Handlung
Regisseur William Brent Bells präsentiert den neuesten Found-Footage Schocker.
Ende der 80er Jahre ereignete sich ein blutiger Exorzismus, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Maria Rossi (Suzan Crowley) wurde als Mörderin verurteilt und lebt seitdem in einer psychiatrischen Klinik in Rom. Um dieser Tragödie auf den Grund zu gehen, entschließt sich Marias Tochter Isabella (Fernanda Andrade) zwanzig Jahre später, eine Dokumentation über Exorzismen zu drehen. Hierfür sucht sie sich Unterstützung der beiden Priester Ben (Simon Quarterman) und David (Evan Helmuth), die heimlich Exorzismen an Besessenen durchführen. Doch bei dem Versuch, Isabellas Mutter vor laufender Kamera den Teufel auszutreiben, geht einiges gehörig schief...
Kritik
Seit dem Ende der 90er Jahre erschienenen „Blair Witch Project“ sind sich die Filmstudios einer Sache so sicher, wie das selige Amen in der Kirche: Billig produzierter Found-Footage-Horror kommt beim Kinopublikum ausgesprochen gut an und sorgt unterm Strich für einen verteufelt guten Gewinn. So schossen in den vergangenen Jahren Titel, wie „Paranormal Activity“, „Cloverfield“, „Der letzte Exorzismus“ oder „[REC]“ wie Pilze aus dem cineastischen Nährboden und ließen kostenspieligere Kinoproduktionen beim wöchentlichen Box Office nahezu blass aussehen. Den Erfolg kann man wohl zum größten Teil dem überaus einfallsreichen viralen Marketing zu Buche führen, das im Vorfeld gestartet wird, um dem Kinogänger weiszumachen, es handele sich beim folgenden Streifen um reales Filmmaterial, in dem Szenen gezeigt werden, die bislang entweder von der Regierung oder dem Vatikan selbst der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht wurden. Nun darf sich die Welt auf einen weiteren Schocker, den Regisseur und Drehbuchautor William Brent Bells für das Kino aufbereitet hat, gefasst machen und da der Beruf des Exorzismus in den letzten Jahren eine ziemliche Flaute in der Filmwelt erleiden musste, war ein hochbrisanter Filmstoff für diese Art des Horrorgenres schnell gefunden.
So einfach und billig Filme dieser Horror-Sparte auch gemacht scheinen, es bedarf ein äußerst geschicktes und talentiertes Händchen, das Geschehen sowohl authentisch, als auch spannend zu präsentieren. Aufgrund der Tatsache, dass die Protagonisten zumeist selbst die Kameraführung übernehmen, fällt es schwer, die Balance zwischen logischem Verhalten und gruseligen Schockmomenten zu finden. Es fühlt sich oftmals einfach viel zu gestelzt und konstruiert an, warum der Protagonist in manch haarsträubenden Momenten immer noch die Kamera vor dem Gesicht hält, statt sie panisch von sich zu werfen und um sein Leben zu rennen. Und werden die Situationen dann doch so hochgefährlich, dass es entgegen aller Logik wäre, jetzt noch durch ein Kameraobjektiv zu blicken, wird der Kinogänger mit wackeligen Bildern konfrontiert, dass selbst hartgesottenen Fans nur allzu schnell das Schwindelgefühl übermannt. Am Ende verlässt man frustriert den Saal, denn bei aller Liebe zur Authentizität, das voyeuristische Herz hätte schon gerne etwas mehr gesehen, als verwackelte Bilder in besonders entscheidenden Grusel-Momenten. Nicht anders verhält es sich leider auch beim neuesten Found-Footage-Werk „The Devil inside“. Doch neben dem missglückten Versuch, eine schaurige Stimmung des scheinbar Realen zu erzeugen, versagt William Brent Bell auch in allem anderen. Die Figuren sind so belanglos und beliebig gezeichnet, dass man ihnen vollkommene Gleichgültigkeit entgegenbringt. Fernanda Andrade spielt die Rolle der Isabella dermaßen uninspiriert und leidenschaftslos, so dass es die beiden Priester, gespielt von Simon Quarterman und Evan Helmuth, in ihrem verantwortungslosen und dilettantischen Auftreten als Exorzisten schwer haben, den Tiefpunkt aller schlechten Eigenschaften des Films zu bilden.
Und auch sonst spult „The Devil inside“ alle bereits existierenden Klischees ab, die je in einem Exorzisten-Film zur Sprache gekommen sind, ohne auch nur ansatzweise eigene Wege zu gehen. Unnatürlich verrenkte Gelenke, verzerrte und perverse Ausbrüche aus den Mündern der Besessenen, dreckige und verschwitze Leiber treffen auf literweise Weihwasser, biblische Verse und eine schlecht geführte Kamera. Nun möchte man doch meinen, dass wenigstens mit den Schockmomenten nicht gegeizt wurde, denn das ist immerhin das Essenzielle an einem Horrorfilm. Aber auch hier wird man enttäuscht zurückgelassen, denn in den wenigen Szenen, in denen etwas Unheimliches passiert, sieht man aufgrund der schlechten Kameraführung, wie so oft in solchen Filmen, nichts.
Was bleibt, ist der Ärger, den man bei den überaus sinnlosen und dummen Aktionen der Protagonisten und den nicht vorhandenen Schockmomenten, die man durchaus in einem Film dieser Art erwarten darf, verspürt – immerhin schnellt dadurch der Blutdruck in gewisser Weise auch nach oben...
Fazit: „The Devil inside“ nimmt als Horrorfilm jeden Fehler mit, den man in der Sparte Found-Footage nur machen kann. Zu keiner Zeit überkommt dem Kinogänger die schaurige Gänsehaut, die einen voller Anspannung tiefer in den Kinosessel rutschen lässt. Stattdessen liegt der fiese Teufel sprichwörtlich im Detail, denn das mit der Handkamera hätte sich Regisseur William Brent Bell durchaus sparen können. Dieses knifflige stilistische Mittel sollte er denjenigen überlassen, die dafür deutlich mehr Talent besitzen.