Logo%2dc41b2aaa226c7daf75f85f79db020f2f

17

Hugo Cabret 2011

Originaltitel: Hugo
von Daniel Krüger / 11.01.12 07:09 Uhr


Film Kritik

126
Länder
USA
Genres
Drama, Familie, Fantasy, Abenteuer, Mystery
Kinostart
09.02.2012

Handlung

Der neue und gleichzeitig erste 3D-Film von Martin Scorsese

Die Geschichte im Jahr 1931 unter den Dächern von Paris. Der 12-jährige Waisenjunge Hugo (Asa Butterfield) lebt alleine in den Gemäuern eines gigantischen Pariser Bahnhofs. Seit sein Vater (Jude Law), ein talentierter Uhrenmacher, bei einem Brand ums Leben gekommen ist, versteckt sich Hugo auf dem Dachboden hinter einer großen Bahnhofsuhr. Statt zur Schule zu gehen, muss er die Arbeit seines Onkels übernehmen: Täglich macht er einen Kontrollweg durch die großen Hallen, um alle Bahnhofsuhren in Schuss zu halten und aufzuziehen. Dabei muss er sich vor dem strengen Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen) in Acht nehmen, der keine Chance auslässt, seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hugos einzige Erinnerungsstücke an seinen Vater sind ein rätselhaftes Notizbuch und ein kaputter Roboter - eine Art Aufziehfigur - die Hugos Vater vor seinem Tod in seiner Uhrmacherwerkstatt zu reparieren versuchte. So lebt Hugo zwischen tickenden Uhren und mysteriösen Notizen, bis er eines Tages die neugierige Isabelle (Chloë Grace Moretz) trifft, die sein Leben auf sensationelle Weise verändern wird: denn sie besitzt einen Schlüssel, der den Roboter zum Leben erwecken kann. Mit Hilfe von Isabelle und ihrem mysteriösen Onkel (Ben Kingsely), kommt Hugo einem außergewöhnlichen Geheimnis auf die Spur, das sein und das Leben aller Beteiligten auf magische Weise verändern wird...!

Kritik

Der Professor hat es mal wieder allen gezeigt! Unabhängig von Wertung und subjektivem Empfinden muss man Martin Scorsese zugestehen, mit seinem vielleicht persönlichsten Werk, 'Hugo Cabret', einen einzigartigen Film voller spannender Gegensätze erschaffen zu haben - Familienfilm trifft auf Fachkompetenz, in Würde gealterte Darstellergrößen auf blutjunge Talente und modernste 3D-Technik auf legendäre Stummfilme und handbemaltes Zelluloid...

Die cineastische Geschichtsstunde wird jene überraschen, die sich von den unsäglichen Trailern blenden ließen und in 'Hugo Cabret' ein lupenreines Familienabenteuer erwartet haben. Dabei ist dies zu Beginn nicht einmal zu weit hergeholt: Ein friedlicher Pariser Bahnhof, eine romantische Kulisse - die glatt einem Monet entsprungen sein könnte - und mittendrin unser Held Hugo (Asa Butterfeld). Die Waise verbringt seine einsamen Tage damit, die Uhren des Bahnhofs aufzuziehen und am Roboter seines verstorbenen Vaters (Jude Law) zu arbeiten. Insgeheim hofft Hugo darauf, dass dieser eine letzte Botschaft seines geliebten Dad's für ihn bereithält...

Als blinder Passagier des Bahnhofbetriebs ist Hugo von den verschiedensten Menschen umgeben; Sei es der etwas gruselige Bibliothekar Labisse (Christopher Lee), der vom Krieg gezeichnete und  lächerlich adrette Bahnhofsinspektor (Sacha Baron Cohen) oder die nach Abenteuern lechzende Isabelle (Chloë Grace Moretz). Während die Suche nach einem herzförmigen Schlüssel und die Freundschaft zwischen Hugo und Isabelle die erste Hälfte des Films bestimmen, mündet Scorsese in einer liebevollen Hommage an Georges Méliès. Wer diese Ikone genau war, sei an dieser Stelle nicht verraten – wer es bisher nicht wusste, dem wird sich 'Hugo Cabret' als heilsbringender Augenöffner präsentieren. 

Im letzten Drittel transportiert Scorsese diverse Klassiker der Stummfilmära in das 21. Jahrhundert, rekonstruiert die Entstehung der ersten filmischen Trends und zelebriert Vordenker wie die Gebrüder Lumière und eben Georges Méliès. Es ist ein köstliches Faktum, dass sich Scorsese fachlich himmelweit über sein Publikum stellt und die umstrittene 3D-Technik dazu nutzt, um dieses Publikum einer Zeit nachtrauern zu lassen, in der Filme tonlos und -aus heutiger Sicht- technisch blamabel über die Leinwand flimmerten. Nun sorgen Ausschnitte der alten Werke erneut für glänzende Augen, nur eben zusätzlich in der dritten Dimension, eingebettet in die wundervollen Kamerafahrten, mit denen uns der Altmeister in seinen Mikrokosmos "Bahnhof" entführt. 

