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Fight Club 1999

von Dmitrij Panov / 27.12.09 14:13 Uhr


Film Kritik

139
Länder
USA, Germany
Genres
Thriller, Drama, Krimi
Kinostart
11.11.1999

Handlung

Das Meisterwerk von David Fincher.

Der an chronischen Schlafstörungen und Langeweile leidende Jack lernt den charismatischen Seifenverkäufer Tyler Durden kennen. Diese Begegnung verändert sein Leben radikal, denn Tyler glaubt, dass nur Selbstzerstörung das Leben wirklich lebenswert macht. Nach einer Sauftour beginnen die beiden, nur so zum Spaß, sich zu verprügeln und erleben dadurch den ultimativen Kick. Der "Fight Club" ist geboren und findet schnell Anhänger in ganz Amerika, die sich in geheimen Zirkeln schlagen, um die Freuden der physischen Gewalt zu erleben. Überwältigt gerät Jack immer tiefer in den faszinierenden Sog der Anarchie. Doch bald drohen Tylers terroristische Pläne außer Kontrolle zu geraten. Jack versucht ihn aufzuhalten und wird mit der schockierenden Wahrheit konfrontiert...

Kritik

Bereits mit dem Serienkillerthriller "Sieben" von 1995 konnte der ehemalige Musikvideo- und Werbeclipregisseur David Fincher einen großen Erfolg sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern vorweisen. Sein düsteres Meisterwerk war nach dem eher nüchtern aufgenommenen Debütfilm "Alien 3" eine Leistung, die kaum zu übertreffen war. Doch nachdem er 1997 mit "The Game" einen "nur" guten Thriller ablieferte, schaffte er 1999 mit der Verfilmung von Chuck Pahlaniums Kultroman "Fight Club" einen weiteren Meilenstein der Filmgeschichte und einen der größten Kultfilme aller Zeiten. Seine nahezu perfekte Verflimung eines eigentlich unverfilmbaren Werkes wurde von der Kritik zunächst sehr kontrovers aufgenommen und floppte sogar in den Kinos, wurde jedoch nach und nach zu einem echten Kultfilm, Menschen benannten sich nach der Figur des Tyler Durden, gründeten Fight Clubs, änderten ihre gesamte Lebensauffassung. Finchers stilsichere Regie übertrug den düsteren, bösartigen Geist der Vorlage nahtlos auf die Leinwand, verhalf der Geschichte zu einem audiovisuellen Vollrausch, der Film wurde zu dem, was man gerne als "Schlag ins Gesicht" bezeichnet.

Die Rollenbesetzung ist mittlerweile legendär: Brad Pitt ist als Tyler Durden zunächst die Definition von Coolness, bis er nach und nach zu einem gefährlichen Teufel wird, welcher perfekt auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn balanciert, Edward Norton spielt den namens- und identitätslosen Erzähler, der nach und nach die Wucht des Lebens durch Schmerz erfährt, mit einer faszinierenden Intensität. Helena Bonham Carter ist durchgedreht wie nie zuvor oder je danach und Meat Loaf sorgt in seiner Nebenrolle als Bob für Schmunzeln und Mitleid zugleich. David Fincher taucht seine Akteure in düstere, kühle Bilder, in denen selbst das vergossene Blut kalt wirkt und unterlegt diese mit einem passend harten Soundtrack, welcher schon zu Beginn des Films klarmacht: Hier werden keine Gefangenen gemacht.

Und das ist wirklich wörtlich zu nehmen. "Fight Club" ist eine Gesellschaftsparabel, die die moderne Konsumgesellschaft in Grund und Boden stampft und den verwirrten Zuschauer gleich mit dazu, ihm dann mit einem fiesen Lächeln im Gesicht eine Krücke aus mit Blut beschmierten Knochen reicht, doch am Ende selbst diese zu Staub zerfallen lässt. Dabei werden dem Zuschauer Zitate und Sprüche um die Ohren gehauen, die man am liebsten alle auswendig lernen würde, weil sie einem so cool, so ehrlich, so wahr erscheinen. Zunächst verleiht der Film ein neues Lebensgefühl, scheint einen zu etwas aufzurufen. Nach diesem Film will man sich nicht mehr friedlich schlafen legen, nein. Man will hinausgehen in die Welt und den Pseudo-Frieden mit seinen eigenen Fäusten zerschmettern, bis das echte, wilde Leben in Erscheinung tritt. Man will einfach irgendetwas tun. Man will endlich etwas fühlen. Man will endlich ein echter Mensch sein.

