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Dame, König, As, Spion 2011

Originaltitel: Tinker, Tailor, Soldier, Spy
von Jane Fritsche / 23.01.12 02:00 Uhr


Film Kritik

Länder
Deutschland, Großbritannien, Frankreich
Genres
Thriller, Drama, Mystery
Kinostart
02.02.2012

Handlung

Die Verfilmung des gleichnamigen John Le Carré Romans

Der pensionierte Top-Spion George Smiley (Gary Oldman) wird 1973 überraschend wieder aktiviert: An der Spitze des britischen Geheimdiensts MI6 gibt es einen Maulwurf, einen Spion im Dienste des sowjetischen KGB. Smiley soll ihn enttarnen. Fünf Männer stehen auf der Liste der Verdächtigen. Aber wer von ihnen ist der Verräter, der das ganze Land in Gefahr bringt? Bei seinen verdeckten Ermittlungen helfen Smiley nur sein Verstand, sein Instinkt und ein paar alte Freunde, auf die er sich noch verlassen kann. Schnell begreift er: Wer immer der Maulwurf ist, er hat einen brillanten Plan - und er kennt Smileys größte Schwäche.

Kritik

Der Agenten- oder Spionagefilm hat bereits eine lange Tradition, insbesondere im Vereinten Königreich ist James Bond der wohl berühmteste MI6 Agent und der Klassiker unter den Vertretern. Charaktere wie Jack Ryan und Jason Bourne versorgen das zeitgenössische Publikum als moderne Helden mit Abenteuern, bei denen man (und auch frau) kräftig mitfiebern kann. Ein markantes Merkmal dabei sind die literarischen Vorlagen der zumeist männlichen Autoren, die ihrem Alter Ego, wie etwa Ian Fleming, aufregende Kalter Krieg Geschichten schrieben. Die männerbeherrschte Domäne wurde erst in den 90er Jahren von Luc Bessons "Nikita" aufgebrochen und dann mit der TV-Serie "Alias – Die Agentin", dem Game-Charakter Lara Croft und Filmen wie "Salt" auch für Frauenfiguren populär.

Mit "Dame, König, As, Spion" oder im Englischen "Tinker Tailor Soldier Spy" setzte der Schwede Tomas Alfredson nun den gleichnamigen Stoff von John le Carré um. le Carré zählt ebenso zu der Kategorie von Autoren, die sich dem Spionagemilieu verschrieben haben. Sein Repertoire umfasst Vorlagen zu "Der ewige Gärtner", "Der Schneider von Panama" und "Das Russland-Haus". Dabei ist diese Verfilmung nicht die erste Adaption, bereits 1979 gab es die TV-Miniserie "Tinker, Tailor, Soldier, Spy" und 1982 wurde "Smiley's People" mit Alec Guinness in der tragenden Rolle fürs Fernsehen gedreht.

Der Unterschied zu Helden wie Bond oder Ryan besteht im Feindbild, dem sich die Agenten gegenüberstehen. Hier ist es nicht nur der alles überschattende Klassenfeind, sondern der Verräter oder Maulwurf befindet sich in den eigenen Reihen. Somit bewegen wir uns in einem abgeschlossenen System, das zwar die Aufgabe hat die weltpolitischen Bedrohungen zu überwachen, aber eben auch gleichzeitig die innere Gefahren abzuwehren.  

Ein Ideal wie James Bond hat es heute mit einer unüberschaubaren Anzahl an Bösewichten zu tun, das einfache Feindbild ist mit der Beendigung des Kalten Krieges zu einem Problem des klassischen Agenten geworden. Einfacher hat es der national agierende MI5 Agent, der auf  kleinerem Terrain operiert, wie jüngst zu sehen in der sehr erfolgreichen BBC-Reihe "Spooks".

