In the Land of Blood and Honey 2011
von Sebastian Stumbek / 22.02.12 22:23 Uhr
Film Kritik
127
Länder
USA
Genres
Drama, Romance, War
Kinostart
23.02.2012
Handlung
Spielfilm-Regiedebüt von Angelina Jolie
Danijel (Goran Kostić) und Ajla (Zana Marjanović) sind zwei Menschen die auf verschiedenen Seiten einees brutalen ethnischen Konflikts stehen: Danijel ist ein serbischer Soldat und Ajla ist eine Bosnierin, die in dem Lager gefangen gehalten wird, über das er die Aufsicht führt. Beide kannten sich bereits vor dem Krieg und hätten ein schönes Liebespaar werden können, doch der bewaffnete Konflikt lässt ihre Beziehung in einem immer düsterer werdenden Licht erscheinen...Kritik
Angelina Jolie kannte man in der Filmlandschaft bislang nur als äußerst erfolgreiche Schauspielerin vor der Kamera. Doch die Frau kann noch viel mehr als gut aussehen und überzeugend schauspielern, wie sie nun mit ihrem Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" beweist, bei dem sie nicht nur erstmals (in einem Spielfilm) Regie führt, sondern sich auch zum ersten Mal als Drehbuchautorin versucht. Dass Jolie privat ein enormes humanitäres Engagement besitzt und ihren berühmten Status bewusst dazu einsetzt, auf Probleme und Missstände aufmerksam zu machen, ist ihr in jedem Fall positiv anzurechnen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich für ihren ersten selbstgedrehten Film ein wichtiges und auch sehr mutiges Thema ausgesucht hat, an das sich manch anderer sicherlich nicht rangetraut hätte.Lang ist der Bosnien-Krieg noch nicht her, 1992 bis 1995 ereilte sich ein noch recht junges dunkles Kapitel in der europäischen Geschichte, in dem es zum Völkermord, massenhaft Vergewaltigungen und ethnischen Säuberungen kam. Kein einfaches Thema also, dass sich Jolie gewählt hat, die inmitten dieses Schreckens eine unmögliche Liebesgeschichte zwischen einem christlichen Serben und einer muslimischen bosniakischen Frau erzählt, die sich bereits vor dem Krieg kannten und nun unter veränderten Bedingungen in einem Gefangenenlager wiederfinden. Darin ist er Aufseher, sie eine der Gefangenen.
Jolie scheut sich nicht, dem Zuschauer all den Schrecken des Konflikts schonungslos in brutalen Bildern aufzuzeigen. Mord, Vergewaltigungen und Demütigungen sind an der Tagesordnung, der Film will schocken, indem er uns all das aufzeigt, um uns bewusst zu machen, dass sich solch Dinge auch in der heutigen Zeit noch bei uns ereignen können. Zeitweise baut "In the Land of Blood and Honey" damit auch eine unglaublich starke Intensität und unangenehme Atmosphäre auf. Um all das auch möglichst realistisch wiederzugeben, wurde fast ausschließlich mit einheimischen Darstellern gedreht und an original Schauplätzen, die den Film authentischer wirken lassen. Eine weise Entscheidung, denn sonst hätte man der Glaubwürdigkeit des Films nur geschadet.
Regietechnisch beweist Jolie in jedem Fall Talent, technisch braucht sich ihr Film nicht zu verstecken und ist mehr als ordentlich gedreht. Für ihr Drehbuch hätte sie sich allerdings noch etwas Hilfe einholen sollen, denn mit ein wenig Feinschliff hätte der erzählerische Fluß, der hin und wieder einige Längen aufweist, sicherlich noch etwas optimiert werden können. Auch wird der ganze Konflikt, abseits des Lagers, hin und wieder etwas zu oberflächlich behandelt. Jolie schneidet zwar immer wieder diverse Probleme an, etwas mehr Tiefe hätte an mancher Stelle dem Film aber ganz gut getan.
Fazit: Angelina Jolie beweist, dass sie auch hinter der Kamera gute Arbeit leistet. "In the Land of Blood and Honey" stellt ein gelungenes Regiedebüt dar, das zwar an einigen Drehbuchschnitzern leidet, seinen Zweck aber nicht verfehlt, uns zum nachdenken anzuregen und an ein dunkles Zeitalter jüngerer Zeit zu erinnern.
Kommentare
Oha, das klingt auf jeden Fall spannend! Find ich ja klasse, dass Frau Jolie sich auch hinter der Kamera versucht UND sogar noch Drehbuch macht. Da hat sie sich vielleicht für den Anfang zwar doch etwas übernommen, aber bei dem Eifer werden wird da sicher noch einiges folgend.
Dem Film werd ich ne Chance geben. Aufgrund der Thematik wird er aber eher daheim geschaut. Schöne Kritik! :)
Hört sich ungemütlich aber gut an, aber so direkt spricht der Film mich nicht an ... mal schauen. Gut getextet!


