Mulholland Drive 2001
von Dmitrij Panov / 04.02.10 11:13 Uhr
Film Kritik
Handlung
Die Schattenseiten des Filmbusiness.
Es fängt alles an mit einer geheimnisvollen Schönheit. Ihr Name ist Rita und nach einem grauenvollen Unfall hat sie ihr Gedächtnis verloren. Zufällig kommt ihr die freundliche und naive Betty zu Hilfe, die gerade aus Kanada eingeflogen ist, um ein Star der Traumfabrik zu werden. Das Schicksal schweißt die beiden ungleichen Frauen immer intimer zusammen und sie tauchen auf der Suche nach Ritas Vergangenheit tiefer und tiefer in den Untergrund der Gegenwart ein. Ihre Reise wird zunehmend gefährlicher und verworrener. Ein fatalistischer Albträumer und ein mangelhaft begabter Auftragskiller kreuzen ebenso den Weg der Frauen wie ein Erfolgsregisseur, dessen fantastisches Leben von seinen bizarren Finanziers binnen Stunden zerstört wird. Wo mag dieser Weg wohl enden?Kritik
Hollywood. Der feuchte Traum vieler Menschen, das ewige Symbol für Wohlstand, Berühmtheit und Erfolg. Zu diesen fröhlichen, glücklichen Menschen gehören, die von Tausenden geliebt und verehrt werden, das wäre doch mal etwas. Ein berühmter Schauspieler oder eine schöne Schauspielerin sein, frei von Sorgen, voll von Glück. Mit außergewöhnlichen Menschen zusammenarbeiten, an jeder Ecke Prominente treffen. Die pure Zufriedenheit erleben. Nach wie vor ist Hollywood der Begriff, welchen man sofort mit "Glamour" in Verbindung bringt. Wer dort hinkommt, wird reich und berühmt - so die Vorstellung der Menschen. Der amerikanische Traum in seiner Perfektion - doch jeder Traum hat seine Schattenseiten und die wenigsten erreichen hier die angestrebte Perfektion. Die meisten landen in irgendwelchen Bars oder Restaurants als Bedienstete und erreichen nie ihre hohen Ziele - manche verzweifeln daran, machen reisen vielleicht auch wieder ab, weil sie das so nahe, aber doch so ferne, für sie unerreichbare Glück nicht mehr aushalten, verglichen mit ihrer eigenen spärlichen Existenz. In Hollywood troht der Erfolg - doch sein Fundament besteht aus Desillusion und Verzweiflung.In den meisten mainstreamorientierten Filmen trohnen der Optimismus und die Hoffnung - doch die ehrlichen Independentfilme triefen gerne vor Zynismus und Bösartigkeit. David Lynch ist ein besonders krasses Beispiel: Seit seinem verstörend-surrealen Langfilmdebüt "Eraserhead" (Zitat von Stanley Kubrick: "Der einzige Film eines anderen Regisseurs, welchen ich gerne selbst gedreht hätte.") ist er ein Garant für morbide, ungewöhnliche und schwer verdauliche Filmkost, die oftmals unverständlich scheint und dem Zuschauer viel abverlangt. Einen ersten Gipfel der Verwirrung schaffte er 1997 mit "Lost Highway", einem Film, in dem Realität und Illusion sich in einem, undurchdringbar scheinenden Labyrinth verlaufen und der beim ersten Schauen auch keinen Sinn zu ergeben scheint. Auch "Mulholland Drive" ist von "verständlich" sehr, sehr weit entfernt - wirkt jedoch durch seine verquerte Struktur weitaus durchgedrehter, als er in Wirklichkeit ist. Tatsächlich reichen ein paar Sätze, um die Grundgeschichte zu verstehen, eigentlich wird die Lösung indirekt im Film selbst gesagt, doch Lynchs Regie schafft es, den Zuschauer so zu verwirren, dass man die Erkenntnis am Ende gerne übersieht. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Film zunächst als Serie geplant wurde und für die Filmfassung von der Story her gekürzt werden musste - aber vor allem wohl an der manipulativen Wirkung des Films, welcher aus seiner fast schon simplen Grundidee einen berauschenden und verstörenden Alptraum schafft, welcher den Zuschauer die gesamte Laufzeit über in seinen Bann zieht.
