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Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten 2011

Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
von Sebastian Stumbek / 15.05.11 00:01 Uhr


Film Kritik

Länder
Genres
Kinostart
19.05.2011

Handlung

Der vierte Teil zu "Pirates of the Caribbean".

Als sich Jack Sparrows (Johnny Depp) Wege mit einer Frau aus seiner Vergangenheit kreuzen, hat ihn die attraktiveAngelica (Penelope Cruz) schnell am Haken. Doch ist die Verführerin vielleicht eine Verräterin und gar nicht hinter ihm, sondern hinter etwas anderem her? Die Antwort bekommt Jack Sparrow auf dem Schiff des gefürchteten Piraten Blackbeard (Ian McShane), das Kurs auf ein atemberaubendes  Abenteuer nimmt. Auf der Suche nach der legendären Quelle der Jugend stößt Captain Jack Sparrow auf anmutige Meerjungfrauen, aber auch auf gefährliche Zombies, skrupellose Halsabschneider und seinen alten Rivalen Barbossa (Geoffrey Rush). Es wird eine Reise ins Ungewisse, auf der Jack nicht einschätzen kann, wen er mehr fürchten soll – Captain Blackbeard oder Angelica...

Kritik

Vier Jahre sind mittlerweile vergangen, seit wir Captain Jack Sparrow das letzte mal auf der Leinwand gesehen haben. Eigentlich sollte die Trilogie damit entgültig abgeschlossen sein, doch aufgrund des großen Erfolgs entschied sich das Studio schnell um. Der dritte Teil konnte finanziell zwar nicht ganz an den zweiten Teil anknüpfen, der zuvor so ziemlich alle Rekorde brach und mit 1.06 Milliarden Dollar der seinerzeit 3. erfolgreichste Film aller Zeiten wurde, doch auch der dritte Teil spielte mit 963 Millionen Dollar eine riesen Summe ein und wurde seinerzeit der 5. erfolgreichste Film aller Zeiten. Das Franchise bietet ohnehin genug Stoff für zahlreiche weitere Abenteuer, also warum den Leuten nicht das geben, was sie wollen?

Allerdings führt nun Gore Verbinski erstmals nicht mehr die Regie sondern gab den Posten aus Zeitgründen an Rob Marshall ab. Marshall hatte mit dem oscarprämierten "Chicago" seine Glanzzeit erlebt, mit "Die Geisha" eine schöne Buchverfilmung geliefert und zuletzt mit dem Musical "Nine" enttäuscht. Mit "Pirates of the Caribbean" begiebt er sich nun auf völliges Neuland, zurecht war die Fangemeinde angesichts dessen skeptisch. Doch die Besorgnis legte sich schnell wieder als klar war, dass das alte Team wieder mitwirkte, Jerry Bruckheimer wieder als Produzent dabei war und sogar Hans Zimmer wieder die Musik übernahm. Lediglich Orlando Bloom und Keira Knightley wurden aus dem Projekt gestrichen – für die einen schade, für die anderen wohl erfreulich. Auch der erste Trailer ließ gutes erahnen. Allen, denen Teil 2 und 3 zu kunterbunt geraten sind, versprach der Trailer stilistisch wieder back to the roots zurückzukehren. Ist das Vorhaben auch tatsächlich gelungen, die Pirates Reihe, die ein wenig vom Kurs abgekommen ist, wieder auf geordnete Bahnen zu lenken?

Wer sich nicht mehr an die Geschichte der Vorgänger erinnert, braucht sich keine Sorgen zu machen. Zwar knüpft der vierte Teil mit der bereits am Ende des dritten Teils angedeuteten Suche nach dem Jungbrunnen direkt an, doch wurden alle Nebenstränge abgeschlossen, so dass der vierte Teil eine neue Geschichte erzählt und einen frischen Start hinlegt. Für Fans gibt es natürlich nach wie vor immer wieder mal Querverweise auf Bekanntes und alte Charaktere tauchen auch hier und da auf, so dass es natürlich viel mehr Spaß macht, wenn man sich im Franchise auskennt, dennoch ist die Geschichte auch für einen Neuling zu verstehen.

