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3

Black Gold 2011

von Anne Facompré / 08.02.12 21:39 Uhr


Film Kritik

130
Länder
Frankreich, Italien, Qatar
Genres
Drama
Kinostart
09.02.2012

Handlung

Anfang der 30er Jahre, Jahre vor dem großen Öl-Boom in Arabien. Die beiden verfeindeten Stammesfürsten Nessib, Emir von Hobeika (Antonio Banderas), und Amar, Sultan von Salmaah (Mark Strong), schließen einen Waffenstillstand. Als Sicherheitspuffer zwischen ihren beiden Territorien soll der sogenannte Gelbe Gürtel dienen, eine Zone, auf die keiner von beiden je Anspruch erheben darf. Um das Abkommen zu besiegeln, übernimmt Nessib die Obhut für Amars Söhne Saleeh und Auda. Jahre lang herrscht Frieden – bis eines Tages genau in diesem Niemandsland große Ölvorkommen entdeckt werden.

Nessib erkennt schnell, dass der schwarze Goldsegen eine einzigartige Chance ist, Reichtum und Wohlstand für sich und sein Reich zu erlangen und beginnt mit Hilfe von Texas Oil mit dem Öl-Abbau. Sein einziger Gegner Amar ist entschieden gegen diese Ausbeute im Gelben Gürtel.

Zur gleichen Zeit versucht Saleeh, aus dem goldenen Käfig Nessibs zu entkommen und zu seinem Vater zurückzukehren, doch bei seinem Fluchtversuch wird er ermordet. Um einem Angriff von Amar zu entgehen, gibt Nessib seine geliebte Tochter, Prinzessin Leyla (Freida Pinto), Auda (Tahar Rahim) zur Frau – eine Liebeshochzeit. Doch eine erneute Begegnung Audas mit seinem Vater Amar verändert alles. Auda macht sich auf Bitte Amars auf den Weg durch die Wüste, um Nessib auf die falsche Fährte zu locken und seinem Vater den Angriff auf Hobeika zu ermöglichen und so den weiteren Abbau des Öls zu stoppen. Ein gewagtes Vorhaben, bei dem es nur einen Sieger geben kann.

Kritik

"Black Gold" erzählt die Geschichte zweier arabischer Sultane, deren Meinungen stets auseinander gehen und so zu Krieg und Zerstörung führen. Regisseur Jean-Jaques Annaud gelingt es hierbei, die arabischen Traditionen und den muslimischen Glauben vorurteilsfrei und authentisch zur Geltung zu bringen. Der Film ist fast gänzlich frei von westlichen Helden, ein paar texanische Ölbohrer dienen lediglich zur Ausstaffierung der Details. Stattdessen findet sich hier ein Hollywoodstreifen, der sich mit dem arabischen Glauben und den unterschiedlichen Moralvorstellungen beschäftigt und mit der Frage, ob die westliche Welt wirklich nur Unglück und Kommerz mit sich bringt.

Bei der Inszenierung seines fast epischen Werkes beruft sich Annaud auf altbewährte Sequenzen und Einstellungen. An wie "Lawrence von Arabien" erinnernd, bietet der Regisseur wunderbare Aufnahmen des weiten Landes und Einblicke in die arabische Kultur. Außerdem wurde "Black Gold" mit dem höchsten Produktionsbudget für einen Film mit arabischer Thematik seit dem Klassiker gesegnet. Was auffällt, ist, dass Annaud es zu großen Teilen vermeidet, wirkliche Bösewichte zu erschaffen. Stattdessen gelingt es ihm, auf klare Aussagen wie 'gut' und 'böse' zu verzichten und einen objektiven Blick auf die unterschiedlichen Sichtweisen der Sultane zu schaffen.

Nesib ist der eindeutig liberalere, modernere Herrscher, der darüber schimpft, dass Arabien mit keinerlei Reichtümern gesegnet sei und dass Araber zu sein wäre wie 'ein Kellner am Buffet der Welt' zu sein. Als er von dem Ölbestand im 'Yellow Belt' erfährt, weckt dies in ihm nicht so sehr Habgier, sondern eher den Willen, seinem Volk ein besseres Leben zu ermöglichen. Auf einmal gibt es Strom im Königreich, Schulen und Krankenhäuser. Amar hingegen hällt von alledem gar nichts. Er glaubt, dass jedes Gut des Menschen mit Blut oder Liebe gewonnen werden muss, aber niemals mit Geld. Die westlichen Ideale von Geld und Wohlstand verachtet er als Gotteslästerung und ist nicht bereit, sich dem Einfluss dieser Welt zu beugen. Prinz Auda, der mittlerweile mit Prinzessin Leyla (Freida Pinto), der Tochter seines Ziehvaters, verheiratet ist, gerät zwischen die Fronten und muss sich für eine Seite entscheiden, obwohl er eigentlich nur Frieden will.