Auch wenn Hugos Fähigkeit, sowohl Uhrwerke als auch Menschen zu reparieren die zwei leicht zu differenzierenden Handlungsabschnitte des Films gefühlvoll verknüpft, wirkt die Story doch etwas unausgewogen. Wenn sich Cineasten in der letzten halben Stunde der einlullenden Nostalgie hingeben und Scorsese noch einmal auf die Bahnhofsgleise und den mittlerweile reparierten Roboter zurückgreift, drängt sich der Gedanke auf, dass die anfängliche Geschichte um den kleinen Hugo nur ein etwas kitschiges Mittel zum Zweck war. Sobald wir uns in der großen Hommage befinden, dient unser Protagonist nur noch als Stichwortgeber, während die Leidenschaft zum Film zum wahren Hauptdarsteller ausgerufen wurde. Jüngere Zuschauer dürften einen anderen Eindruck haben: Warum ist Hugos Abenteuer nun vorbei? Warum lauschen wir jetzt den Vorträgen eines alten Mannes über noch viel ältere Filme? Hätte Scorsese fokussierter auf die emotionalen Höhepunkte hingearbeitet oder die Laufzeit um einige Minuten gekürzt, würden die unterschiedlichen Teile des Films mit Sicherheit ansprechender ineinandergreifen. 

Abseits der mangelhaften Erzählstruktur, glänzt 'Hugo Cabret' mit einer handwerklich perfekten Umsetzung. Der 3D-Effekt ist in Verbindung mit den verträumten Kamerafahrten auf 'Avatar'-Niveau, die Musik trifft jederzeit den Tonfall des Films und die Darsteller bilden ein homogenes Ensemble. Ben Kingsley bringt den Saal gleich mehrfach den Tränen nahe, während Sacha Baron Cohen mit perfekt getimten Slapstick-Humor für die witzigen Momente sorgt. Die herausragende Leistung liefert allerdings der 13-jährige Anführer des Casts, Asa Butterfeld, ab: Durch seine Augen blickend, darf man sich selbst noch einmal als Kind sowie Entdecker fühlen, gemeinsam mit ihm zwischen hunderten Zahnrädern wandern und die märchenhafte Atmosphäre dieses einmaligen visuellen Erlebnisses spüren - es schmerzt leider umso mehr, wenn man durch eine aufgesetzte Traumsequenz oder die fast niedergetrampelte Chloë Moretz aus eben dieser Atmosphäre herausgerissen wird. 

Fazit: Martin Scorsese hat mit 'Hugo Cabret' eine einzigartige Symbiose aus lebendigem Gemälde und cineastischer Ahnenforschung erschaffen. Leider kann der visuelle Rausch nicht über dramaturgische Mängel hinwegtäuschen – nachdem sich die Geschichte zu einer Hommage an die wegweisenden Ursprünge des Kinos entwickelt hat, wirkt die einleitende Erzählung um den jungen Hugo doch sehr austauschbar und zweckmäßig. 

Kommentare


siBBe
49
11.01.12 08:01 Uhr

Kann mit dem Film nicht viel anfangen. Ja visuell war er sehr schön gedreht, hatte tolle Animationen, tolle Kulissen, der 3D Effekt war spitze usw. Aber die Geschichte fand ich insgesamt einfach schwach erzählt, habe mich tierisch gelangweilt. Auch konnte ich nicht über jeden Witz lachen, da es mir teilweise zu kindisch wurde. Scorsese soll einfach keine Kinderfilme drehen, ist meine Meinung, aber nun gut. Schlecht ist Hugo sicherlich nicht, wenn man mit der Story was anfangen kann hat man sicherlich mehr Spaß als ich, aber die Story ist weder sehr originell, noch ist sie gut konstruiert (viele unnötige Details, die sich im Sand verlaufen) noch ist sie kompakt erzählt (viel zu lang).


Bumblebert
11.01.12 08:21 Uhr

Hatte mir zwar mehr erhofft, aber bei diesem Film lasse ich mich definitiv nicht von einem Kinobesuch abhalten! Schöne Kritik mal wieder Daniel!


filmdiva
11.01.12 08:37 Uhr

Ich stimme der Kritik in vielen Dingen zu, die Reise in die Filmvergangenheit war sehr schön anzusehen, und doch ist das Gleichgewicht zwischen der ersten und zweiten Hälfte empfindlich gestört. Das Geheimnis um den "Automaton" verläuft irgendwann ins Leere, ein Kinderfilm ist der Film nun wahrlich nicht. Wobei ich sagen muss, dass für mich Scorseses Rückblick aus Kinderaugen insgesamt sehr ansprechend war.