Schade aber, dass die Geschichte nicht wirklich vom Hocker haut und sich als etwas zu simpel entpuppt. Das liegt daran, dass sie etwas zu sehr vor sich hindümpelt ohne dabei richtig in Fahrt zu kommen und ganz besonders daran, dass es ihr an epischer Breite fehlt. Man kann über die Vorgänger ja sagen was man will, viele mochten den zweiten oder dritten Teil bekanntlich weniger, dennoch waren sie verdammt episch ausgelegt, die Geschichte fühlte sich groß an, ebenso das Abenteuer, das es zu bestreiten galt. Es gab große Schlachten, viele Keaturen und abgedrehte Charaktere, Kämpfe auf See und Reisen bis an die entferntesten Orte der Welt. Genau das will man sehen, wenn man sich einen neuen "Pirates of the Caribbean" Film anschaut.  All das gibt es hier aber nicht. Im Trailer werden Meerjungfrauen und Zombies versprochen, letzendlich bekommt es die Crew aber auch wirklich nur mit den Meerjungfrauen zu tun, mehr Kreaturen oder Gegner gibt es hier einfach nicht. Die Zombies, die man erwartete, entpuppen sich als unwichtige Nebensache die kaum eine Erwähnung verdient. Klingt wenig, genau so fühlt es sich leider auch an. Eigentlich auch ziemlich unverschämt so hinters Licht geführt worden zu sein. Bestritten wird diesmal nur ein kleines Piratenabenteuer, das durchaus auch hin und wieder seine netten Momente zu bieten hat, was vor allem seinem tollen Hauptdarsteller zu verdanken ist, aber insgesamt doch ein unbefriedigendes Gefühl zurück lässt. Man wurde von der vorigen Trilogie einfach zu sehr verwöhnt und ist Abenteuer ganz anderer Dimensionen gewöhnt.

Dabei fängt "Fremde Gezeiten" verdammt gut an. Wir erleben einen Captain Jack Sparrow ganz so, wie wir ihn kennen und lieben, wie er gleich in ein Schlamassel gerät und wieder daraus zu kommen versucht. Das ganze gespickt mit jeder Menge gutem Humor und dem Wiedersehen einiger bekannter Charaktere, dazu die altbekannte Melodie, was will das Fanherz mehr?

Nach dem gelungenen Auftakt wird das Tempo etwas zurückgeschraubt und die Geschichte kommt, wie bereits beschrieben, etwas langsamer voran, ohne dabei wirkliche Highlights bieten zu können. Das traurige ist, selbst nach dem Film mögen einem nicht so recht wirkliche Highlights einfallen. Denkt man an die alte Trilogie, so fallen einem zig Momente ein, die einem noch bis heute im Gedächtnis haften geblieben sind. Von "Fremde Gezeiten" bleibt allerdings nicht sehr viel hängen.

Auch nervig ist, dass vieles in der Geschichte einfach zufallsbedingt ist. Näher darauf einzugehen würde zu viel verraten, aber die Story entwickelt sich häufig allein aus Zufällen heraus weiter, ein Zeichen dafür, dass den Schreibern möglicherweise nichts besseres eingefallen ist.

Eine große Stärke der Reihe sind natürlich all die Charaktere, die man über die Jahre hinweg liebgewonnen hat und die immer wieder auftauchten. Einige von ihnen sind auch hier wieder dabei, darunter beispielsweise Barbossa, Jacks Vater Captain Teague oder Gibbs, was Fans der Reihe natürlich freuen wird. Doch vermisst man trotzdem den ganzen Rest, der die Reihe bislang ausgemacht hat. Ob man Will Turner und Elisabeth Swan (Orlando Bloom und Keira Knightley) nun mochte oder nicht, wird wohl jeder anders sehen, ich für meinen Teil sehe die beiden als wichtigen Bestandteil der Reihe, die hier einfach gefehlt haben. Ebenso einige weiterer Crewmitglieder, die einfach zur Reihe dazugehörten. Da jeder diesen Punkt aber wahrscheinlich anders empfinden wird, soll er an dieser Stelle auch nicht weiter ins Gewicht fallen und etwas an der Bewertung verändern, trotzdem aber wenigstens Erwähnung finden.

