Kick-Ass 2010
von Sebastian Stumbek / 24.03.10 12:21 Uhr
Film Kritik
Handlung
Als absurd witziges Superheldenabenteuer bringt Regiestar Matthew Vaughn die beinharte "Kick-Ass"- Comicserie des "Wanted"-Schöpfers Mark Millar auf die Leinwand.
Fast unsichtbar in der Schule und mit einem Haufen Comics im Schrank ist Dave Lizewski (Aaron Johnson) ein völlig durchschnittlicher Teenager - zumindest bis er die Entscheidung fällt, ein Superheld zu werden. Er schlüpft in ein grünes Ganzkörperkostüm, setzt sich eine Maske mit Schlitzen für Augen und Mund auf, schnappt sich zwei Bleirohrkampfknüppel und zieht als "Kick-Ass" in den Kampf gegen das Böse. Das einzige Problem dabei ist allerdings, dass er auf seinen nächtlichen Patrouillen nicht mal ein winziges Fünkchen Superkraft zu bieten hat und sich vor Schurken in Acht nehmen muss, die etwas mehr Power aufweisen. Doch dann gelingt ihm tatsächlich sein erster großer Kampf und so wird er zum MySpace-Helden. Ebenfalls maskiert, aber schon länger mit todbringendem Ernst im Geschäft sind zwei andere "Rächer", auf die er bald darauf trifft eine unaufhaltsame 11-jährige, die ihr rasiermesserscharfes Doppelschwert als Hit Girl (Chloë Moretz) schwingt, sowie ihr panzerbrechender Vater Damon Macready (Nicolas Cage), der erbarmungslos als Big Daddy zupackt. Dazu gesellt sich mit Red Mist (Christopher Mintz-Plasse) noch ein weiterer Superheldennachahmer. Diese eigenwillige und durchaus energische Allianz bekommt es aber schnell auch mit mächtigen Feinden zu tun und wird durch die heimtückischen Machenschaften von Gangsterboss Frank D'Amico (Mark Strong) auf eine tödliche Probe gestellt.Kritik
Zwischen all den Comicverfilmungen da draussen, die alle meist auf ältere, lang bewährte Vorlagen basieren, erscheint nun eine Verfilmung, in der sowieso alles anders ist. Die Comics von Mark Miller, dessen "Wanted" allseits bekannt sein sollte, erschienen erst 2008 und sind damit noch ziemlich jung. Doch Regisseur Matthew Vaughn ("Sternwanderer", "Layer Cake") war bereits nach Erscheinen so begeistert davon, dass er den Stoff unbedingt verfilmen wollte. Die Fanbase freute sich und der Hype um "Kick-Ass" war seitdem enorm. Auch die ersten Stimmen vom South by Southwest Film Festival (SXSW) ließen auf gutes hoffen, denn die positiven Stimmen überschlugen sich dabei nur.Das Besondere an "Kick-Ass" ist die (bitterböse) humorvolle Herangehensweise an die Materie mitsamt seiner abgefahrenen Charaktere. Superhelden haben hier keine Superkräfte, sondern sind normale Menschen, die sich einfach ein Kostüm überstreifen und ihren Vorbildern wie Spider-Man oder Batman nacheifern wollen. Das das nicht so einfach läuft wie bei den Comichelden müssen die Möchtegernhelden aus "Kick-Ass" oft am eigenen Leib erfahren, für einige geht der Leichtsinn dabei oft tödlich aus, wenn sie sich beispielsweise vom Hochhaus stürzen und sich dabei auf ihre Flugkräfte verlassen. Das Besondere an der Sache ist, dass es sich, bis auf Big Daddy (Nicolas Cage), nur um Teenager oder gar Kinder handelt, die sich als Superhelden versuchen. Manch einer denkt dabei sicher, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, wenn Kinder die Hauptrollen übernehmen, doch denen sei gleich gesagt, dass dem nicht so ist! "Kick-Ass" ist nämlich verdammt brutal ausgefallen, Gliedmaßen fliegen hier durch die Luft, Körper zerplatzen und abgefeuerte Kugeln landen meistens direkt im Kopf der Zielpersonen. Daher sollte man sich nicht von seinen Hauptcharakteren täuschen lassen, gerade dieser Gegensatz ist es, der den Zuschauer immer wieder zum lachen bringen wird. Wenn beispielsweise das 13-jährige süße kleine Hit Girl auftaucht, nur im im Anschluß eine ganze Bande von Gangstern blutig abzumetzeln, das Ganze ohne jegliche Gnade und dabei noch lauter flotte Sprüche draufhat, bleibt vor Lachen kein Auge mehr trocken. Zur Action aber später mehr.
Zunächst soll die Story besprochen werden. Diese ist für sich genommen zwar recht simpel aufgebaut, doch erfüllt sie voll und ganz ihren Zweck und zeigt im Nachhinein, dass sie sogar recht clever strukturiert wurde. Mit der Thematik wird dabei stets gelungen und humorvoll umgegangen, man erhält mit der Zeit einen passenden, genretypischen Bösewicht und lehnt sich zwischendurch oft an Filme wie "Spider-Man" an, da der Hauptcharakter auch nur ein unscheinbarer Junge auf der High School ist, er sich in das coolste Mädchen der Schule verliebt, die aber nichts von ihm wissen will und er nur als Superheld an Ansehen gewinnen kann. Der Unterschied hierbei ist halt nur der, dass alles nicht immer so glatt läuft wie bei einem Peter Parker oder Bruce Wayne und dass man das Ganze immer wieder auf die Schippe nimmt. Die Dialoge sind dabei recht clever geschrieben, nehmen oft Bezug auf die großen Vorbilder und sorgen damit auch stets für gute Lacher, genau wie die Sprüche, die die Charaktere immer wieder von sich geben. Zumindest lässt sich das über die Originalversion sagen, die bei "Kick-Ass", sofern möglich, geschaut werden sollte. Wie das Ganze im Deutschen synchronisiert wirkt, lässt sich nur schwer erahnen.