Getragen wurde HUGO für mich durch das wirklich beeindruckende Darbietung von Asa Butterfeld, der als Hugo immer wieder emotional zu fesseln weiß und die Geschichte auf das Wesentliche bündelt: Die Welt (des Films) aus der Sicht eines Kindes betrachtend und für sich neu entdeckt. So viel Unbefangenheit hätte ich beispielsweise Scorsese nicht zugetraut.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er den Rückblicken zu den Anfängen des Filmes mit einem nostalgischen Auge folgen will.


maria007
11.01.12 15:37 Uhr

Mh... die Kritik liest sich gut runter - an dieser Stelle: Danke Daniel =) - aber auch der Trailer hat mich in erster Linie mehr verwirrt als in Spannung versetzt - wenn das ganze Thema nicht schlüssig dargestellt wird, dann vergeht mir fast die Lust, mir das Schauspiel anzuschauen. Wenn ich was fürs Auge brauch, schau ich ihn mir vielleicht mit ganz viel Popcorn und im 3D-Brillenspaßmodus an...


bogi86
49
11.01.12 21:39 Uhr

Liest sich echt gut.
Hm, jetzt fällt mir Entscheidung aber nciht leichter, obs ins Kino geht oder nicht :D


dkr
65
dkr
12.01.12 19:04 Uhr

@ sorry bogi^^

aber sagen wir mal so: wenn du ihn überhaupt mal anschauen willst, dann geh ins kino. der geniale 3D Effekt wertet den film ungemein auf. auf dvd ist das ja bekanntlich weg...


EastClintwood
12.01.12 19:06 Uhr

Yeah coole Kritik! Reichts für Kino? Man weiß es nicht ...


Tara
98
05.02.12 22:42 Uhr

Auf den bin ich gespannt fand den Trailer recht ansprechend...


Tara
98
07.02.12 23:27 Uhr

Ich hätte nicht gedacht das ich den Film soooo schnell sehen würde ;-) aber manchmal hat es auch seine vorteile neben einen Kino zu arbeiten, ich bin heut an eine Freikarte zur Premiere rangekommen!
Ein toller Film, mir hat er wahnsinng gut gefallen. Und solche 3D Effekte sah ich zuletzt bei Avatar, kein Wunder wenn da selbst ein James Cameron ins schwärmen kommt.
Wenn man sich auf diesen Film einlässt ist es wie eine kleine Zeitreise, die einen ein wenig verzaubert. Mir hat es sehr viel Spass gemacht die Story zu verfolgen, die Anfänge des Films zu sehn und die Suche des kleinen Hugo, nach einem Platz im Uhrwerk des Lebens. Die Rolle wurde übrigens perfekt von Asa Butterfield gespielt, ich denke man wird noch viel hören und sehen von ihm, ich wünsch es mir! Wirklich ein Schauspieltalent, der einen in dem zartem Alter schon zum schwärmen bringen kann. Die kleine süße Chloë Grace Moretz hat mir auch wieder gut gefallen. Ich kam aus diesem Film mit einen Lächeln und einen wollig warmen Gefühl. (Morgen muss mir jemand wieder meine Mundwinkel glatt bügeln:D) Der Film hat es geschafft mich zu verzaubern, es ist ein Film der ohne Gewalt und nackter Haut auskam, aber trotzdem ist es für mich kein Kinderfilm...


bogi86
49
13.02.12 13:51 Uhr

Obwohl für mich, der ich auch seeehr gerne alte Filme schaut ("Die Reise zum Mond" hat mich damals zB total verzaubert, als ich das Glück hatte, sie auf Leinwand in einem Museum zu sehen...), schon ein paar tolle Szenen dabei waren, fand ich die Rahmenhandlung einfach nur lahm und emotional gar nciht packend. Spannender und wohl auch aufrichtiger wäre es wohl gewesen *SPOILER* direkt das Leben von Geroge Mélies zu erzählen *SPOILERENDE* statt die Geschichte um Hugo, die nicht wirklich zu fesseln weiß, vllt. einfach weil sie einfach eine überlange Einleitung zu der wahren Geschichte - nämlich die von eben genanntem und dessen Scheitern - ist.
Wirklich überzeugend waren die durchweg tollen Bilder, zum ersten Mal im Kino hat mich 3Düberzeugt (muss allerdings dazu sagen, dass ich damals Avatar leider nciht in 3D gesehen habe...), auch wenn das meine brennenden Augen leider nicht verhindern konnte.
Am Ende bleibt ein schaler Nachgeschmack, da der Beginn des Kinos ganz sicher so viel emotionaler und spannender hätte erzählt werden können als dies hier geschehen ist. Positiv nehme ich aber mit, dass ich mich nun auf jeden Fall noch einmal intensiver mit dem Schaffen von Mélies befassen möchte, bisher kenn ich nur den -wirklich tollen- "Die Reise zum Mond"...