Was aber ins Gewicht fällt ist, dass die Charaktere, die man nun hinzugefügt hat, nicht optimal eingesetzt wurden. Penélope Cruz ist eine fantastische Schauspielerin, auch in "Fremde Gezeiten" spielt sie ihre Rolle gewohnt souverän. Allerdings bleibt ihre Rolle auf Dauer ein wenig blass, wofür sie selbst nichts kann, sondern die Drehbuchautoren, die ihr einfach keinen interessanteren Part geschrieben haben. Sie spielt die rassige, temperamentvolle Angelica, optisch passt dabei auch alles wunderbar, auch den nötigen Charme bringt Cruz von Hause aus mit, doch bringt ihre Rolle der Geschichte nicht sonderlich viel, der Film hätte theoretisch auch ohne sie funktionieren können. Da war die Rolle einer Elizabeth Turner einfach ein viel wichtigerer Bestandteil der Reihe. Geoffrey Rush spielt wie immer großartig, ihn wieder als Barbossa zu sehen ist mehr als erfreulich. Vor allem in der Originalversion macht es besonders viel Spaß ihn zu erleben, wenn er mit seinem Akzent zu spielen beginnt (gilt übrigens auch für die anderen Schauspieler, vor allem Johnny Depp und Penélope Cruz, die sich in der Originalversion einfach besser anhören). Barbossa gerät innerhalb des vierten Teils leider aber auch zur Nebenfigur, besser eingesetzt wurde er ganz klar in der Vergangenheit, wo er noch eine mächtige Figur darstellte, die im neuesten Abenteuer immer nur nebenbei aufgegriffen wird und fast schon so unwichtig ist, dass man sie auch ganz hätte rauslassen können. Schade!

Neu dabei ist übrigens Ian McShane, der hier den neuen bösen Captain Blackbeard spielt. McShane besitzt eine Menge Präsenz, wenn er die Leinwand betritt ist das deutlich spürbar, optisch passt er sich  perfekt dem Piratenambiente an. Doch auch er wird auf Dauer, Drehbuch sei dank, leider zu sehr vernachlässigt und besitzt dadurch nicht die Wucht eines Bösewichts, die damals noch ein Davy Jones oder ein Barbossa hinterlassen haben. Keith Richards wusste schon im dritten Teil als Jacks Vater zu gefallen, hier bekommt er auch wieder einen kleinen Auftritt, allerdings auch nur in einer Szene, die, wie oben beschrieben, zu den zufallsbedingten Dingen der Geschichte gehört. Wer übrigens ganz genau aufpasst, darf sich auch auf einen ganz kurzen Cameo von Judi Dench freuen. 

Gekostet hat Fremde Gezeiten insgesamt rund 200 Millionen Dollar. Das ist etwas weniger Budget als bei den beiden Vorgängern, trotzdem nach wie vor eine gigantische Summe. Allerdings fragt man sich nach dem Film, ob das Geld nur auf Depps Konto geflossen ist, denn in den Film hat man scheinbar nicht viel davon reingepumpt. Ein Animationsfeuerwerk wie in der Trilogie zuvor gibt es nämlich gar nicht, wenn man hier von wenigen Szenen absieht. Die Vorgänger, vor allem die beiden letzten, waren da das pure Gegenteil mit all den Kreaturen, fantastischen Set-Orten oder den groß inszenierten Actionszenen. Auch der erste Teil, in dem es verhältnismässig noch ruhiger zuging, spielt da in einer ganz anderen Liga. Da "Fremde Gezeiten" all das nicht besitzt, bzw. nur in kleinen Ausmaßen, bleibt nur Unverständnis übrig. Rob Marshall war übrigens noch so dreist gefühlte drei Viertel des Films bei Nebel und Nacht anzusiedeln, so dass man ohnehin kaum was erkennen kann. Dadurch lässt sich natürlich auch eine Menge einsparen, wenn man sich keine Sorgen machen muss, das Drumherum zu animieren, man würde es ja eh nicht erkennen. Auf Dauer nervt die ewige Dunkelheit tierisch.

Die 3D Effekte sind technisch gut gelungen, ob sie denn aber nötig waren ist eine andere Frage. Hin und wieder gibt es Szenen, wo dem Zuschauer mal etwas entgegenfliegt, diese lassen sich aber auch an einer Hand abzählen. "Fremde Gezeiten" macht in 2D sicherlich nicht weniger Spaß. Wahrscheinlich ist die 2D-Version sogar mehr zu empfehlen, denn durch die 3D-Brille wird der Film, der ohnehin schon viel zu dunkel geraten ist, noch dunkler. 

All die Epik, die hier vermisst wird, wird einzig und allein von Hans Zimmer erzeugt. Sein Soundtrack ist wie immer fantastisch geworden, stets ertönen epische Klänge, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass der Film selbst da nicht mithalten kann. Unterstützung erhielt er dabei vom Duo Rodrigo und Gabriela, die mit ihrer Gitarrenmusik das Ganze noch mit einer Menge südländischem Touch versehen.   

