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Glück 2012

von Anne Facompré / 22.02.12 19:12 Uhr


Film Kritik

112
Länder
Deutschland
Genres
Drama
Kinostart
23.02.2012

Handlung

Noah Leyden (Matthias Brandt) ist Strafverteidiger und bezeichnet sich als Spezialist für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Er erzählt die unfassbare Geschichte von Irina (Alba Rohrwacher) und Kalle (Vinzenz Kiefer). Zwei Gestrandete, die zueinander finden und das eben erst entdeckte gemeinsame Glück mit allen Mitteln zu verteidigen suchen.

Irina verlässt das Glück, als ihr Land vom Krieg überrollt wird, Soldaten in ihr Zuhause eindringen, ihre Familie töten und sie vergewaltigen. Traumatisiert flüchtet sie nach Berlin und arbeitet dort als Prostituierte. Auf der Straße lernt sie den Obdachlosen Punk Kalle kennen. Die Beiden verlieben sich, zaghaft, und beginnen, sich ein kleines Leben aufzubauen. Bis eines Tages ein Freier (Oliver Nägele) tot in der gemeinsamen Wohnung zusammenbricht, Irina flüchtet in Panik, Kalle kommt nach Hause, entdeckt die Leiche – und beschließt, sein Glück mit Irina zu bewahren.

Kritik

Ungleiche Paare oder Freundschaften werden immer wieder zum gerne genutzten Thema in Film und Fernsehen. Zuletzt überzeugten die französischen Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache mit ihrem Erfolgshit "Ziemlich beste Freunde", in dem sich ein Sozialhilfeempfänger und ein querschnittsgelähmter Multimillionär anfreunden und damit Zuschauer überall begeisterten.

Doris Dörrie bedient sich in ihrem neusten Film einer nicht ganz unähnlichen Thematik. Im Liebesdrama "Glück" verlieben sich der Punk Kalle (Vinzenz Kiefer) und die kriegsflüchtige Prostituierte Irina (Alba Rohrwacher) und versuchen entgegen aller Schwierigkeiten, eine gemeinsame Existenz aufzubauen.

Strafverteidiger Noah von Leyden (Matthias Brandt) erzählt die außergewöhnliche Geschichte von Irina, die ihn nur kurz gestreift, aber dennoch sehr bewegt hat. Als Strafverteidiger, so von Leyden, ist er 'Spezialist für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Dieser Moment, der unser Leben für immer verändert.' Irina wurde vom Glück verlassen, als der Krieg in ihrer Heimat Einzug erhielt, als das Militär ihre Familie tötete und sie von Soldaten vergewaltigt wurde. Traumatisiert und verängstigt flüchtet sie sich nach Berlin, wo sie ein ständiges Versteckspiel ohne Papiere führt und in ihrer Not als Prostituierte zu arbeiten beginnt. So trifft sie auf Kalle, einen obdachlosen Punk. Langsam und ganz zaghaft nähern sich die beiden an und verlieben sich in einander. Es gelingt ihnen, eine kleine gemeinsame Existenz aufzubauen, bis eines Tages etwas Unvorhergesehenes passiert: ein Freier bricht tot in der Wohnung des Paares zusammen. Während Irina panisch reagiert und nicht weiß, was sie tun soll, beschließt Kalle in seiner Not, dass er ihr gemeinsames Glück um jeden Preis der Welt verteidigen muss.

"Glück" basiert auf einer Kurzgeschichte des Anwalts Ferdinand von Schirach, der diese und viele andere Erzählungen in seinem schriftstellerischen Debüt "Verbrechen" veröffentlichte. Erfolgsregisseurin Doris Dörrie ("Männer") war von der Geschichte so angetan, dass sie sie umgehend in ein Drehbuch verwandelte und filmisch umsetzte.

Vinzenz Kiefer und Alba Rohrwacher harmonieren großartig miteinander und ihr Schicksal bewegt. Als Zuschauer kann man sich dem Mitfühlen kaum entziehen, wenn die beiden um das kleinste bisschen Glück kämpfen und es dann so sehr zu schätzen wissen. "Glück" ist einer der Filme, die einem, ohne aufdringlich oder prätentiös zu sein, vor Augen führen, wie viel Glück man eigentlich hat und wie selten man sich dessen bewusst ist. Wie Noah von Leyden es so passend sagt, ist Glück oftmals einer der Zustände, dessen man sich erst bewusst wird, wenn es nicht mehr da ist.

Kalles und Irinas Geschichte wirkt authentisch ohne zu dramatisieren. Im Gegenteil, oftmals werden für den Zuschauer wirklich horrende Zustände, wie die Tatsache, dass Irina im eigenen Bett Freier empfangen muss, von dem Pärchen akzeptiert, weil sie wissen, dass es ihnen schon wesentlich schlechter ging. Beide Jungschauspieler sind brillant und tragen den Film förmlich alleine. Trotz der großen Tragik der Geschichte, bleibt der Humor nicht auf der Strecke und einige der dramatischsten Szenen, wie das Beseitigen der Leiche, sind mit schwarzem Humor ausgestattet und laden zum Lachen ein, wo man sonst weinen müsste. Die Liebe zwischen Kalle und Irina entwickelt sich zaghaft, wie zwischen Kindern. Zwei verletzte Menschen, die den Glauben ans Glück trotz ihrer düsteren Vergangenheit noch nicht aufgegeben haben und die mit so wenig so glücklich sind. Eine Wohnung im heruntergekommenen Berliner Plattenbau wissen sie zu schätzen wir ihr eigenes Schloss und ein Honigbrot wird kurzum zum Steak ernannt. Dörrie ist es gelungen, eine Liebesgeschichte zu erschaffen, die so weit ab von jeglichen Klischees ist und den großen Hollywood Love Stories dennoch in nichts nachsteht.

Fazit: Die Darsteller bewegen, die Geschichte schockiert und berührt zugleich. Hier wurde ein Liebesdrama geschaffen, das man so schnell nicht vergisst und das eine simple, aber wahre Botschaft mit sich bringt: "im Grunde wollen wir alle nur eines," sagt Noah von Leyden, "Schmerzen vermeiden und glücklich sein."

Kommentare


EastClintwood
23.02.12 07:50 Uhr

Hast aber ne hohe Taktfrequenz was Kritiken angeht Anne, Hut ab ;) Wieder schön geschrieben und nach einem guten Making Of im TV hat der Film auch mein Interesse geweckt!


Anne
73
24.02.12 00:54 Uhr

Danke, danke. Ich komm mir auch schon so vor als säße ich nur noch im Kino :p