Babycall 2011
von Manuel Schäfer / 03.02.12 18:00 Uhr
Film Kritik
96
Länder
Norwegen
Genres
Thriller, Horror
Kinostart
14.06.2012
Handlung
Gibt es eine Wirklichkeit außerhalb derer, die wir selbst wahrnehmen?
Anna (Noomi Rapace) beginnt mit ihrem achtjährigen Sohn Anders (Vetle Qvenild Werring) ein neues Leben. Gerade hat sie die schwierige Beziehung zu Anders' Vater beendet, nun zieht sie gemeinsam mit ihrem Sohn in einen anonymen Wohnblock. Doch die Angst zieht mit. Weil Anna Anders auch nachts nicht unbeschützt lassen möchte, kauft sie ein Babyphon. Damit hört sie jedoch nicht nur ihren Sohn, sondern auch Stimmen und Geräusche aus benachbarten Wohnungen, die die Frequenz überlagern. Unter diese Stimmen mischt sich auf einmal etwas, das auf einen Mord an einem Kind hindeutet. Gleichzeitig bringt Anders einen seltsamen neuen Freund mit nach Hause. Hat er vielleicht etwas mit den Geräuschen aus dem Babyphon zu tun? Und warum ist Blut auf einer von Anders' Zeichnungen? Sind Anna und Anders wieder in Gefahr...?Kritik
Noomi Rapace hat es geschafft. Durch ihr intensives und eindringliches Spiel als Lisbeth Salander in der schwedischen Verfilmung der Millennium-Trilogie, hat sie ganz Hollywood beeindruckt und kann sich vor lukrativen Rollenangeboten kaum retten. Dennoch bleibt sie ihren Wurzeln treu und findet noch ein wenig Zeit, um in heimischen Gefilden einen Thriller zu drehen. Autor und Regisseur des Werkes ist in diesem Fall Pal Sletaune, der schon mit dem provokativen Film Next Door Kontroversen unter den Zuschauern auslöste. Ein skandinavischer Thriller mit einer tollen Darstellerin in der Hauptrolle, kann da noch was schief gehen? Die ernüchternde Antwort lautet leider "Ja".
Anna (Noomi Rapace) hatte es in ihrem Leben nicht leicht. Nachdem sie und ihr Sohn Anders von dem Vater des Kindes misshandelt wurden, versuchen sie fernab ein neues Leben zu beginnen. Doch Annas Beschützerinstinkt steigert sich ins Manische. Sie kauft sich ein Babyfon, um Anders selbst im Schlaf überwachen zu können. Doch als ein anderes Gerät die Frequenz überlagert und die Stimmen auf einen Mord hindeuten, gerät Anna in Panik...
Schon zu Beginn spürt man den etwas sperrigen, nordeuropäischen Einschlag der Inszenierung. In trostlosen Bildern ohne musikalische Untermalung werden die Hauptcharaktere in aller Gemütlichkeit eingeführt. Trotz dieser Tristesse, stellt sich gerade die gemächliche Einleitung als Höhepunkt von 'Babycall' heraus. Anfangs sieht man Anna klar in der Opferrolle, doch nach und nach stellen sich Zweifel ein. Regisseur Pal Sletaune spielt mit verschiedenen Wahrnehmungsebenen, die Glaubwürdigkeit der Protagonistin kommt mehr und mehr ins Wanken. Dem Zuschauer wird die verlässliche Hauptperson somit entzogen. Was sich zunächst nach einer interessanten Prämisse anhört, wird aber leider zu einem halbgaren Psychoeffekt degradiert. Da hilft die Einbindung zur ‚normalen‘ Welt durch den Verkäufer Helge (Kristoffer Joner) relativ wenig.
Der Schachzug mit dem Babyfon erweist sich als nur geringfügig spannungsfördernd. Kurzzeitig rückt das Interesse auf den potentiellen Kriminalfall, wird aber immer wieder durch abrupte Handlungsübergange unterbrochen. Den Reiz, zu rätseln was nun Realität ist und was sich Anna nur einbildet stellt sich nur in schwachem Maße ein. Des Weiteren laden manche Teile der Geschichte zum unfreiwilligen Schmunzeln ein, auch wenn dadurch die verschobenen Charakterzüge von der Mutter dargelegt werden sollen - da wird die Zeichnung eines Wohnblockes von einem achtjährigen Kind schon einmal als maßstabsgetreu angesehen.
Schauspielerisch gibt es aber kaum Gründe zu meckern; Noomi Rapace ist das Highlight des Films, sie verkörpert die Ambivalenz ihrer Rolle wirklich hervorragend. Auch ihr Filmkind Vetle Qvenild Werring kann durch gutes Schauspiel punkten. Kristoffer Joner spielt seinen - ebenfalls zwiespältigen - Charakter sehr intensiv und hilft den Zuschauern im Laufe des Films, die Ungereimtheiten in Annas Geschichte aufzudecken.
Auch wenn das Ende der Geschichte mit einer kleinen Überraschung aufwarten kann, bleibt 'Babycall' über weite Strecken sehr berechenbar. Ein bemerkenswerter Umstand, wenn man bedenkt, dass einige Einzelszenen die Zuschauer eher ratlos zurücklassen.
Fazit: Spannungsarm und trist – das sind die Attribute die man 'Babycall' zuschreiben muss. Die interessante Grundkonstellation und das schauspielerische Potenzial reichen nicht aus, um aus der Masse der Psycho-Thriller positiv hervorzustechen.
Kommentare
Das hört sich ja nicht besonders gut an, ich muss allerdings sagen, dass ich den Trailer gar nicht so schlecht fand und ich die skandinavischen Thriller bisher immer sehr gut fand, von daher werde ich dem Film mal eine Chance geben auf DVD.
Wäre die Mystery-Komponente nicht gewesen, es hätte ein vortrefflich guter Film werden können. Überaus bedrückende und zermürbende Grundstimmung trifft auf eine zutiefst traurige Geschichte.
Der M. Night Shyamalan-Touch kommt dem Film überhaupt nicht zu Gute!
Meine Review