Zu Beginn scheint die Geschichte noch halbwegs nachvollziehbar: Die aufstrebende Schauspielerin Betty (überzeugend: Naomi Watts) begegnet der hübschen Rita (Laura Harring), die anscheinend vor irgendjemanden flieht und zu alledem auch noch ihr Gedächtnis verloren hat. Gemeinsam versuchen sie das Geheimnis um Rita zu lösen, während andere seltsame Dinge passieren: Ein Regiesseur wird von mysteriösen Männern zu ungewollten Entscheidungen gezwungen, ein Killer stellt sich beim Ausführen eines Auftrages ungeheuer verpeilt an und immer mehr undurchschaubare Figuren tauchen im Laufe der Story auf. Schnell verliert man hier als Zuschauer den Überblick, alles zu erfassen scheint nahezu unmöglich, die Handlunsstränge verwickeln sich mal, mal laufen sie in die Leere und werden nie wieder aufgegriffen. Während man sich noch verzweifelt fragt, ob man irgendwann eine Lösung zu sehen bekommt, ändert sich wieder alles, plötzlich keht sich die gesamte Geschichte um, wird immer verwobener und verwirrender, bis am Ende sich alles in nichts verläuft - scheint es. Die Aufklärung oder zumindestens dessen Ansatz hat man nämlich bereits verpasst, völlig gefangen in dem cineastischen Rausch, in den man hineingezogen wird. Was am Ende zunächst bleibt, ist weniger Erfüllung, sondern mehr Wut auf den Regiesseur, der einen (eventuell nicht zum ersten Mal) hinters Licht geführt hat. Doch wer sich ein paar Gedanken macht und sich an den einen oder anderen Satz im Film erinnert, erkennt mit etwas Glück doch den tatsächlichen Ablauf - geschieht dies, so erlebt man eine ungemütlichen und lange nachwirkende Überraschung, die einem wirklich die Augen öffnet. Der Film wirkt unerfassbar, ist jedoch weitaus einfacher zu erklären, als man erwartet hätte und gerade darin besteht seine Faszination. Wie man dagegen die vielen seltsamen Details deutet, bleibt einem doch selbst überlassen, was die Auffassung des Films zu einer sehr subjektiven Erfahrung macht. Doch nicht nur auf der psychologischen Ebene ist "Mulholland Drive" ein Erlebnis, auch seine eigentliche Bedeutung, die zwar eher subtil, aber, sofern erkannt, dennoch effektiv ist, bleibt noch lange im Gedächtnis haften - Hollywood als Traumfabrik war einst, hier werden aus den Träumen Albträume, aus dem Glanz nach und nach stickiger Dreck.
Fazit: Der Film ist ein echter Rausch, verwirrend, verstörend, magisch. David Lynch schafft hiermit ein weiteres Mal, Realität und Illusion so ineinander fließen zu lassen, dass man den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Wahn kaum noch wahrnimmt. "Mulholland Drive" ist, wie auch der Quasi-Vorgänger "Lost Highway" sowie der noch krassere "Inland Empire", weder ein Blick auf eine Figur noch durch eine Figur hindurch. Nein, dieser Film blickt aus der Figur heraus auf das Geschehen und mit ihm der Zuschauer, der hier eine einzigartige Reise in die menschliche Psyche erlebt, kompormisslos und düster, wie ein Albtraum mit ungewissem Ende, aus welchem es kein erlösendes Erwachen gibt - nur die schockierende Leere am Schluss. Und ganz nebenbei tritt Lynch mit diesem Werk Hollywood und den damit verbundenen Wunschträumen so richtig in den Hintern - was man hier zu sehen bekommt, ist von dem gewohnten Glamour sehr weit entfernt. Krasser wurde die Traumfabrik selten demontiert.
Kommentare
kein horrorfilm...zaubert aber auf seine art und weise ne immens surreal gruslige atmosphäre. großmeister david lynch ist hier mal wieder in TOP form.
Hier mal meine persönliche Lobhuldigung des tollen Films ;) :
lynchs bester wenn ich schon an die scenen denke wo batty ihre rollen probt, das ganze den schauspielern so zu erklähren das es dann wirklim im film so funktioniert! wie kommt man auf solche ideen? einer meiner best of all time
eraserhead hab ich zwar noch nicht gesehen aber ich sehe seine ersten filme als eine art experiment um in diesem wie soll man es sagen avant gard, suspense filmen irgendwann perfekt zu werden, man versucht für alles ein passendes wort zu finden aber bei mulholland drive geht genau das gar nicht (auch lost highway) man kann es aus so vielen verscjhiedenen seiten sehen, genial! david lynch wird nie besser sein als er es bei diesem film gewesen ist
Also auf mich hatte dieser Film der durch aus gut war irgendwie eine verstörende Wirkung alleine diese Szenen zwischendurch. Ich hab heute noch so eine im Kopf, wo so ein älteres Ehepaar aus eine Tüte gelaufen kommt, und die sahen irgendwie aus wie Knetfiguren! o_0



