No Country for Old Men 2007
von Haiko Kàcserik-Maczek / 27.01.08 20:33 Uhr
Film Kritik
Handlung
Zu den Coen-Brüder-Klassikern "Blood Simple" und "Fargo" gesellt sich mit "No Country for Old Men" ein weiteres Neo- Noir-Meisterwerk.
Irgendwo im öden, abgeschiedenen Texas stößt Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) beim Jagen auf eine bizarre Szenerie: an einer von der Straße abgelegenen Stelle stehen ein paar Pickup-Trucks, umgeben von mehreren Männern, die fast alle in einem Kugelhagel gestorben sind. Llewelyn findet auf der einen Ladefläche eine Riesenladung Heroin und etwas abseits einen Koffer mit zwei Millionen Dollar in Bar. Er schnappt sich das Geld und macht sich aus dem Staub. Ohne es zu ahnen, löst er damit eine Welle von Gewaltakten aus.Als Lleweyln noch einmal nachts an den Ort des Geschehens zurückkehrt, wird er plötzlich von unbekannten Männern unter Beschuss genommen und von einem zähnefletschenden Hund gejagt. Nur mit Mühe kann er seinen Verfolgern entkommen. Schnell hat er verstanden, dass er nicht einfach mal bequem mit einer großen Summe Drogengeld fliehen kann. Nicht nur Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) hat ihn im Visier, sondern auch der von den Drogenbossen angeheuerte psychotische Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) jagd Moss von einem Motel zum anderen und zieht die Schlinge um ihn immer enger, bis zur mexikanischen Grenze ...
Kritik
Die Geschehnisse von "No Country for Old Men" siedeln sich im Texas der 80er Jahren an, wo Viehdiebe seit langem das Feld für die Drogendealer geräumt haben. Cormac McCarthy, Pulitzer-Preisträger und bekannter Autor von außergewöhnlichen Geschichten über den sich veränderten amerikanischen Westen, lieferte den Coen-Brüdern die Buchvorlage für diese ungestüme Verfolgungsjagd. Dabei verstehen es die Brüder zu unterhalten, wie seit langem nicht mehr. Im Mittelpunkt des düsteren Stoffes steht der aufrechte Mosh, verkörpert von Josh Brolin, der im texanischen Nirgendwo menschlicher Grundprinzipien gegenübersteht. Für ihn geht es in einem seelenlosen Amerika um Richtig und Falsch, Versuchung und Ehre. Er hat die Wahl, einen blutenden, bald sterbenden Mann, ein Schluck Wasser zu bringen oder sich an einer Unsumme an Geld zu vergreifen. Er wählt zunächst das schnelle Geld – wer hätte das nicht getan? – begeht aber später den folgenschwersten Fehler seines Lebens. Durch geplagte Selbstzweifel kommt er an den Ort des Geschehens zurück und bietet somit Angriffsfläche für den Zorn der Dealer, doch gerade dieses Wagnis gestaltet Mosh menschlich und lässt Spielraum für Identifikationen. Er liebt seine Frau Carla Jean, gespielt von Kelly Macdonald, möchte einfach nur ein besseres, gemeinsames Leben mit ihr haben und glücklich werden. Das ist das Ziel, das ihn vorantreibt.Der gefeierte spanische Schauspieler Javier Bardem agiert als Antagonist Chigurh, ein eiskalter unnahbarer Schurke, der das Herz der Drogenwelt verkörpert. Er macht sich auf, Mosh zu finden und zu töten. In seinem Wahnsinn beseitigt das Monster auf seiner Mission alle ihm im Weg stehenden Menschen mit einer ungeheuerlichen Brutalität. Er lässt sein Opfer vorher aus dem Auto aussteigen, bevor er ihm in den Kopf schießt, damit der Innenraum des Autos nicht von Blut- und Gehirnspritzern befleckt wird. Ohnehin steht er vor seinen Opfern wie ein Wesen von einem anderen Planeten. Er spielt gerne Spielchen, wirft eine Münze. Die Wahl "Kopf oder Zahl" könnte dein Leben retten, es sei denn du verärgerst ihn. Die Dialogsequenzen Bardems wird man nicht wieder so schnell vergessen, doch leider bleibt er durch seine geheimnisvolle Aura und seinem fehlenden Hintergrund etwas Gesichtslos.
