Handlung
Im ebenso endlosen wie geheimnisvollen Universum existiert seit Jahrhunderten eine kleine, aber schlagkräftige Einheit, die für Gesetz und Gerechtigkeit eintritt: das Green Lantern Corps. Jeder Green Lantern wird durch einen Eid auf die Bruderschaft der Krieger dazu verpflichtet, in der Galaxis Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten, alle tragen einen Ring, der ihnen übernatürliche Kräfte verleiht. Doch als ein neuer Gegner namens Parallax das Gleichgewicht der Kräfte im Universum auszuhebeln droht, liegt das Schicksal der Green Lanterns und der gesamten Erde in der Hand ihres jüngsten Rekruten: Er ist der erste Mensch, der in ihre Reihen aufgenommen wurde – Hal Jordan (Ryan Reynolds).
Hal ist zwar ein begabter und ziemlich großspuriger Testpilot, doch die Green Lanterns haben für Menschen wenig übrig, weil sie im Umgang mit den unermesslichen Möglichkeiten des Rings keinerlei Erfahrung mitbringen. Dennoch ist Hal ganz offensichtlich das fehlende Teil im Puzzle, denn neben seiner Hartnäckigkeit und Willensstärke ist er den anderen Mitgliedern des Corps in einem Aspekt überlegen: in seiner Menschlichkeit. Mit Unterstützung seiner Pilotenkollegin und Sandkastenfreundin Carol Ferris (Blake Lively) könnte Hal eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Parallax einnehmen, wenn er nur schnell genug seine neuen Fähigkeiten anzuwenden lernt und den Mut aufbringt, seine Angst zu überwinden. Vielleicht bewährt er sich dann sogar als größter Green Lantern aller Zeiten.
Kritik
Was sollte die erste Leinwandversion der Grünen Laterne nicht alles werden? Eine Offenbarung für Fans der berühmten Comicvorlage, ein visueller Rausch, eine epische Geschichte, welche die Grenzen der Erde überwindet und uns zu fernen Planeten, Spezies und Abenteuern führt. Für Warner Bros. sollte der Film ein neues lukratives Franchise begründen und für das Comiclabel DC neben Batman und Superman eine neue Speerspitze im Leinwandkampf mit den erfolgreichen Marvel-Produktionen darstellen. Mit einem Budget von knapp 200 Millionen Dollar, einer guten Schauspielerriege und mit Regisseur Martin Campbell, der mit ‚Casino Royal‘ schon bewiesen hat, dass er spannendes Kino inszenieren kann, durfte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen…eigentlich.
Schon wenige Wochen nach dem US-Kinostart ist es jedoch amtlich: Green Lantern ist ein Flop! Die finanziellen Erwartungen der Produzenten wurden nicht einmal ansatzweise erfüllt und auch Kritiker und Hardcorefans sind nicht mit der Umsetzung zufrieden. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche:
Der Film beginnt recht stimmig. Dem Zuschauer werden einige grundlegende Fakten zum Green Lantern Universum erklärt. Wir sehen das aus 3600 Lanterns bestehende Corps, die über das gesamte Universum wachen und die versehentliche Befreiung des mächtigen Schurken Parallax, eine erste kleine Actionszene deutet schon das Potential der Helden an und auf der Erde sehen wir einen chaotischen aber liebenswerten Draufgänger namens Hal Jordan (Ryan Reynolds). In einer wilden Flugszene mit Kampfjets (er ist Testpilot) bewundern wir seine Flugkünste und sein loses Mundwerk. Einstieg gelungen, doch dann kommt ein Vorgeschmack auf Minuten des Graues, die uns in Form von "Gossip Girl"-Star Blake Lively erwarten: Ein erster Dialog zwischen Ihr und Ryan Reynolds reicht aus um sich für den Titel „miesestes Leinwandpaar des Jahres“ zu bewerben. Sie erklärt ihm, dass er erwachsen werden soll und die Welt nicht schwarz-weiß ist. Als Beispiel dazu nutzt Sie sowohl ihre Karriere als Testpilot, als auch ihr buchhalterisches Geschick in der Firma ihres Vater. Was fällt ihm auch ein, sich über ihr Businessoutfit zu beschweren? Danke Blake, jetzt sind wir alle ein Stück erwachsener. Einige weitere Szenen auf der Erde sorgen dafür, dass sich der Zuschauer schon nach den Weiten des Alls und dem Planeten Oa sehnt, dem Stützpunkt des Green Lantern Corps. Es dauert auch nicht lang, bis Hal dort eintrifft, über die Macht aufgeklärt wird, die er nun in sich trägt und mit einem kurzen Kampftraining beginnt. Oa sieht toll aus, die verschiedenen Alienrassen wecken das Interesse der Zuschauer und die oftmals von Anführer Sinestro (Mark Strong) beschworene Macht der Green Lantern Armee lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch Hal fühlt sich aufgrund seines menschlichen Daseins und der damit verbundenen Schwächen relativ schnell gemobbt und fasst den Beschluss, lieber doch kein grüner Held zu sein. Das geht alles ziemlich schnell und wirkt unausgewogen. Doch sobald Hal wieder auf der Erde ankommt beginnt die Enttäuschung erst richtig!
