Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt 1979
Originaltitel: Alien
von André Schiemer /
24.10.10 01:16 Uhr
Film Kritik
Handlung
Der Sci-Fi-Klassiker von Ridley Scott.
Die Besatzung des Raumschiffs "Nostromo" ist nach einem Erkundungsflug auf dem Rückflug zur Erde. Aufgrund eines Computer-Notsignals landet die Crew auf einem unbekannten Planeten. In einem Raumschiff-Wrack entdeckt die Mannschaft ein fremdartiges Wesen, das trotz aller Vorsicht an Bord gelangt. Diese zunächst scheinbar harmlose Wesensform entwickelt sich zu einer tödlichen Gefahr: Auf grauenvolle Weise tötet es ein Besatzungsmitglied nach dem anderen...Kritik
Im Weltraum hört dich niemand schreienGerade bei Künstlern kann aus Frust die größte Kreativität entstehen. Das war vor dem filmischen Meisterwerk "Alien" nicht anders, vielleicht sogar notwendig. Um dies etwas näher zu beleuchten, müssen wir kurz ins Jahr 1976 zurückfliegen. Der Drehbuchautor und Special-Effects-Akrobat Dan O'Bannon, ausgesprochener Sci-Fi Fan, wurde damit beauftragt für eine Verfilmung von Frank Herberts Roman "Dune" die kompletten Designs und Kulissen zu entwerfen. Ins Boot holte man sich auch einen Künstler aus der Schweiz, der bis dato vor allem als Innenarchitekt und Maler auffiel: Hansruedi Giger.
Auf Grund des Größenwahns von Regisseurs Alejandro Jodorowsky platzte das Projekt und die Geldgeber zogen sich zurück. Da Dan O'Bannon allerdings schon viel Zeit und Geld in seine Visionen gesteckt hatte, aber noch keinen Vertrag mit dem Produktionsstudio unterschrieben war, stand er vor dem Nichts und konnte sich nicht einmal mehr eine eigene Wohnung leisten. Auch für H.R. Giger war der kurze Ausflug nach Hollywood ein schwerer Rückschlag.
O'Bannon verschanzte sich voller Wut auf Hollywood wochenlang in der Wohnung eines guten Freundes und schrieb das Drehbuch für einen Science-Fiction Film. Dieser Film sollte anders sein, nämlich düster und erbarmungslos. Schon während er seine Geschichte entwickelte, wusste er, dass er seine Sets von diesem talentierten Schweizer, mit dem er schon an "Dune" gearbeitet hatte, optisch realisieren lassen wollte. Dieser nahm das Angebot glücklicherweise dankend an. "Alien" war geboren. Zudem wurde noch der damals eher unbekannte Brite Ridley Scott als Regisseur engagiert, da dieser sich schwer begeistert vom Drehbuch zeigte.
1979 war es dann soweit, das Jahr in dem "Alien" seine Premiere feierte. Die Kritiker waren begeistert, die Kinogänger im positiven Sinne schockiert. Denn noch nie hatte ein Film so gekonnt Elemente aus den unterschiedlichen Genres Science-Fiction und Horror vermischt.
Dabei fängt die Geschichte ziemlich ruhig an. Wir sehen eine Außenaufnahme vom Raumschiff Nostromo, dass langsam durch die Dunkelheit treibt. Die Perspektive wechselt ins Interieur und wir folgen der Kamera durch enge dunkle Gänge. Nichts als Stille. Erst als das Computersystem "Mutter" die Besatzung aus dem Kälteschlaf reißt, weil ein Notsignal eines fernen Planeten registriert wurde, sehen wir doch noch Menschen, die das Schiff bevölkern. Groß kennenlernen kann man die Charaktere anfangs allerdings nicht. Alle sieben Besatzungsmitglieder wirken ziemlich schweigsam, frustriert und müde. Als sie sich zusammen zum ersten Mahl treffen, werden erste Konflikte deutlich. Da wäre zum Beispiel der besonnene Captain Dallas (Tom Skerritt), der nicht sonderlich durchsetzungsfähig wirkt. Am Tisch sitzen auch die beiden Technikspezialisten Parker (Yaphet Kotto) und Brett (Harry Dean Stanton), die sich um ihren Verdienst streiten. Ripley (Sigourney Weaver), die selbstbewusste Stellvertreterin des Captains, scheut sich nicht davor die anderen in ihre Schranken zu weisen. Die anderen Crewmitglieder Lambert (Veronica Cartwright) und Kane (John Hurt) wirken eher zurückhaltend. Die siebte Person an Bord ist der Wissenschaftler Ash (Ian Holm), der eher emotionslos und unheimlich wirkt. Diese kleine Truppe, die sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder heil auf der Erde zu landen, kann man durchaus als kleines Abbild der damaligen amerikanischen Gesellschaft sehen, denn jede Person spiegelt einen bestimmten Charakterzug wieder.