"With no power comes no responsibility".
Kleines Manko an der Story ist lediglich, dass man im Mittelteil ein klein wenig an Speed verliert und den Fokus auch etwas anders hätte setzen können. Die Geschichte konzentriert sich dabei nämlich nur noch größtenteils auf Kick-Ass, die anderen Charaktere rücken in den Hintergrund, was sehr schade ist. Wenn man dann aber schon Kick-Ass in den Vordergrund rückt, möchte man auch mehr von seinen Einsätzen sehen, wie er den Menschen hilft (bzw. es versucht) oder ihn trainieren sehen etc. Stattdessen sehen wir ihn aber hauptsächlich dabei, wie er sich mit seinem Mädchen beschäftigt. Soll nicht heissen, dass das schlecht wäre oder nicht spaßig wäre, auch so hat man jede Menge zu lachen und wird gut unterhalten, doch ist dieser Part im Vergleich zum Anfangs- oder Endpart des Films einfach schwächer und hätte ruhig mit besagten Einlagen oder den anderen Charakteren noch aufgepeppt werden können.
Actionszenen gibt es nicht so viele, wie man vorher vielleicht erwartet, dafür sind diese wirklich klasse in Szene gesetzt. Während Kick-Ass und Red Mist dabei ziemlich unbeholfen aussehen und Treffer meist durch Glück landen, sind Big Daddy und vor allem das Hit Girl schon ein ganz anderes Kaliber. Soviel sei gesagt: Hit Girl dürfte schon jetzt wohl der coolste Charakter des Jahres sein, wenn nicht sogar der coolste weibliche Action-Kinderstar überhaupt! Wenn die Kleine auftaucht und mit ihren tollen Stunteinlagen anfängt ganze Gruppen von Gangstern auf brutalste Weise auszulöschen, dabei ihre Knarren, Fäuste, Tritte, Messer und Enterhaken benutzt, sieht das einfach genial aus. Oft wird das Spektakel noch in Slow-Motion gezeigt oder durch andere Spielereien, beispielsweise im Dunkeln bei nur gelegentlich aufflackerndem Licht oder per Infrarot-Brille aus der Ich-Perspektive wie in einem Ego-Shooter, was alles ziemlich gelungen ist. Man wünscht sich am Ende glatt einen Spin-Off nur mit der Kleinen (und ihrem Big Daddy). Lediglich die Musik ist dabei etwas irritierend und gar nervig. Wenn Hit Girl nämlich loslegt und dabei fröhliche Kindermusik wie vom KIKA-Kanal daher trällert, mag man sich damit nicht so recht anfreunden.
"I can't fly. But I can kick your ass".
Wie cool Hit Girl (Chloe Moretz) ist wurde ja nun bereits erwähnt. Ihr Big Daddy steht dem aber in nichts nach, die beiden haben wohl die aussergewöhnlichste Vater-Tochter Beziehung, die man gesehen hat. Nicolas Cage spielt seine Rolle dabei herrlich selbstironisch und sorgt mit seinen Sprüchen und Aktionen für jede Menge Lacher. Wenn er seine Tochter abhärten will und auf ihre kugelsichere Weste ballert oder ihr zum Geburtstag Messer schenkt ist das alleine schon so lustig anzusehen, dass das Kinoticket sich der beiden wegen schon lohnt. Christopher Mintz-Plasse, bekannt als McLovin aus "Superbad", spielt in seiner normalen Form hier fast den gleichen Charakter, was Fans sicher freuen wird. Doch leider kommt er mit der Zeit ziemlich kurz und ist aus der Heldengruppe wohl das schwächste Glied, von dem man sich mehr gewünscht hätte. Mark Strong spielt seinen Vater und zugleich den Bösewicht des Films, ganz so, wie man ihn zuletzt auch schon in "Sherlock Holmes" gesehen hat, was ihm scheinbar ganz gut steht. Aaron Johnson macht seine Sache insgesamt recht gut passt in seine Rolle als Kick-Ass bestens hinein.
Fazit: "Kick-Ass" enttäuscht nicht und liefert super Unterhaltung. Zwar ist der Film aufgrund einiger Kleinigkeiten nicht ganz der erhoffte Knaller geworden, wie von den Fanbase stets zu hören ist, doch auch so macht "Kick-Ass" großen Spass, begeistert mit abgefahrenen Ideen und Charakteren, liefert toll inszenierte Action, ist dabei verdammt brutal und sorgt mit jeder Menge Gags für gute Unterhaltung. Ein Kinogang lohnt sich also in jedem Fall!
Kommentare
Auf Kick-Ass bin ich besonders gespannt. Ich hoffe mein Freund McLovin ist wieder so lustig wie in Superbad!
Die Trailer sehen vielversprechend aus.
Wenn er mit richtigen Gangstern in Kontakt gerät möchte ich aber bitte auch Blut sehen und keinen Kinderfilm...
Liest sich auch vielversprechend...
Cage spielt also mal wieder ne "geile Rolle"?
Bin gespannt und für mich gibts eh nur OV!
Gute Kritik siBBe!
Meine Kino-Karte wird definitiv besorgt, den genau das erwarte ich von dem Film............Unterhaltung!
:)
Jo gute Kritik! Ich bin aber nach wie vor skeptisch, ob mir der Film gefallen wird. Werde wohl auch nicht ins Kino gehen...
Jaah ich freu mich schon so dermaßen auf den Start. Einer meiner Most Wanteds dieses Jahr, die Trailer waren große Klasse.