"Dame, König, As, Spion" spielt nun genau in diesen Sphären zwischen Innen- und Außeneinsatz und wartet mit einer sehr komplexen Handlung auf, bei der die einzelnen Aktionen erst allmählich ein ganzes Bild ergeben. Über Rückblenden und Einzelszenen packend in Szene gesetzt, muss der Zuschauer bis zum Finale auf die Auflösung warten. Im Gegensatz zu seinen gegenwärtigen Kollegen Ethan Hunt & Co. verzichtet der Film fast gänzlich auf Effektfeuerwerk und dramatische Schlüsselszenen im herkömmlichen Sinn. Fast gemächlich, in ruhiger Tonart und mit einem gewissen Altherren-Charme entsprechen die Figuren und ihr Tun so gar nicht unserem Zeitgeist. Gerade deshalb hebt sich Tomas Alfredson mit seiner Verfilmung sehr von anderen Vertretern ab. Ein Kriterium das sich wohl je nach Alterstufe und Geschmack des Publikums als Auszeichnung empfunden wird oder als störender Faktor.

Alfredson lässt le Carrés Stoff in den politisch unruhigen 70ern auferstehen, knapp 10 Jahre nach der Kuba-Krise ringen die Geheimorganisationen verbissener denn je um ihre Vormachtstellung, das Abwerben von feindlichen Agenten gehört zum täglichen Brotgeschäft vom Circus (Großbritannien) und dem KGB (Sowjetunion) und auch die USA mischen kräftig mit. Denn sie sind die eigentlichen Machtinhaber, während die Briten nur ihre Position in dem Spiel zu verbessern suchen. Gerade diese Komponente nimmt einen aktuellen Bezug zu der Stellung Großbritanniens im Weltpolitikgeschehen ein. Dass das Vereinigte Königreich immer wieder unter Beschuss gerät, allzu sympathisantisch gegenüber seinen amerikanischen Kollegen zu sein, ist nur eines der Punkte, auf die "Dame, König, As, Spion" beiläufig anspielt.

Trotz des gediegenen, dem altmodischem Look der 70er Jahre entsprechend, sollte man nicht zu schnell dem Irrglauben erliegen, dass der Film langweilt. Ausschlaggebend für eine Empfehlung des Films sind die Charaktere und ihre handverlesenen Darsteller, allen voran Gary Oldman als George Smiley, einem ausrangiertem Agenten, der das Geflecht aus Korruption und Verrat aufdecken muss. Endlich eine Rolle, in dem er wieder seine Fähigkeiten als Charakterdarsteller unter Beweis stellt. Unaufdringlich, aber beharrlich schiebt sich sein Smiley von einer scheinbaren Randfigur in das Zentrum des Geschehens.
Nach und nach tauchen die einzelnen Figuren auf dem Spielfeld auf und es beginnt ein gewagtes Manöver gleich einem Schachspiel, bei dem neben Smiley, der in die Fußstapfen seines legendären und paranoiden Chefs Control (John Hurt) treten soll, auch Guillam (Benedict Cumberbatch) und Prideaux (Mark Strong) mal zur Spielfigur und dann zum Strippenzieher werden.
"Tinker, Tailor,
Soldier, Sailor,
Rich Man, Poor Man,
Beggar Man, Thief."

Der Originaltitel lehnt sich an diesen englischen Kinderreim und deutet auf die Chiffrierung der Namen der beteiligten Agenten hin, ebenso sind ihre Handlungsorte und Gegenspieler codiert. Als Zuschauer muss man in diesem vertrackten Katz- und Mausspiel höchste Konzentration aufbringen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Die Verschlüsslungen ziehen sich durch den gesamten Film wie ein roter Faden. Belohnt wird man mit einer intelligenten und vielschichtigen Geschichte, die mehr zu bieten hat als ein simples Agenten-Action-Feuerwerk. Insbesondere Smiley, Guillam und Prideaux besitzen Vergangenheiten die ihr Tun maßgeblich beeinflussen und sind anfangs nicht das, was sie zu sein scheinen.
Nicht alle Charaktere erhalten die feingezeichneten Nuancen wie die genannten, etwas vage bleiben die Figuren von Percy Alleline (Toby Jones), Roy Bland (Ciarán Hinds), Toby Esterhase (David Dencik) und auch Colin Firth als Bill Haydon, kann nur wenig anbieten, was seine Rolle markant hervorstechen lässt. Im Figurengefüge sind das durchaus keine Nachteile, aber bei solchen hochkarätigen Namen, hätte man sich für jeden mehr Aktionen und Screentime gewünscht. Für eine Überraschung sorgt allerdings Tom Hardy, der als Zweitbesetzung für Michael Fassbender einsprang und als Ricki Tarr einen überaus überzeugenden Auftritt absolviert. Nur lenkt bisweilen seine alberne Fön-Frisur von seinem intensiven Spiel ab.