Der Film baut vor allem durch die vielen dunklen Gänge im riesigen Raumschiff eine bedrohliche und klaustrophobische Atmosphäre auf. Richtig spannend wird es dann, als das Schiff auf dem unwirtlichen Planetoiden LV-426 landet und das nicht weit von der Quelle des Funksignals. Ein Erkundungstrupp entdeckt schließlich das Wrack eines außerirdischen Raumschiffs, in dessen Inneren sich nicht nur ein überdimensionales nichtmenschliches Skelett findet, sondern auch hunderte eiförmige Gebilde. Als sich Besatzungsmitglied Kane einem dieser Eier nähert, wird er von einem spinnenartigen Wesen angefallen, dass sich um seinen Kopf schlingt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Später im Raumschiff lässt das Geschöpf nach tagelanger Quarantäne vom bisher reglosen Kane ab und ist tot. Aber der Horror fängt damit erst an. Denn was nun folgt, ist eine Szene, die bis heute kaum von ihrem Schrecken verloren hat. Der von John Hurt verkörperte Kane ist wieder quicklebendig und schaufelt nach seinem komatösen Zustand Essen in sich hinein. Nur um kurz darauf unter Krämpfen zusammenzubrechen. Der Rest des Teams versucht ihn zu beruhigen, als plötzlich sein T-Shirt rot von Blut verfärbt wird und ein kreischendes Wesen aus seiner Brust bricht. Welches natürlich sofort in den dunklen Gängen des Raumschiffs verschwindet. Das ist ein Schlüsselmoment im Film, der die Geschichte wahrhaft in zwei Hälften teilt. Bisher wurde durch die düstere Atmosphäre langsam und stetig eine unheimliche Spannung aufgebaut, deren Kurve sich nun erst recht steil nach oben bewegt. Die Crew beschließt nun das außerirdische Wesen zu jagen, hat aber keine Waffen an Bord. Aber nicht nur das Wesen ist eine Gefahr, denn Crewmitglied Ripley beginnt Forschungen, weshalb die "Nostromo" überhaupt ihren festen Kurs geändert hat…
Der Film spielt ab dieser Stelle viel mit den Erwartungen des Zuschauers. Oft befürchtet man, dass das Alien sofort aus einer dunklen Ecke springt, doch nichts passiert. Als Beispiel sei die Szene genannt, in der Brett seiner Katze folgt und jeder Schatten sich zu bewegen scheint. Selbst wenn man die Kreatur minutenlang nicht sieht, bleiben die Daumenschrauben angespannt. Aber so funktioniert Horror am besten: Wenn das Mysterium möglichst lange im Dunklen bleibt.
