Es geht um den Baseball-Manager Billy Beane aus Oakland, der versucht hat, mit wenig Geld eine gute Mannschaft zusammen zu stellen. Dafür wertete er Statistiken und Computeranalysen hinsichtlich der Leistung von bestimmten Spielern aus und konnte so die sogenannten ungeschliffenen Juwelen, aber auch erfahrene Spieler preisgünstig für sein Team gewinnen.
Kritik
Bricht man die Attention-Grabber von Moneyball auf Drehbuchautor Aaron Sorkin (The Social Network), Hauptdarsteller Brad Pitt und Baseball herunter, erweist sich der US-Nationalsport aus europäischer Sicht leider als Spielverderber eines ansonsten stark gespielten Sportdramas. Wer die Entwicklungen in der letzten Dekade der MLB (Major League Baseball) nicht auf dem Schirm hat, wird wohl kaum Zugang zu den Statistiken und Ereignissen finden, in die Regisseur Bennet Miller die, auf wahren Begebenheiten beruhende, Geschichte des Managers Billy Beane einbettet.
'Die Kunst zu Gewinnen' erzählt eine klassische Underdog-Story. Die Oakland Athletics können nicht mit den horrenden Budgets der Konkurrenz mithalten und müssen ihre besten Spieler am Ende einer jeden Saison verkaufen. Manager Beane (Brad Pitt) findet in dem Harvard-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill) und seinem, auf nackten Statistiken basierenden, Scoutingsystem eine zukunftsweisende Methode der Kaderbildung. Durch kleine Marotten oder mangelndem Starpotential übersehene Spieler werden fortan von Beane verpflichtet und müssen von Coach Art Howe (Philip Seymour Hoffmann) zu einer funktionierenden Einheit geformt werden.
Die Geschichte gipfelt zwar in einem einmaligen Liga-Rekord, wird aber bewusst abseits des Spielfelds erzählt. Miller setzt weniger auf spannender Sportszenen und folgt vielmehr Beane, der sich abergläubisch keine Spiele seiner Mannschaft anschaut. Mit dieser Entscheidung liegt die Last des Films nahezu komplett auf Brad Pitt und zwingt ihn zu einer schauspielerischen Glanzleistung. Seine Interpretation des zunehmend isolierten Lenkers bringt uns den Charakter auf sympathische Weise näher, lässt aber auch die Arroganz sowie Fehler der Figur durchblicken. Seine Szenen mit Jonah Hill sind der Quell interessanter Dialoge - doch halt! - da war das böse Wort: ‘Interessant'. ‘Interessant' ist gut, aber hinsichtlich eines Sportdramas zählen oftmals Attribute wie ‘bewegend', ‘mitreißend' oder eben 'dramatisch' - liegt es am subjektiven Desinteresse an Baseball? Wahrscheinlich muss es so sein. Die von Jonah Hill angeführten Statistiken lassen unter Umständen völlig kalt, der auf Fußball getrimmte Sportfan Mitteleuropas fragt sich, wie oft die Teams denn noch gegeneinander spielen, und die kurzen - aber dennoch äußerst ästhetischen – Collagen, mit Zahlen, Schlagzeilen und Spielfeldszenen, schaffen es dennoch nicht, die Begeisterung für den Sport greifbar zu machen.
Wer sich nicht affin für Pitcher, Batter und Innings zeigt, kann sich immerhin an einigen gelungen Einzelszenen erfreuen: Wenn Pitt und Hill durch die Katakomben des Stadions laufen und Spieler via 30-Sekunden Monolog zu einem anderen Verein transferieren, der Manager sich Wortgefechte mit seinen erfahrenen Scouts liefert oder der mürrische Coach Howe sich strikt weigert, seine neuen Schützlinge auf dem Spielfeld zu integrieren. Als besonders gelungen lassen sich verschiedene Sequenzen bezeichnen, in denen den Zuschauern ein Rückblick in Billy Beans eigene Spielerkarriere gewährt wird. Profisport statt Hochschulstudium, durchwachsene Jahre auf dem Feld und nun die aktuell angespannte Lage in seiner Führungsposition, lassen den Zuschauer stellenweise doch mitfiebern.
Für die emotionalen Höhepunkte in diesem handwerklich sauberen, aber etwas steril wirkenden Sportfilm, sorgen die Auftritte von Pitt's Filmtochter Kerris Dorsay und ihrer Interpretation des Lenka Songs 'The Show'. Dabei ist es nicht nur Billy Beane, der sich letztlich vom bezaubernden Klang ihrer Stimme zu Tränen rühren lassen kann. Geschickt entlässt Miller seine Zuschauer mit dieser Performance in den Abspann sowie schließlich aus dem Saal. Das eiskalt berechnete Wohlgefühl sorgt im Endeffekt dafür, dass Moneyball dem Publikum in den letzten Zügen emotionaler erscheint, als es in den zwei Stunden tatsächlich der Fall war.
Fazit: 'Moneyball' ist gut gefilmt und noch besser von seinen Protagonisten gespielt. Wer sich jedoch nicht für Baseball interessiert, läuft Gefahr, die Geschichte schnell als zäh und belanglos abzuschreiben. Bringen wir es doch auf den Punkt: Wäre Brad Pitt nicht in der Hauptrolle, würde sich in Deutschland nur eine absolute Minderheit für dieses Projekt interessieren. Wahrscheinlich zu Recht...