Our Idiot Brother 2011
von Anne Facompré / 02.02.12 19:48 Uhr
Film Kritik
90
Länder
USA
Genres
Komödie, Drama
Kinostart
17.05.2012
Handlung
Hippie Ned Rochlin (Paul Rudd) ist einfach zu gut für diese Welt. Da verkauft er aus lauter Menschenliebe einem uniformierten Polizisten Haschisch – und was ist der Dank? Er landet im Knast. Seine Freundin Janet (Kathryn Hahn) behandelt ihn auch nicht besser. Nach gemütlichen Jahren auf ihrem Biobauernhof setzt sie Ned kaltschnäuzig vor die Tür und behält sogar seinen geliebten Hund. So viel Undank ist der Arme einfach nicht gewöhnt. Er flüchtet zu seiner Mutter (Shirley Knight) nach Long Island.
Beim wöchentlichen Familiendinner zeigen seine Schwestern Liz (Emily Mortimer), Miranda (Elizabeth Banks) und Natalie (Zooey Deschanel) viel Mitgefühl, können es sich aber auch nicht verkneifen, den Unglücksraben aufzuziehen. Der Spaß hat ein Ende, als Ned bei Liz eine Ehekrise auslöst und auch das scheinbar geordnete Leben von Miranda und Natalie auf den Kopf stellt. So viel Arglosigkeit und bedingungslose Ehrlichkeit vertragen die Beziehungen seiner Schwestern und ihrer Freunde einfach nicht. Der Bruder wird von Liz über Miranda an Natalie weitergereicht und stürzt ihr Leben wieder und wieder ins Chaos. Und Bruder Ned ist natürlich an allem schuld...Kritik
Paul Rudd hat sich in den letzten zehn Jahren als gefragter Comedy Darsteller einen Namen gemacht. Von seiner Rolle als Mike in der Erfolgsserie "Friends", über "Jungfrau, männlich, 40 sucht..." und "Beim ersten Mal" bis hin zu "Dinner für Spinner" hat das Publikum ihm gerne und lächelnd zugesehen. Allerdings verkörperte Rudd hier meist den 'normaleren', gut aussehenden Part, neben Schauspielern wie Seth Rogen und Steve Carrell, auf deren Rechnung die meisten Lacher gingen. In "Our Idiot Brother" bekommen wir Rudd einmal erfrischend anders zu sehen: als alt-Hippie Ned mit Vollbart und Schlabberklamotten ist er nicht nur mehr als liebenswert, sondern auch wunderbar komisch.
Ned ist durchweg ehrlich, das Konzept der Lüge scheint ihm völlig fremd zu sein, stattdessen trägt er das Herz auf der Zunge und will immer und überall behilflich sein. Das geht sogar soweit, dass er einem uniformierten Polizisten auf dem Markt Gras verkauft, nachdem dieser ihn darum gebeten hat. Dass dies keine guten Folgen für Ned haben kann, liegt auf der Hand. Und so kommt der kauzige Hippie für 8 Monate hinter Gitter. Als er wieder entlassen wird und zurück auf den Biobauernhof kommt, muss er feststellen, dass seine Freundin Janet (Kathryn Hahn) ihn nicht nur nicht mehr haben will, auch seinen heißgeliebten Hund 'Willie Nelson' rückt sie nicht raus. Ziel- und obdachlos bleibt Ned nichts anderes übrig, als zurück nach Hause zu ziehen und so stellt er nach und nach das Leben seiner gesamten Familie auf den Kopf...
Wenn man Ned mit seiner gutgläubigen Art durch die Welt stolpern sieht, fällt es schwer, ihn nicht gern zu haben. Paul Rudd spielt den leicht trotteligen Hundeliebhaber vorzüglich und hat die Lacher konsequent auf seiner Seite. Das Angenehme hierbei ist, dass der Zuschauer sich dennoch nicht zwangsläufig über ihn lustig macht. Eher ist es so, dass man zwar zum Lachen animiert wird, sich Ned aber nie erhaben fühlt. Jedoch fällt es auch nicht schwer, sich in Neds drei Schwestern herein zu versetzen, die er mit seiner kindlichen Art zur Weißglut treibt.
Da wären Miranda (Elizabeth Banks), die hochambitionierte Karriefrau, der Ned ganz zufällig wichtige Informationen für einen von ihr zu schreibenden Artikel zukommen lässt und sie daraufhin dennoch fast den Job kostet. Und die hippe und bisexuelle Nat (Zooey Deschanel), die wenig begeistert ist, als der tölpelhafte Bruder sie fast um ihre Beziehung bringt. Liz (Emily Mortimer) und Ehemann Dylan (Steve Coogan) hingegen machen sich vorrangig Sorgen um Neds Einfluss auf ihren Sohn River (Matthew Mindler) mit dem er gerne Kampfvideos auf YouTube schaut.
Im Bezug auf die Schwestern werden zwar alle Hollywood-üblichen Klischees ausgeschöpft, von der ungewollten Schwangerschaft über Untreue bis hin zu Problemen im Job, aber der Film wird trotz teilweise voraussehbaren Lachern nie langweilig. Alle Darsteller brillieren in ihren Parts, wenn bei den Nebendarstellern auch manchmal das Gefühl aufkommt, dass sie im Gegensatz zu Ned oberflächlich konzipiert sind und jede ihr eigenes Klischee vertritt. Nat, die wilde Schwester auf dem Selbstfindungstrip, Liz diejenige, die sich im Familienalltag verloren und sich gehen lassen hat, Miranda die bedingungslose Karrierefrau und Janet die herbe Biobäuerin mit Dreadlocks. Allerdings führt dies auch dazu, dass besonders viele Gegensätze aufeinandertreffen und für ausreichend Lacher gesorgt ist. Auch braucht man hier keine tiefen Charakterstudien und es ist durchaus so, dass die Nebendarsteller den Film gut ausstaffieren. Steve Coogan als trockener englischer Ehemann ist herrlich unsympathisch und Kathryn Hahn als alternative Bäuerin ist einmal so ganz und gar nicht das Mauerblümchen, welches sie sonst gerne spielt.
Obwohl "Our Idiot Brother" mit vielen herzhaften Lachern trumpfen kann, sind diese dennoch weitaus weniger flach als in anderen Komödien à la "Hangover" oder "Stichtag". Stattdessen liefert Regisseur Jesse Peretz einen Film, der zwar alles andere als schwer, aber dennoch mehr als nur eine seichte Komödie ist. Neds naives Handeln regt nämlich hier und dort durchaus zur Selbstreflexion ein und eigentlich ist er alles andere als ein 'Idiot'. Stattdessen ist es so, dass Ned theoretisch alles richtig macht und dass unsere Welt nur zu wenig Platz für seine idealistischen Werte bietet.
Nebst der gut ausgearbeiteten Dialoge und der sehenswerten Darbietung der Schauspieler, hat der Film auch noch einen netten Soundtrack zu bieten, welcher Country Fans und Anhänger der Hippie Zeit freudig stimmen dürfte.
Fazit: Eine Komödie, die einem nicht nur zum Lachen bringt, sondern auch menschlich bewegt und mit einer idealen Besetzung überzeugt.