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist der stoische, philosophierende Gesetzeshüter Bell, gemimt von Tommy Lee Jones, der mit seinen felsenfesten moralischen Grundsätzen eine ehrenhaftere Lebensweise früherer Zeiten verkörpert. In einer "schönen neuen Zeit" überzog eine neue Generation von Kriminellen das von ihm so geliebte Land. Die zunehmende Gewalt gibt ihm Anlass zum Reflektieren. Er muss zugeben, dass Desillusionierung und Enttäuschung als Reaktion auf die sinnlose Bekämpfung dieser Straffälligen unverträglich sind. Bells Sichtweise auf den Lauf der Dinge, von seinen Ansichten über das Älterwerden und dem Wandel der Zeiten katapultiert diesen Film in die brutale Gegenwart, wo eine riesige Gewaltwelle die heutige Welt zu überrollen droht.
Der geistreich-düstere Witz und die umfassende Menschlichkeit von McCarthys Figuren betonen den viel sagenden Austausch zwischen unserer Hauptfigur und den beiden antithetischen Männern, die ihm auf den Versen sind: auf der einen Seite der eiskalte Psychopath Chigurh, auf der anderen der zutiefst ehrliche Sheriff Bell. Die kraftvolle Geschichte über Gewalt ist zugleich eine provokative Reflexion über Gut und Böse im modernen Westen, der zu einem weitaus gewalttätigeren und gesetzloseren Ort geworden ist, als es der mythische, ehemalige Wilde Westen jemals war. Obwohl die Story linear verläuft, ist allein schon die Erzählstruktur unglaublich. Das perfekt agierende Trio aus Moss, Chigurh und Bell wirkt eigentlich so als sei eine einzige Person in drei aufgespalten.
Im rasanten Tempo und dem einer schwarzen Komödie ebenbürtigen Ton greift der Film aussagekräftige Themenkreise aus McCarthys Romanen auf. Im Zentrum des Films steht das drohende Ende eines gesamten Lebensstils im Westen und somit das letzte Aufbäumen von Ehre und Gerechtigkeit angesichts einer gebrochenen Welt. Tommy Lee Jones verkörpert den anhaltenden menschlichen Kampf gegen das Übel und Brolin muss der Verzahnung von Versuchung, Überlebenswillen und Opferbereitschaft bestehen. Die Oscar-reifen schauspielerischen Leistungen des Trios und die Portion des Lebenselixiers Liebe lenken vom zu abrupten Ende ab und lassen dennoch "No Country for Old Men" zu meinem bisherigen Favoriten für die diesjährige Oscarverleihung werden.
Kommentare
Sehr guter Film! Schauspielerisch absolut Top! Vor allem Josh Brolin und Javier Bardem. Bardem war außerdem einer der wohl coolsten Bösewichter den man so je gesehen hat. Schöne Aufnahmen, ruhiger Erzählstil, hier und da ein wenig schwarzer Humor, coole Dialoge und vor allem hat der Film eine verdammt gut gelungene Atmosphäre, wie sie sonst selten Filme hinkriegen. Sehr spannend gemacht und nun kommt das ABER: Ich hatte ein kleines Problem mit dem Ende. Werde nix verraten, das Ende hätte man aber anders machen sollen, wer ihn gesehen hat wird schon wissen was ich meine. Trotzdem, unbedingt anschauen, von mir 5 bis 5.5/6 Sterne
die geburt eines modernen klassikers. perfekt durchdacht und realisiert bis ins kleinste detail. SO müssen filme gemacht sein. eine staubtrocken rauhe atmosphäre, eine kamera die gemälde auf die leinwand zaubert, superbe darsteller und der typisch trockene coen brothers humor kommt hier auch nicht zu kurz. einer der BESTEN filme der letzten jahre. zu recht mit OSCARS und preisen überhäuft.
@siBBe: das ende ist genauso wie im buch von cormac mccarthy (the road). ich finde ein anderes ende wäre erst recht ärgerlich gewesen.
Wieder top arbeit von den Coens, war leider einer der wenigen im Kino die den gut fanden.
Die haben ja alle keine Ahnung!
Anfangs war ich wenig begeistert vom Film, da mir der Look nicht so zusagte, ABER als ich ihn dann gesehen hatte, muss ich geschehen das er einfach Top ist...Schauspielerisch auf einen ganz hohen Level...tolle Story...
Absolut geiler Film... dem Comment von Filmi ist wie so oft nix hinzuzufügen!
call it friendo!
ps. SERF hat hier fünf Sterne gegeben, Transformers 2 sechs Sterne :D
sibbe das ende hast du ganz klar nicht verstanden kenne jetzt nicht das buch aber ist auch nicht wichtig