Nach den Credits sollte man übrigens, ganz in Tradition der alten Trilogie, sitzenbleiben, denn ganz am Schluss bekommt man noch eine zusätzliche Szene zu sehen, die einen kleinen Hinweis auf den nächsten Teil gibt. Eine Fortsetzung ist übrigens schon beschlossene Sache, wobei es sicherlich nicht nur bei dieser einen bleiben wird, sollten die Filme weiterhin ordentlich Geld in die Kassen spielen. 

Fazit:  Auch wenn es nach dieser Kritik nicht ganz danach klingen mag, "Fremde Gezeiten" ist an sich kein schlechter Film, aber eben leider auch kein guter. Als Fan der Reihe schmerzt das Herz angesichts dessen, was aus "Pirates of the Caribbean" geworden ist, der Regiewechsel ist also keinesfalls aufgegangen, das Projekt scheint Rob Marshall einfach eine Nummer zu groß gewesen zu sein. Ein gut aufgelegter Johnny Depp weiss aber natürlich nach wie vor zu unterhalten, an seiner Rolle hat sich glücklicherweise nichts geändert, immernoch verbucht er jede Menge Lacher für sich und rettet "Fremde Gezeiten" somit vor dem Untergang. Würde "Fremde Gezeiten" nicht zur "Pirates of the Caribbean" Reihe gehören, sondern wäre ein eigenständiges Projekt, würde die Kritik wohl weniger streng ausfallen, denn gewissermassen ist der Film natürlich immer noch unterhaltsam. Doch im Direktvergleich zu der gesamten Trilogie hinkt das neue Abenteuer einfach weit hinterher, sei es das schwächelnde Drehbuch, die fehlenden liebgewonnenen Charaktere bzw. die neuen, die nicht immer optimal eingesetzt wurden, die weniger spektakuläre Action, die fehlende epische Breite oder all die tollen, effektgewaltigen Einfälle in Sachen Kreaturdesign, Setdesign etc., die es hier nun nicht mehr gibt, "Fremde Zeiten" ist nur noch "Pirates of the Caribbean Light". Somit gibt es für einen eingefleischten Fan natürlich auch eine ganze Menge zu meckern, wie anhand des langen Textes unschwer zu erkennen ist. Doch als solcher freut man sich natürlich auch über die positiven Dinge, die zwar nicht zahlreich vertreten waren, aber immerhin ausreichen, dass "Fremde Gezeiten" noch mit einem blauen Auge davon kommt - wobei das sicherlich auch einfach der Restsympathie zum Franchise zu verdanken ist. Ob der Regiewechsel sich nun gelohnt hat oder nicht, soll einfach jeder für sich selbst entscheiden. Unsere Meinung dazu lautet eindeutig: Nein.

Kommentare


Fairelane
21.12.09 22:00 Uhr

Hab' ich da was nicht mitbekommen? Und geil, einer hat den Film schon bewertet.... lol....


duffman
24.12.09 17:03 Uhr

Mir ist da wohl auch was entgangen. Das ein vierter Teil kommen soll wusste ich zwar, aber der Titel ist mir neu, ist der bestätigt?


albiedo
17.11.10 10:38 Uhr

Der Titel ist schon richtig. “Pirates Of The Caribbean – On stranger Tides” wird auf Deutsch “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” heißen.


FXF
FXF
13.12.10 09:39 Uhr

Zwei haben ihn sogar bewertet, eindeutig Zeitreisen. Gel Hochies


OnealRedux
14.12.10 16:54 Uhr

Ich bleibe dabei, diesen Film braucht niemand. Schon Teil 2 und 3, kamen nicht mehr an den glorreichen ersten heran. Hier wird das auch so sein. Für ein wenig Abenteuer-Spaß, wird es aber wohl reichen.


Kolossia
28.01.11 14:03 Uhr

Also ich muss schon sagen das der englische Title mir besser gefällt als der deutsche.Title. Aber der Film wird cool, wenn ich das Interview von Jack Sparrow (Johnny Depp) richtig verstanden habe. Find es nur schade das Orlando Bloom ned mehr dabei sein wird :(


Freeman
49
13.05.11 18:13 Uhr

Uhaaaaa silab vergibt nur 0,5 Sterne!!! Was is denn da los? So übel? :D


Gambit
14.05.11 21:28 Uhr

Ich hoffe auf min... 4/6 :D


bogi86
65
15.05.11 00:28 Uhr

Na los, ladet schon hoch .. schon halb 1 gleich!


bogi86
65
15.05.11 00:29 Uhr

oha, 3 Bewertungen mit nur 3,2? :-O