Doch man sollte immer eines bedenken: Dieser Film ist eine Satire, eine Tragödie, die sich selbst auslacht. Die Botschaft ist nicht "Schlag deinem Nächsten ins Gesicht!", wie einige fälschlicherweise interpretieren. Wenn man genau hinschaut, ist dieser Film nicht gewaltverherrlichend, er ist gewaltkritisch. Er richtet sich nicht nur gegen den willenlosen, vergammelten Konsumenten, er richtet sich auch gegen den übermütigen Pseudointellektuellen, der glaubt, mit seinen Fäusten und seinen Schreien die Welt verändern zu können. Dieser Film ist nicht der heilige Pfad, der zu einem neuen, perfekten Leben führt. Er ist ein freches, schonungsloses Grinsen, welches dem zerschmetternden Schlag ins Gesicht nachkommt. Er schlägt dich aus deiner Realität, aber nicht in eine andere Realität, sondern in die Beobachterposititon, die man jedoch erst noch erfassen muss. David Fincher hat hier einen sehr gefährlichen Film gemacht, denn durch sein provokantes Auftreten ist sein Risiko, missverstanden zu werden, sehr groß. Die wirkliche Botschaft zu finden, bedeutet, sich der desillusionierenden Wirkung hinzugeben, nachdem die erste Euphorie verflogen ist, sich Gedanken zu machen, Dinge zu hinterfragen, anstatt sie so hinzunahmen, wie sie einem gesagt werden. "Fight Club" ist ein Erlebnis, welches einiges an seiner Faszination aus der Wahrnehmung des Zuschauers selbst nimmt, aus seiner Nachwirkung. Es will geschaut, gedeutet und neugedeutet werden. Will man dem Film etwas vorwerfen, so wäre das das abgeänderte Ende, welches die verstörende Wirkung zunächst in Freude verwandelt. Die spätere Nachwirkung bleibt davon jedoch weitesgehend verschont.

Fazit: Man kann mit gutem Gewissen behaupten, dass dies einer der besten Filme der letzten Jahre ist, falls nicht gar einer der besten aller Zeiten. Es ist ein Mysterium, das immer und immer wieder gelöst werden will, es ist der Gandenschuss für die Political Correctness, es ist ein blutiges Kreuz auf der heutigen Gesellschaft. Es ist die hintersinnige Rache an der fröhlichen Fassade der modernen Welt, hinter der sich ihre wahre, nahezu zerfallene Fratze verbirgt. Und es ist nicht nur das, nein, es ist zugleich auch eine Satire über sich selbst, das Augenzwinkern eines zerschlagenen Gesichts. Es ist geistiger Tod und Wiedergeburt zugleich, in einem niemals enden wollenden Kreis. Es ist ein Meisterwerk, ein zurecht kultisch verehrtes, ein wichtiges, gar unentbehrliches.


Kommentare


TDurden
98
04.12.09 13:30 Uhr

einer der besten filme der letzten jahre. ganz klar


Kaspian
82
04.12.09 13:37 Uhr

Kultfilm halt;D Wobei ich die Szene ausm Buch vermisse.. wo sie gewisse Körperteile in Nahrungsmittel stecken.


Onepunchmickey
07.12.09 17:27 Uhr

Rule #1 you do not talk about fight club!

Das nächste Meisterwerk! Das Ende knallt einem den Kopf wech, so hart wie Projekt Mayham!


SilentBob
07.12.09 17:29 Uhr

Mindfuck vom Feinsten.


ComaDelirium
07.12.09 17:30 Uhr

Schon ein ziemich aussergewöhnlicher Streifen, der in eine Richtung geht die man anfangs nie im Leben vermuten würde und ein Brad Pitt der hier wirklich übels durchtrainiert ist


p14n157
82
08.12.09 16:54 Uhr

Kult! Einfach nur krank man kann keine Kleinigkeit verraten ohne den ganzen plot zu spoilern. Edward Norton geht einfach ab!


Pineapple
12.12.09 18:42 Uhr

einer der besten streifen überhaupt


PrinzessinLillifee
14.12.09 15:53 Uhr

brad pitt ist defintiv ein pluspunkt :D


ADAMGOLDNIK
20.12.09 19:27 Uhr

Genial


Teys
98
27.12.09 19:38 Uhr

Erst wirft dich der Film auf den dreckigen Boden, dann reicht er dir eine Krücke, aus Zynismus geschnitzt, bis er auch diese am Ende verpuffen lässt und dich wieder fallen lässt, ganz tief, in den Abgrund deiner eigenen Seele. Ein schonungsloser, eiskalter und amüsanter Blick auf unsere Gesellschaft durch die gesprungene Sonnenbrille, düster, konsequent und überraschend.