Handverlesen wie die Schauspieler ist auch der Soundtrack des Spaniers Alberto Iglesias, der sich über die Jahre einen hervorragenden Ruf für leise, aber kraftvolle Töne („Volver“, „Der ewige Gärtner“, „Der Drachenläufer“) erwarb und hier mit teils melancholischen Trompetenklängen dem 70er Jahre Thriller-Kino (z.B. „Klute“) huldigte.

Fazit: „Dame, König, As, Spion“ ist erlesenes Spionage-Kino, das nicht Jedermanns Geschmack treffen wird. Die gemächliche Inszenierung lässt schnelle Aktionen und markante Spannungsmomente des gängigen Actionkinos vermissen. Trotzdem sorgt die sorgfältig konstruierte und sehr komplexe Handlung für gehobene Unterhaltung, Alles in Allem ein Film für Kenner und Genießer.

Kommentare


marki
65
10.01.12 05:22 Uhr

Nach dem Trailer hatte ich mir schon etwas mehr erwartet. Nicht dass der Film schlecht wäre, aber die meiste Zeit plätschert er einfach nur so vor sich hin. Hinzu kam, dass es trotz niedrigem Tempo etwas schwer war, dem kompletten Geschehen zu folgen. Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Probleme mit dem britischen Akzent.
Was den Film natürlich sehenswert macht ist das grandiose Ensemble. Hervorzuheben wären hier Oldman, Cumberbatch und Hardy. Auch die Geschichte ist an und für sich ziemlich interessant, wobei die Inszenierung von Alfredson meiner Meinung nach zu schemenhaft und unspektakulär ausfällt. Hier wäre mehr mehr gewesen. Nach knapp 2 Stunden bekommt man dann aber eine relativ logische, coole Auflösung und ein gelungenes Ende geboten, was den Film noch einmal etwas nach oben zieht.


tarantino
10.01.12 14:36 Uhr

Ach der marki hats gut. NEID! :-D
Hoffentlich gefällt mir der Film besser, aber eigentlich liege ich mit marki oft auf einer Wellenlänge.


siBBe
23.01.12 08:16 Uhr

Hab den Film geguckt, kann ihn aber nicht bewerten. Habe zwischendurch den Faden verloren und danach der Geschichte nicht mehr folgen können. Kein Film also, den man sich ansehn sollte, wenn man müde ist, den muss man hochkonzentriert verfolgen um ihn zu verstehen.
Meine Eindrücke waren aber eh zwiegespalten: Schauspielerisch top (wundert wohl keinen), interessant und gut gemacht, allerdings auch etwas langatmig und schwer zugänglich.


EastClintwood
23.01.12 08:19 Uhr

Hört sich doch gut an. Anspruchsvolle Story, grandioser Cast. Toll geschrieben Jane, werde ich definitiv sichten.


Freeman
85
23.01.12 20:58 Uhr

Schöne Kritik.. so muss das sein! Freu mich riesig auf den Film!!!


zakin89
70
02.02.12 23:30 Uhr

Toller Film, der es aber nach Filmen wie "Ziemlich beste Freunde", "The Artist" oder "The Descendants" ein bisschen blass aussieht. Nichts desto Trotz wurde ich gut unterhalten und war schön wieder mal Briten reden zu hören :D (ein Hoch auf die OV^^)


Steffen
57
03.02.12 07:35 Uhr

Im Fazit steht, dass der Film nicht jedermanns geschmack treffen wird. Ich gehöre dazu.
Was mir gefallen hat:
Die 70er Jahre optik
und die großartigen Darsteller, die alle von A-Z toll gespielt haben
Was mir weniger gefallen hat:
Diese verdammten Zeitsprünge, warum kann man die nicht wenigstens ankündigen durch ein Gespräch oder so. Nein, Cut=> Vergangenheit => CUt => Gegenwart. Das hatmich bei J.Edgar auch schon angenervt.
Außerdem war mir der Film viel zu zäh und lang gearten, wie alter Kaugummi. Und man musste bei dem Film jede Sekunde aufpassen, weil man sonst sehr schnell den Faden verliert und dann gegen Ende und v.A. am Schluss die Zusammenhänge sonst gar nicht mehr kapiert.
Action gibts eigentlich keine, aber spannend war der Film irgendwie trotzdem.
Fazit: War ok, hätt ich aber genausogut auf Blu-ray zu Hause (und dann im O-Ton) schauen können.


