Handlung
Anfang der 30er Jahre, Jahre vor dem großen Öl-Boom in Arabien. Die beiden verfeindeten Stammesfürsten Nessib, Emir von Hobeika (Antonio Banderas), und Amar, Sultan von Salmaah (Mark Strong), schließen einen Waffenstillstand. Als Sicherheitspuffer zwischen ihren beiden Territorien soll der sogenannte Gelbe Gürtel dienen, eine Zone, auf die keiner von beiden je Anspruch erheben darf. Um das Abkommen zu besiegeln, übernimmt Nessib die Obhut für Amars Söhne Saleeh und Auda. Jahre lang herrscht Frieden – bis eines Tages genau in diesem Niemandsland große Ölvorkommen entdeckt werden.
Nessib erkennt schnell, dass der schwarze Goldsegen eine einzigartige Chance ist, Reichtum und Wohlstand für sich und sein Reich zu erlangen und beginnt mit Hilfe von Texas Oil mit dem Öl-Abbau. Sein einziger Gegner Amar ist entschieden gegen diese Ausbeute im Gelben Gürtel.
Zur gleichen Zeit versucht Saleeh, aus dem goldenen Käfig Nessibs zu entkommen und zu seinem Vater zurückzukehren, doch bei seinem Fluchtversuch wird er ermordet. Um einem Angriff von Amar zu entgehen, gibt Nessib seine geliebte Tochter, Prinzessin Leyla (Freida Pinto), Auda (Tahar Rahim) zur Frau – eine Liebeshochzeit. Doch eine erneute Begegnung Audas mit seinem Vater Amar verändert alles. Auda macht sich auf Bitte Amars auf den Weg durch die Wüste, um Nessib auf die falsche Fährte zu locken und seinem Vater den Angriff auf Hobeika zu ermöglichen und so den weiteren Abbau des Öls zu stoppen. Ein gewagtes Vorhaben, bei dem es nur einen Sieger geben kann.
Kritik
"Black Gold" erzählt die Geschichte zweier arabischer Sultane, deren Meinungen stets auseinander gehen und so zu Krieg und Zerstörung führen. Regisseur Jean-Jaques Annaud gelingt es hierbei, die arabischen Traditionen und den muslimischen Glauben vorurteilsfrei und authentisch zur Geltung zu bringen. Der Film ist fast gänzlich frei von westlichen Helden, ein paar texanische Ölbohrer dienen lediglich zur Ausstaffierung der Details. Stattdessen findet sich hier ein Hollywoodstreifen, der sich mit dem arabischen Glauben und den unterschiedlichen Moralvorstellungen beschäftigt und mit der Frage, ob die westliche Welt wirklich nur Unglück und Kommerz mit sich bringt.
Bei der Inszenierung seines fast epischen Werkes beruft sich Annaud auf altbewährte Sequenzen und Einstellungen. An wie "Lawrence von Arabien" erinnernd, bietet der Regisseur wunderbare Aufnahmen des weiten Landes und Einblicke in die arabische Kultur. Außerdem wurde "Black Gold" mit dem höchsten Produktionsbudget für einen Film mit arabischer Thematik seit dem Klassiker gesegnet. Was auffällt, ist, dass Annaud es zu großen Teilen vermeidet, wirkliche Bösewichte zu erschaffen. Stattdessen gelingt es ihm, auf klare Aussagen wie 'gut' und 'böse' zu verzichten und einen objektiven Blick auf die unterschiedlichen Sichtweisen der Sultane zu schaffen.
Nesib ist der eindeutig liberalere, modernere Herrscher, der darüber schimpft, dass Arabien mit keinerlei Reichtümern gesegnet sei und dass Araber zu sein wäre wie 'ein Kellner am Buffet der Welt' zu sein. Als er von dem Ölbestand im 'Yellow Belt' erfährt, weckt dies in ihm nicht so sehr Habgier, sondern eher den Willen, seinem Volk ein besseres Leben zu ermöglichen. Auf einmal gibt es Strom im Königreich, Schulen und Krankenhäuser. Amar hingegen hällt von alledem gar nichts. Er glaubt, dass jedes Gut des Menschen mit Blut oder Liebe gewonnen werden muss, aber niemals mit Geld. Die westlichen Ideale von Geld und Wohlstand verachtet er als Gotteslästerung und ist nicht bereit, sich dem Einfluss dieser Welt zu beugen. Prinz Auda, der mittlerweile mit Prinzessin Leyla (Freida Pinto), der Tochter seines Ziehvaters, verheiratet ist, gerät zwischen die Fronten und muss sich für eine Seite entscheiden, obwohl er eigentlich nur Frieden will.
Die eigentlich sehr ernste Thematik ist hier und da mit subtilem, aber passenden Humor unterlegt, den man so zunächst nicht erwartet, der das Seherlebnis aber zum Positiven beeinflusst. Besonders Antonio Banderas und Riz Ahmed, der Audas Halbbruder Ali spielt, vermögen es, ihren Figuren durch Humor besonderen Charme zu verleihen. Auch wird die durchaus schwere Thematik hier und dort ein bisschen leichter gemacht, ohne dabei jemals unpassend oder albern zu wirken. Die konsequente Abwesenheit von westlichen Hauptcharakteren ist genauso beeindruckend wie die Darstellung des muslimischen Glaubens als etwas verständliches und im Kern so ganz und gar nicht bedrohliches. Hiermit bewahrt der Film seine Glaubwürdigkeit und driftet niemals in das so weit verbreitete Klischee der bösen Muslime ab. Zu bemängeln gibt es in erster Linie, dass Annaud eine ganze Weile braucht um zur eigentlichen Handlung zu kommen und dass der Film sich hierdurch unnötig in die Länge zieht. Auch die Vielzahl an Charakteren und Stammeszugehörigkeiten macht es manchmal nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten.
Fazit: "Black Gold" trumpft mit gloriosen Landschaftsaufnahmen, mit beeindruckenden Kampfszenen und mit seiner objektiven Darstellung verschiedener Wertesystme, die am Ende leider ein bisschen gen Westen kippt. Der Film setzt aber ein gewisses Interesse an der Thematik voraus, ohne welches es dem Zuschauer schwer fallen dürfte, das Werk zu genießen.