Und als man gerade nicht mit dem Wesen rechnet, ist es plötzlich da. Als Dallas im fahlen Lichtschein eines selbstgebastelten Flammenwerfers in einen Luftschacht kriecht, ist das wirklich nervenzerrend inszeniert. An dieser Stelle möchte sicherlich keiner mit ihm tauschen. Der Einsatz des „Bewegungsmelder“ – Instrumentariums treibt die Spannung in vielen Sequenzen zusätzlich in die Höhe. Übrigens: Um viele Szenen realistischer wirken zu lassen, weihte man die Schauspieler bei der Jagd auf das Alien in Sachen Inszenierung nicht immer ein, sie mussten improvisieren. Man ließ sie durch die abgedunkelten Kulissen rennen, um sie dann tatsächlich zu erschrecken, indem der über 2 Meter große Darsteller im Alienkostüm vor sie sprang oder sie unerwartet mit Blut bespritzt wurden. Apropos Blut: "Alien" ist ganz sicher kein Splatterfilm, wie es Ende der 70er durchaus zu erwarten war. Blutige Effekte werden dezent eingesetzt und wirken dafür umso realistischer.
Glücklicherweise ist das Alien nie in voller Größe zu sehen, aber man sieht genug, um sich ordentlich zu gruseln. Die reptilienartige Gestalt sucht vom Aussehen her Ihresgleichen, damals hatte man noch nie solch eine Art von Monster auf der Leinwand gesehen. Mit jedem Opfer wird es größer und größer, hat Säure statt Blut im Körper und ein zusätzliches ausfahrbares Gebiss hinter dem Gebiss. Ein geschlechtloses Wesen ohne Gewissen, ohne Gnade. Es ist nicht zu fassen, lauert in der Dunkelheit und tötet zum Leben und zum Überleben. Trotzdem übt es auf uns als Zuschauer irgendwie eine Art von Faszination aus. Das Alien als Kreatur ist mit einer der Gründe, weshalb der Film zurecht Klassikerstatus innehat. Der Schweizer H.R. Giger hat ganze Arbeit geleistet und etwas Einzigartiges und Originelles erschaffen. Unzählige Nachahmer sind daran gescheitert, kein Wesen wirkte mehr so erschreckend wie das Giger-Alien. Dies brachte ihm damals zu Recht einen Oscar für die besten Spezial Effekte ein.
Einige Kritiker störten sich zwar an den vielen sexuellen Anspielungen in der optischen Gestaltung des Raumschiffs und des Aliens, sowie an Ripleys Auftritt in der Rettungskapsel, jedoch ist das einfach Gigers Art und tut der düsteren Stimmung keinen Abbruch.
Drehbuchautor Dan O'Bannon, der auch an der Inszenierung seiner Geschichte beteiligt war, war lange Crewmitglied bei "Star Wars: Episode IV" und beratend bei "Star Trek" tätig. Mit seinem "Alien" wollte er allerdings in eine ganz andere Richtung gehen. Er wollte keine saubere sterile Welt wie in Star Trek zeigen, sondern ein dunkles Schiff mit einer eher schmuddeligen einfachen Crew. Zudem hat er bewusst vermieden, Helden zu entwickeln. Bei der Jagd auf das Alien haben alle die gleichen Chancen. Alle Akteure sind echte Menschen, mit all ihren Stärken und Schwächen. Und die Darsteller, die sie verkörpern, passen wunderbar in ihre Rollen.
Ursprünglich war angedacht, dass jedes Besatzungsmitglied gnadenlos vom Alien getötet werden sollte, der Schluss also sehr deprimierend ausgefallen wäre. Das Produktionsstudio 20th Century Fox war davon jedoch nicht begeistert und auch Ridley Scott hatte seine Bedenken. Deshalb wurde die Rolle des Charakters Ripley weiter ausgebaut. Das Produktionsstudio 20th Century Fox hätte sich hierfür am liebsten den damaligen Star Paul Newman als Zugpferd ins Boot geholt, doch diesem war die Geschichte zu gruselig, er lehnte ab. O'Bannon und Scott kamen nun auf eine außergewöhnliche Idee: Warum die Rolle der Ripley nicht weiblich werden lassen? Damit wollten sie etwas Neues wagen. Oder um Scott zu zitieren: "Wir dachten damals, dass die Frauen in der Zukunft mit den Männer gleichgestellt sind." Auf die Darstellerin Sigourney Weaver wurde man beim Theater aufmerksam. Auf Grund ihrer überdurchschnittlichen Körpergröße und des markanten Gesichts bewarb sie sich schon lange erfolglos um Filmrollen. Nachdem sie das Drehbuch gelesen hatte, gab sie alles um ein Teil des Films werden zu können. Wie wir alle wissen, gelang ihr dies auch.