Auch wenn Ryan Reynolds es schafft, viele Sympathien auf seine Seite zu ziehen verhindert das Drehbuch jeglichen emotionalen Zugang zum Film. Bis zum finalen Kampf gegen den riesigen Schädel Parallax, der seine Stärke aus der gelben Kraft der Angst schöpft, ziehen etliche belanglose Szenen am Zuschauer vorbei, die den Fokus des Films ständig in eine neue Richtung zu schieben scheinen. Einerseits versucht uns Campbell Hals inneren Konflikt mit der großen Macht des Rings aufzuzeigen, andererseits zeigt er seinem Kumpel wie cool die ganze Power doch ist! Die Stimmungsschwankungen des Helden sind einfach nicht nachvollziehbar, genauso wie die immer wiederkehrenden Dialoge mit seinem Schwarm Blake Lively. Sobald sich die beiden unterhalten stellt dies konstant ein neues Negativhighlight des Films dar. Die Mischung aus Humor, Action und Emotion geht einfach nicht auf, weil jedes der einzelnen Elemente unter eklatanten Mängeln leidet. Die Witze zünden nur teilweise, Emotionen sind generell schwer auszumachen und die Action weiß nur in wenigen Szenen vollends zu überzeugen; gelungen ist auf jeden Fall der Endkampf zwischen Hal und Parallax, dieser beginnt auf der Erde und endet mitten im All. Eine der wenigen Szenen, in der auch die epische Breite der Erzählung erreicht werden kann. Doch wenn in der Mitte des Films eine Handvoll Lanterns einen ersten Angriff auf das Ungetüm wagt und dieser Kampf nur gute 30 Sekunden dauert, dann ist das schlichtweg zu wenig. Das mächtige Corps verkommt durch diesen Kampf und seine Verweigerung vor dem finalen Kampf zu einem Heer von untätigen Statisten, das nach getaner Arbeit ankommt um Hal zu gratulieren.
Der Charakter, der die Stärken und Schwächen des Films am besten in sich vereint ist allerdings Hector Hammond (Peter Sarsgaard). Parallax infiziert den Wissenschaftler und verleiht ihm neben starken telepathischen Kräften ebenso eine gehörige Portion Wahnsinn und die passende abschreckende Optik. Hector könnte einen tollen menschlichen Gegenspieler für Hal abliefern, jedoch sorgt konsequentes Overacting (heimlich an Livelys Haar schnuppern zum Beispiel) dafür, dass auch er zur Witzfigur verkommt und nur in Actionszenen für Furore sorgen kann. Wenn er im Labor auf Green Lantern trifft ist das wirklich tolle Comicaction, die danach aber wieder schnell durch Hectors Monologe in Vergessenheit gerät. Anscheinend haben Hal, Hector und Carol auch eine intensive gemeinsame Vergangenheit. Erklärt wird die nicht wirklich, ist dann im Finale aber trotzdem "total wichtig"…
So driftet Green Lantern ständig zwischen guten Ansätzen, spaßiger Action und sinnfreien Dialogen umher, bis das Ganze einfach keinen Spaß mehr macht. Schade ist ebenfalls der Umstand, dass der Film schon einige Handlungsstränge für eine eventuelle Fortsetzung vorbereitet und aktuelle Probleme und Hintergründe dafür zu wenig Screentime bekommen. Da können auch die gute Musik und die teilweise beeindruckenden Effekte nicht mehr viel retten, das Gesamtpaket ist einfach unausgewogen und man stellt gelegentlich die Frage, ob der Film denn überhaupt ein Drehbuch hatte? Ebenfalls vergisst man im Laufe des Films, dass man diesen überhaupt in 3D sieht. Bis auf einige nette Flugeinlagen lohnt sich der Aufschlag also nicht, auch in diesem Punkt wurde viel Potential verschenkt.
Fazit: Wenn man seine Erwartungshaltung auf ein Minimum senkt, dann kann man als Zuschauer durchaus seine spaßigen Momente mit Green Lantern erleben, trashige Szenen und ein paar gelungene Actionsequenzen verhindern die komplette Langeweile. Doch bei dem großen Budget, dem talentierten Regisseur und der hohen Qualität der Vorlage kann es für dieses Projekt kaum ein größeres Armutszeugnis geben.