Die Grauzone 2001
Originaltitel: The Grey Zone
von Haiko Kàcserik-Maczek /
14.01.06 11:25 Uhr
Film Kritik
Handlung
Welchen Preis sind sie bereit zu zahlen, um am Leben bleiben zu können?
Ungarische Juden werden als Sonderkommando in dem Krematorium und Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau eingesetzt, um bei der Vernichtung der Juden zu helfen. Ihr Lohn ist das Leben oder zumindest die Verlängerung, denn die Vorgänger von Hoffman (David Arquette), Moll (Velizar Biney) und Rosenthal (David Chandler) lebten vier Monate länger als die Freunde, Familienangehörige und Nachbarn aus dem gleichen Zug, in dem sie angekommen waren.Mit Hilfe weiblicher Lagerinsassen, angeführt von Dina (Mira Sorvino), die in der Munitionsfabrik arbeiten mussten, planen sie einen Aufstand. Maschinenpistolen und Munitionspulver werden entwendet, um sich damit in de Situation bringen zu können, die Öfen im Krematoriun in die Luft zu sprengen.
Der Aufstand wird unterstützt vom Insassen 'Hesch' Abramowics (Steve Buscemi). Seine Gruppe, die hinter ihm steht, entscheidet den Zeitpunkt für den Aufstand. Doch als Hoffman in einer Gaskammer ein 14 jähriges Mädchen (Kamelia Grigorova), dass das Gas überlebt hat,
findet und der SS-Oberscharfuhrer Eric Muhsfeldt (Harvey Keitel) davon erfährt, gerät der Aufstand in Gefahr …
Kritik
Am 7. Oktober 1944 wurden 451 Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wegen eines gescheiterten Lageraufstandes erschossen. Diese Tragödie ging als EINZIGER bewaffneter Häftlingsaufstand in die Geschichte ein. Die Geschichte erzählt die Vorbereitungen zum Aufstand. Zwei Gruppierungen waren maßgeblich an den Vorbereitungen beteiligt, eine Gruppe ungarischer Juden, die als Sonderkommando in den Krematorium und Gaskammern der größten Nationalsozialistischen Mordfabrik zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden und eine Gruppe weiblicher Haftinsassen. Der Film belichtet diese in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen.Passend in den Zeiten von "Der Untergang" und "Napola" kommt der unter anderem von Harvey Keitel produzierte Film vier Jahre später als in den USA in die deutschen Kinos, zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Ausschwitz (27. Januar 1945).
Tim Blake Nelson – bekannt aus "O Brother, Where Art Thou" (2000) und "Minority Report" (2002) – fürhrte Regie. Das Drehbuch basiert auf der 1946 erschienen Erinnerungsschrift "Ich war Arzt in Ausschwitz" des rumänischen Pathologen Miklos Nysiszli (hier gespielt von Allan Corduner). Seine Berichte waren die ersten Publikationen eines Augenzeugin, der aus dem Innern des Konzentrationslagers berichtete. Der Film erzählt den Schrecken des Krieges aus einer anderen Sichtweise, mit Bildern, die zum Teil intensiver und erschreckender waren als "Schinders Liste". In den USA wurde der Film als jugendgefährdend eingestuft wegen der Darstellung des Holocaust und dem Zeigen nackter Körper, doch kann man einem Film mit solcher Thematik vorwerfen, dramatisch und drastisch zu wirken?
Das einzige Fazit ist doch, das man mit aller Macht verhindern muss, dass es wieder zu solchen Zeiten kommt, in der MAN kein MENSCH mehr sein darf!
Diesen Film sollten sich viele Leute in Deutschland ansehen ... und nicht nur hier!
Kommentare
Sagenhaft. Gute darstellung. ein Film des grauen und ziel des Überlebungschancen. wie im Film hat man gezeigt wie eine Mädchen hat im Gaskammer überlebt.
Es gibt schon zahllose Filme über Konzentrationslager. Den hat Tim Blake Nelson erst 2001 gemacht. Und er erzählt bisher selten gezeigtes: die Hierarchie innerhalb der Lagerinsassen, Privilegien für einige, die in Saus und Braus leben, die brennenden Öfen des Krematoriums als Endstation der Vernichtungsmaschinerie. Blausäure, Gasmasken für das Wachpersonal, viel Schnaps und das ’Verwerten’ der toten Körper, Massenerschießungen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem grauenvollen, unberechenbaren Töten von Juden. Man kennt das und wird hier trotzdem erneut von der elementaren Wucht der Grausamkeit erschüttert. Es geht lange ohne Dialoge zu und es wird auf eine packende Dramatik aus der Handlung heraus weitgehend verzichtet. Stattdessen gibt es Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppen, Flucht oder die Zerstörung des Krematoriums? Ein Aufstand vor dem unausweichlichen Ende? Lediglich Oberscharführer Muhsfeldt (gewohnt gut Harvey Keitel) taucht immer wieder auf. Er symbolisiert die ganze hirnlose Arroganz der Nazis, die gefährliche permanente Möglichkeit alle und jeden zu ermorden. Und er demonstriert seine Macht sogar an Kindern.
Als Kontrast zum bisher gesehenen gibt es am Ende einen lyrischen Kommentar aus Kindermund aus dem Off, der den Titel erläutert und das Grauen vielleicht lindert, aber nicht beseitigt. Er verdeutlicht wie der vernichteten menschlichen Intelligenz eine bleibende Stimme verliehen werden kann, aber auch einen Moment des Verzeihens.