Die eigentlich sehr ernste Thematik ist hier und da mit subtilem, aber passenden Humor unterlegt, den man so zunächst nicht erwartet, der das Seherlebnis aber zum Positiven beeinflusst. Besonders Antonio Banderas und Riz Ahmed, der Audas Halbbruder Ali spielt, vermögen es, ihren Figuren durch Humor besonderen Charme zu verleihen. Auch wird die durchaus schwere Thematik hier und dort ein bisschen leichter gemacht, ohne dabei jemals unpassend oder albern zu wirken. Die konsequente Abwesenheit von westlichen Hauptcharakteren ist genauso beeindruckend wie die Darstellung des muslimischen Glaubens als etwas verständliches und im Kern so ganz und gar nicht bedrohliches. Hiermit bewahrt der Film seine Glaubwürdigkeit und driftet niemals in das so weit verbreitete Klischee der bösen Muslime ab. Zu bemängeln gibt es in erster Linie, dass Annaud eine ganze Weile braucht um zur eigentlichen Handlung zu kommen und dass der Film sich hierdurch unnötig in die Länge zieht. Auch die Vielzahl an Charakteren und Stammeszugehörigkeiten macht es manchmal nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten.

Fazit: "Black Gold" trumpft mit gloriosen Landschaftsaufnahmen, mit beeindruckenden Kampfszenen und mit seiner objektiven Darstellung verschiedener Wertesystme, die am Ende leider ein bisschen gen Westen kippt. Der Film setzt aber ein gewisses Interesse an der Thematik voraus, ohne welches es dem Zuschauer schwer fallen dürfte, das Werk zu genießen.

Kommentare


EastClintwood
08.02.12 22:11 Uhr

Jean-Jaques Annaud hat es wieder getan. Mit ein paar Milliönchen bewaffnet schickte er sich an, ein großes Epos in der Wüste zu drehen. Was äußerlich mit beeindruckenden Bilder und gut besetztem Cast beginnt, entwickelt sich mit der Zeit zu einer zähen und klischeebeladenen Angelegenheit. Die Inszenierung ist der Geschichte immer ein paar Schritte voraus, weshalb sich zu keinem Zeitpunkt etwas 'Episches' entwickelt. Antonio Banderas und Mark Strong drücken dem Film soweit es geht ihren Stempel auf und Freida Pinto versucht ihr schauspielerisches Unvermögen mit gutem Aussehen wettzumachen (was ihr irgendwie immer gelingt, einfach heiß die Dame!). Die schicken Aufnahmen in der Wüste können dennoch nicht über die holprige Story und einen austauschbaren Score hinwegtäuschen. Schade, Potenzial wäre durchaus vorhanden gewesen.


ColonelKurtz
14.02.12 17:45 Uhr

Stimmt Neva, "Der Bär"! Das war mein erster Kinofilm, der war soooo traurig... ;-)


siBBe
60
08.04.12 00:28 Uhr

Ich liebe ja dieses arabische Wüstensetting, damit punktet der Film bei mir bereits. Die Bilder die hier eingefangen werden sind unglaublich schön. Allerdings habe ich so einige Probleme mit dem Film. Zunächst ist er tatsächlich, wie East schon schrieb, etwas zäh, was auch daran liegt, dass er mindestens eine halbe Stunde zu lang ist, eine Kürzung wäre hier schon Mal sehr angenehm gewesen. Dann frage ich mich, warum man nicht einfach echte arabische Schauspieler nimmt, stattdessen Banderas, Mark Strong und Frida Pinto in den Film schmeisst um sie uns als Araber zu verkaufen was einfach total lächerlich rüberkommt. Während Strong von den dreien noch am besten dabei wegkommt, sind die beiden anderen richtig störend. Banderas setzt seinen "Gestiefelten Kater"-Akzent auf, was total albern wirkt und alles andere als authentisch. Frida Pinto sieht gut aus, keine Frage, das wars aber auch schon bei ihr.
Einzig Auda (Tahar Rahim) macht seine Sache ganz gut, ist aber auch irgendwie der einzige Araber im Hauptcast.
Die erste Hälfte des Films fand ich persönlich besser, die zweite Hälfte verlor sich zu sehr im Wüstensand. Schon schade, hab große Hoffnungen in den Film gesetzt. Schlecht ist er nicht, gucken kann man ihn durchaus, hat wie bereits beschrieben auch jede Menge Schauwerte zu bieten, aber es wäre halt noch so viel mehr drin gewesen.