mutter und die Tochter entführten. Gailman suchte daraufhin ein solches Buch für die Kleine, fand aber nirgends vergleichbares, so dass er damit anfing, selbst eins zu schreiben. Allerdings schrieb er etliche Jahre an der Geschichte, so dass seine Tochter bereits zu alt dafür wurde und er es für seine zweite, noch jüngere Tochter, jeden Abend vor dem Schlafengehen, weiterschrieb.Gailman beauftragte nach Fertigstellung des Buches seinen Agenten damit, Regisseur Henry Selick zu kontaktieren, von dem der britische Autor viel hielt. Selick inszenierte zuvor bereits "The Nightmare Before Christmas" und kannte sich somit mit der Umsetzung von morbiden Märchen auf der großen Leinwand gut aus. Für das Team stand schnell fest, dass sie für "Coraline" das Stop-Motion-Verfahren einsetzen würden, sowohl Live-Action als auch computergenerierte Animation standen auch zur Debatte, wurden aber von allen beteiligten abgelehnt. "Diese Story ist perfekt für Stop-Motion-Animation" erzählt Selick. Gaiman stimmt dem entschieden zu: "Stop-Motion vereint Phantasie mit einer fassbaren, soliden Realität. Henrys Arbeit mit diesem Medium hat mein Herz im Sturm erobert."
Eine durchaus gute Entscheidung, wie man am Endresultat nun bewundern kann, denn "Coraline" sieht einfach großartig aus und versprüht mit seinem Look einen ungeheuren Charme. Außerdem sehen dadurch viele der düsteren Szenen weitaus furchteinflössender und abgedrehter aus, was anders wohl nicht so gut rübergekommen wäre. Wie funktioniert das Ganze? Reale Objekte wie Personen, Ausstattung oder Sets werden Frame für Frame (in einem Spielfilm gibt es 24 pro Sekunde) auf einem Stage vom Animationsteam verändert und manipuliert. Jedes einzelne Frame wird anschließend fotografiert, wodurch man zig tausend abfotografierter Frames erhält, die schließlich, schnell hintereinander abgespielt, zu flüssigen Bewegungen führen. Ähnlich ging man schon in "The Night Before Christmas" vor. Zusätzlich zu den Stop-Motion Szenen gibt es aber auch noch zahlreiche animierte Effekte wie beispielsweise Nebel. Der Look ist aber nicht nur aufgrund des eingesetzten Verfahrens so gut gelungen, auch hat man sich viel Mühe gegeben bei der Erschaffung schräger Figuren oder fantasievollen Umgebungen. "Coraline" grenzt sich damit schön aus dem Einheitsbrei aus, den man allzu oft serviert bekommt und liefert damit etwas schönes eigenständiges.
Die Geschichte von "Coraline" ist zudem auch gut gelungen, sie bietet alles, was von von einer spannenden, fantasievollen Erzählung erwartet. Schnell taucht man in die schöne Welt ein, sieht alles aus den Augen Coralines, fühlt sich genau wie sie durch ihre bedrückende Umgebung unwohl und entflieht zusammen mit ihr in die Parallelwelt, die es zu erkunden gilt und in der alles anders und besser ist. Man ahnt schnell, dass der Schein trügt und will stets wissen, wie sich die Story weiterentwickelt, denn im laufe der Zeit wird der Film auch recht spannend. Allerdings muss man hierbei anmerken, dass der Film, auch wenn er für Kinder sein soll, teilweise doch recht verstörend auf Jüngere wirken kann, denn einige der Szenen sind recht makaber oder erschreckend. Sei es der Anfang, in dem man eine gewöhnliche Stoffpuppe dabei beobachtet, wie sie von zwei skelettartigen Händen "ausgeweided" wird, Knopfaugen verpasst bekommt und mit Sand neu gefüllt wird, oder die vielen Charaktere, die im Laufe der Zeit ihre wahren Gesichter offenbaren und mit grotesken Fratzen zu sehen sind.
