Requiem for a Dream 2000
von Dmitrij Panov / 28.02.10 21:03 Uhr
Film Kritik
Handlung
Der Alptraumtrip von Darren Aronofsky.
Harry (Jared Leto) ist ein junger Bursche, der zusammen mit seinem besten Freund Tyrone (Marlon Waans) und seiner hübschen Freundin Marion (Jennifer Connelly) ein typisches Leben voller Hoffnungen führt - wäre da nicht der Drogenkonsum, wegen dem er tagtäglich den Fernseher seiner Mutter Sara (Ellen Burstyn) an einen Pfandleiher abgibt, um an das nötige Geld zu kommen. Diese bekommt diesen zwar vom verständnisvollen Händler immer wieder zurück, doch helfen kann sie ihrem Sohn nicht wirklich. Als sie auch noch einen Brief von ihrer Lieblingsfernsehshow bekommt, dass sie dort möglicherweise auftreten könnte, gerät auch ihr Leben aus den Fugen: Besessen davon, möglichst gutaussehend in der Sendung aufzutreten, lässt sie sich von einem Arzt Appetitzüglertabletten verschreiben, um dort ihr altes Lieblingskleid tragen zu können, für das sie mittlerweile zu dick geworden ist. Währenddessen kommen Harry und Tyrone durch Drogenhandel an viel Geld, mit dem sie unter anderem Marions Traumkarierre als Modedesignerin finanzieren wollen. Doch was sich zunächst gut anhört, wird nach und nach zu einem echten Höllentrip für alle Beteiligten: Die Appetitzügler zeigen bei Sara unangenehme bis erschreckende Nebenwirkungen und auch das verdiente Geld ist wegen einiger Vorfälle schnell wieder weg - dass der Drogenkonsum an sich nicht ohne Folgen belibt, ist auch abzusehen. Die frühen Träume und Hoffnungen sterben langsam - was bleibt, ist eine Beerdigungsmelodie für diese, ein Requiem, der durch Mark und Knochen geht...Kritik
Schon in seinem ersten Film, dem Paranoiathriller "Pi", bewies der Regiesseur Darren Aronofsky, dass er Angst und Rausch in düstere, verstörende Bilder zu bannen weiß. Der mit sehr geringen Mitteln gedrehte Schwarz-Weiß-Trip erinnerte in seiner Form angenehm an David Lynchs "Eraserhead" oder Shinya Tsukamotos "Tetsuo" und sorgte für einen guten Ruf des Regiesseurs, den er mit seinem zweiten Film, dem ebenso düsteren und schonunslos-konsequenten "Requiem For A Dream" nach dem gleichnamigen Buch von Hubert Selby festigte. Auch hier benutze er einige bereits in "Pi" angewandte Stilmittel, zum Beispiel sich oftmals wiederholende, extrem kurze Einstellungen von Tätigkeiten, welche einen bestimmten Ablauf darstellen, die in seinem Erstling noch dazu dienten, den fast schon mechanischen Alltag des Mathmatikers darzustellen, in "Requiem For A Dream" jedoch etwas anderes symbolisieren: Nämlich die immer gleiche Routine des Drogenkonsums. Doch während die Handlungsabläufe stets gleich bleiben, werden die Folgen immer verheerender - was mit stilisierten und sonnendurchfluteten, einfach nur schönen Bildern beginnt, endet ebenso stilisiert, doch eher alptraumhaft.Darren Aronofsky bleibt seinem anfänglichen Stil treu und inszeniert seinen Antidrogenfilm als einen Rausch, das mit stilisierten Kameraperspektiven, Vorspuleffekten und weiteren visuellen Spielereien den Zuschauer schnell in seinen Bann zieht. Schon rein technisch gesehen ist der Film makellos - vor allem die genial-bedrückende Musik von Clint Mansell, der bisher zu allen Filmen von Aronofsky die Filmmusik schreiben durfte, unterlegt das immer düsterere Geschehen schlicht und einfach perfekt und bleibt noch lange im Gedächtnis. Das alles zusammen ergibt eine unglaubliche Wirkung, die den Zuschauer nach und nach fast schon in eine Art Trance versetzt - bis man durch die schonungslose Geschichte mitten in den Bauch getroffen wird und sich in einem grausamen Alptraum wiederfindet, der jedoch von keinem erlösenden Aufwachen beendet wird, sondern sich immer weiter auf ein schonungsloses Ende zubewegt, nach welchem man sich zutiefst verstört und deprimiert vor dem Bildschirm wiederfindet. Auch die Schauspieler tun ihr Bestes, besonders hervorzuheben ist Ellen Burstyn (die für diese Rolle auch eine Oscarnominierung erhielt) - ihre Performance der vollends verstörten und von Wahnvorstellungen geplagten Sara ist unglaublich intensiv und trifft mitten in den Zuschauermagen.