Soulburn
03.02.12 17:01 Uhr

Kann mich dem Post vor mir in allen Punkten anschließen. Optik, Schauspieler und Handlung ergeben eine ziemlich dichte und spannende Atmosphäre. Mit der Erzählweise hatte ich aber auch meine Probleme. Es wird sehr sehr viel geredet und trotzdem muss man auf jedes Detail achten um nicht den Faden zu verlieren. Zudem hatte ich auch manchmal Probleme mit den vielen Zeitsprüngen.
Ein Film, den man sich besser ausgeschlafen anguckt, aber bei dem man auch mitpuzzeln kann. Denn die Auflösung kommt erst wenige Minuten vor Ende.


Freeman
85
03.02.12 18:08 Uhr

Klasse Film, der total unaufgeregt, aber keinesfalls langweilig daher kommt. Auf "große", emotionale Momente und Action wird gänzlich verzichtet, trotzdem schafft es der Regisseur sowohl Spannung als auch eine stets bedrohliche, paranoide Atmosphäre zu erzeugen. Dazu die genial passende Musik und dieser 70er Jahre Flair, der fast schon greifbar ist.

Nicht genug loben kann man die Schauspieler, allen voran mal wieder der geniale Gary Oldman! Er hätte den Oscar wirklich verdient. Auch wenn ich Descendents noch nicht gesehen habe, aber George hat schon einen Goldbuben und ist außerdem auch jünger! Also Oscar an Gary, wird mal Zeit! Aber wahrscheinlich mal wieder Wunschdenken :(

Ein Markenzeichen des Films ist, dass viele Sachverhalte einfach nur gezeigt (manchmal sogar sehr kurz) und nicht erklärt werden. Daher muss man wirkich total aufpassen, um der Story auch folgen zu können. Zugegebenermaßen ist der Erzählstil allerdings oft nicht wirklich flüssig und wird daher vielen Leuten überhaupt nicht schmecken. Sei es drum, mir hats gefallen.

Fazit: Tinker Tailer Soldier Spy ist eigentlich das genaue Gegenstück zu Spaßagentenfilmen ala MI:4. Anstatt lustig, ist Tinker ernst, es gibt praktisch keine Action dafür aber ein spannendes Katz und Maus-Spiel, in dem keinem - nicht mal dem Protagonisten - vertraut werden kann. Absolut sehenswert für alle, die keine adrenalingeladene Agentenhatz erwarten!


EastClintwood
20.02.12 13:42 Uhr

"In der Ruhe liegt die Kraft" - East, 2012
Bevor ich als Plagiator beschimpft werde, muss ich eins sagen: ihr habt ja Recht.

Doch genau das ist die Essenz des Films - ruhig, unaufgeregt und sehr dialoglastig, dennoch von Beginn an fesselnd und spannend. Dabei muss das Gehirn jedoch recht viele Ressourcen zur Verfügung stellen, der verzwickte Twist und die Menge an Personen, Handlungssträngen und Zeitsprüngen fordern dem Zuschauer durchaus einiges ab. Doch wer sich darauf einlässt wird es nicht bereuen. Der 70er Jahre Look wurde perfekt in jedem Zimmer, Auto und Haarlocke eingefangen, selbst als jemand der die Zeit nicht erlebt hat, fühlt man sich direkt dorthin versetzt. Schauspielerisch ist natürlich einiges geboten, aber was will man von einer der besten (britischen) Cast-Zusammenstellungen auch anders erwarten. Aus diesem Auflauf der talentierten Mimen sticht besonders Gary Oldman hervor, der mit seinem minimalistischen Spiel sich perfekt an dem Film anpasst: ruhig aber dennoch hervorragend. Der seltene und dezente Soundtrack ergibt mit den gelungenen Kameraeinstellungen ein tolles Machwerk, dass aber sicherlich nicht für jedermann eine Offenbarung ist.