Die Synchronisation ist, zumindest kann man das vom Original behaupten, auch sehr zufriedenstellend. "Desperate Housewive" Teri Hatcher spricht sowohl die Mutter als auch die "andere Mutter", Dakota Fanning ("Mann unter Feuer") übernahm die Vertonung von Coraline. Beide leisteten dabei sehr gute Arbeit.
Fazit: Ein schön-düsteres Märchen mit tollen Stop-Motion-Animationen und einer packenden Geschichte. Wer sich schon seit "The Nightmare Before Christmas" nach einem neuen gelungenen, morbiden Animationsfilm sehnt, wird hier bestens bedient.
Kommentare
Einer der weiteren Enttäuschungen des Jahres..je länger der Film dauerte.. desto stärker bluteten meine Ohrn...und Augen..
boa kaspian, wenn man keine ahnung hat, einfach mal gar nicht kommentieren haha :D wie geht denn das? der film ist sowas von genial, viel besser als ich gedacht hätte, ich meine, ich habe mich gefreut auf den streifen, aber was mir da letztlich geboten wurde, einfach fantastisch... der film hat mich sofort in seinen bann gezogen und mir dann einfach eine tolle geschichte erzählt, außerdem liebe ich stop-motion, das ist die perfekte technik für solche fantasievollen und durchaus auch spookigen geschichten... genial
Als die Mäuse ihren russischen ZIrkus aufführten...blutete ich nicht nur..es strömte nur so aus meinen Augen und Ohrn..furchtbar...fuuuuuuuuurchtbaaaaaaaar..........
Ich mag Stop-Motion-Animation, vor allem weil sie einfach zeitlos ist. Coraline hat mich absolut positiv überrascht. Sehr phantasievoll erzählt mit einen schönen düsteren Touch. Ich habe mich keine Minute gelangweilt und wenn man mal gesehen hat, mit wieviel Liebe zum Detail die Macher hier vorgegangen sind, kann man nur seinen Hut ziehen. Der Kritik kann ich in allen Punkten nur zustimmen.
der Film ist mittelmäßig; die Charaktere sind uninteressant, die Storyline verhält sich wie ein Videospiel für Kinder und die Innovation in Sachen Animation hält sich in Grenzen. Stimmt, gegen Ende kommt etwas Stimmung auf und, hui, für 10jährige ist der sicher auch ganz schön grußelig, jedoch besitzt CORALINE weder ein einfallsreiches Drehbuch noch einen originellen Subtext.
schau dir mal das special zur stop motion-technik von coraline an, dann wirst du deinen satz "die Innovation in Sachen Animation hält sich in Grenzen" vielleicht nochmal überdenken, ich meine, innovation erstmal hin oder her, aber dieser aufwand, sowohl zeitlich als auch handwerklich gesehen, dann die hingabe bis ins letzte kleine detail, nicht nur bei den puppen, dann die sets und die ideen, die in dem zusammenhang verwirklicht wurden, da ist übrigens definitiv innovation zu sehen, das alles steht nur für eines: KUNST, stop motion ist kunst und die basis dafür ist solides handwerk und fantasie, also keine ahnung, wie man zu so einer aussage hier kommen kann, aber vielleicht sagt es ja auch schon alles, dass du nur von "animation" sprichst...
Tricktechnisch super zum Leben erweckt, interessant und skurril erzählt, manchmal aber auch ein wenig zu gewollt und zäh! Im ganzen aber durchaus zu empfehlen!
Ein tolles und höchst ansehnliches Animations-Abenteurer, dass mit einer wunderbaren geschichte zu überzeugen weiß. Sollte man unbedingt mal gesehen haben.
so ein film hat einfach unglaublich viel charme und ist liebenswert verrückt. wenn man sowas nicht mag, kann man das doch schon am trailer sehen und muss sich den film ja auch nicht angucken. natürlich sieht das nicht so beeindruckend und imposant aus wie bei ice age etc., solls ja aber auch gar nicht und das lässt sich auch aufgrund der verschiedenen techniken überhaupt nicht miteinander vergleichen.





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