Seine Schonungslosigkeit erreicht der Film unter anderem dadurch, dass er recht sympathische Charaktere präsentiert, denen man als Zuschauer normalerweise nichts Schlimmes wünscht, sondern zunächst auch mit ihnen hofft und später ebenso mit ihnen leidet. Es ist extrem bedrückend, mit anzusehen, wie die zu Beginn glücklichen und hoffnungsvollen Figuren nach und nach ihrem Untergang entgegenlaufen, ohne anhalten zu können oder von anderen gestoppt zu werden. Ihre eigenen Probleme zu erblicken, schaffen sie auch nicht. Als Harry beispielsweise seine Mutter besucht, schreit er sie wegen ihrem Konsum von Appetitzüglertabletten an - dass er dabei selbst längst von anderen Drogen abhängig ist, scheint er kaum zu realisieren. Nach und nach leidet nicht nur die Gesundheit der Personen, ob nun körperlich oder geistig gesehen, auch ihre moralischen Werte treten in den Hintergrund - was mit Drogenhandel beginnt, endet für Marion gar mit Prostitution. Zwar ist die Botschaft des Films, die man ganz banal mit "Drogen sind schlecht!" ausdrücken kann, nicht besonders neu, aber dafür nach wie vor gültig und auf wohl in keinem anderen Film so bedrückend und erschütternd dargestellt wie hier. Aronofskys stilsichere Inszenierung, Clint Mansells geniale Musik und die intensiven Schauspielerleistungen sind die Zutaten für den absoluten Antidrogenfilm - was in Werken wie "Naked Lunch" oder "Fear And Loathing in Las Vegas" eher auf ironische Art und Weise dargestellt wird und mehr auf subtiler Ebene schockiert, wird in "Requiem For A Dream" realistisch bis zum Exzess gezeigt und wirkt noch lange nach dem Schauen nach. Am Ende bleibt man schockiert und hoffnungslos zurück - definitiv kein Film zum Wohlfühlen. Als Zuschauer muss man darauf gefasst sein, hiernach eine nicht unbedingt bessere Laune zu bekommen - in diesem Falle ist Kunst nicht erfüllend, sondern in ihrer ganzen Perfektion zutiefst bedrückend.
Fazit: "Reqiem For A Dream" ist von Unterhaltung weit entfernt - dieser Film ist verstörend, deprimierend, desillusionierend. Er ist hart und beinahe grausam - aber auch ehrlich und konsequent. Sein Stil ist perfekt, seine Botschaft unmissverständlich. Der beste Film von Darren Aronofsky ist womöglich auch der beste Film zum Thema "Drogenkonsum und dessen Folgen". Ein audiovisueller Rausch, nach welchem man sich keinen echten Rausch mehr wünscht - wohl nicht einmal seinem ärgsten Feind.
Kommentare
einer der wichtigsten filme überhaupt. sollte jeder einmal gesehen haben. jared leto spielt hier sehr sehr gut.
Für mich einer der mit Abstand besten Filme aller Zeiten und wohl das beste Drama das je gedreht wurde. Wie in der Kritik steht, es ist kein Film zum wohlfühlen, sondern fühlt sich viel mehr wie ein Tritt in die Eier an, den man nicht so schnell vergessen wird. Technisch perfekt, Schauspielerisch grandios, genialer Soundtrack, geniale Umsetzung - ein MUST SEE
Ich habe zu dem Film mal einen treffenden Satz in einem Review eines Kritikers der New York Times gelesen: Der Film geht unter die Haut und er bleibt da.
Besser kann man´s nicht formulieren! Ein Brett an Film; und was für eins!
Ist der Film schon draußen ?!
Hab noch nie von dem Film gehört. Kommt der jetzt ins Kino oder kann ich mir den gleich iwo besorgen und ansehen? ^^
@Feuer: hinter dem Filmtitel steht eine Jahreszahl, in diesem Fall (2000)... Film sollte es also auf DVD geben...
ps. kenn den auch noch nicht
Ach und ich dachte es sei ein Fehler in der Matrix....
Ne Spaß beiseite, hatte gehofft das er nur in der USA zu haben ist und jetzt erst den Weg nach Deutschland gefunden hätte und dann vielleicht ins Kino kommt. Somit wäre das alte Jahre & die Frage nach dem Kino sinnvoll gewesen.
Solche Filme kommen auf groß Leinwand super rüber
Oh Gott, den Film hab ich ja lange nicht mehr gesehen! Den Soundtrack zieh ich mir aber fast täglich rein :)
Schade dass der Score so oft 'missbraucht' wird.
Zum Film lässt sich da nicht mehr viel hinzufügen. Die Kritik sagt alles aus und das kann ich nur noch unterschreiben. 6* auch von mir!
Gerade gesehen....brutal verstörend...unglaublich schockierend...vielleicht das beste Drama aller Zeiten!





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