Das bedeutete - allerdings nach heftigen Debatten mit dem Studio - die Geburtsstunde der Filmheldin Ellen Ripley. Das Publikum liebte sie, litt im Kino mit ihr und jubelte ihr zu. Ripley war damals quasi ein Inbegriff für die Rolle der starken Frau. Dies machte Sigourney Weaver nach der Premiere des Films verdientermaßen zum Star.
Dabei ist Ripley im Film eine Heldin wider Willen. Alle ihre Kollegen werden nach und nach von der Kreatur getötet. So ist sie am Ende die letzte Überlebende, die der Kreatur ausweichen konnte. Alles was sie noch antreibt, ist einerseits das gesamte Schiff mit dem Alien in die Luft zu sprengen und sich selbst und die Katze, ihre einzige noch lebende "Freundin", mit einer Rettungskapsel zu retten. Der Showdown, wenn Ripley im Stroboskoplicht durch die engen Gänge rennt und den Countdown zur Sprengung des Schiffs auslöst, gehört mit Sicherheit zu den spannendsten Momenten, die die Filmgeschichte bisher hervorgebracht hat. Selbst nachdem man den Film schon unzählige Male gesehen hat, kann man jedes Mal bei Ripleys Flucht mitzittern und sich auf das Neueste erschrecken lassen.
Ein Wort auch noch zum Soundtrack: Dieser wurde von Jerry Goldsmith komponiert und seine symphonische Musik passt nahezu perfekt zum Film. Zurückhaltend und düster unterlegte er passend die Atmosphäre des Films. Fast unbemerkt schleicht sich auch Mozarts kleine Nachtmusik in eine Szene. Ein Schema, das Goldsmiths Musik aufgreift, ist der Rhythmus eines schlagenden Herzens. Das Geräusch eines dumpf pochenden Herzens benutzte Ridley Scott gerne als hypnotisch wirkendes Spannungsmittel. Man hört es oft leise im Hintergrund. Als wäre es das Eigene.
Fazit: Ridley Scott und Dan O'Bannon haben mit "Alien" etwas Einzigartiges geschaffen. Eine düster – pessimistische Zukunftsvision wie sie besser kaum sein könnte. Mit einer perfekten Spannungsdramaturgie reizt der Regisseur Angst und Klaustrophobie bis zum Äußersten aus. Zum Klassiker wurde der Film letztendlich durch die visuell beeindruckenden außerirdischen Albtraumwelten nach Entwürfen des Künstlers H. R. Giger und durch die erste weibliche Heldin Ripley. "Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" ist der Maßstab, an dem sich alle nachfolgenden Sci-Fi-Horror-Filme messen lassen mussten - und die nicht selten an diesem Vergleich zu Grunde gingen. Der Film ist ein Muss für alle Horror- und Science Fiction Fans oder die es noch werden wollen.
Eigentlich wollte Ridley Scott nach dem großen Erfolg seines Werks sofort eine Fortsetzung drehen, aber das ist eine andere Geschichte.
Kommentare
Ein absoluter Meilenstein der FIlmgschichte - das erste Mal wurden Sci-Fi und Horror kombiniert und das in einer absolut düsteren Version von Ridley Scott
Das Wesen in dem Film ist zum ersten Mal absolut geschlechts- und gefühllos und damit wirklich böse und Sigourney Weaver als Vorreiterin der toughen EinzelKämperIN. Dazu noch ein absolut genialer Score von Jerry Goldsmith
Ein wahnsinnig spanndender und düsterer FIlm der ein riesige Alien-Welle nach sich zog
Sehe ich auch so, einer der absolut besten Filme aller Zeiten, hier wurde Spannung neu definiert und seitdem nie wieder in dieser Form erreicht
Düster und bedrohlich..Mensch würd den gern mal im Kino sehn... alles is dunkel und eng..;D und da kreucht son kleines fieses Teil durch die Rohre;D


