Handlung
"Was ist dein Lieblingshorrorfilm?" Mit einem Anruf und einer Stimme, die man nie mehr vergisst, begann die grausame Mordserie in Woodsboro.
Fünfzehn Jahre liegen die Woodsboro Morde mittlerweile zurück und Sidney Prescott (Neve Campbell) hat seitdem ihre Heimatstadt nicht mehr besucht. Ihre Erlebnisse hat sie in einem Buch verarbeitet und das ist es auch was sie schließlich wieder zurück nach Hause führt. Ausgerechnet am Jahrestag des Massakers von damals ist das verschlafene Städtchen der letzte Abstecher auf ihrer Werbetour für den Bestseller.
In Woodsboro leben auch der mittlerweile zum Sheriff aufgestiegene Dewey Riley (David Arquette) und seine Frau, die frühere Journalistin Gale (Courteney Cox) sowie Sidneys Tante Kate (Mary McDonnell), ihre Nichte Jill (Emma Roberts) und deren beste Freudin Kirby (Hayden Panettiere).
Sidneys Ankunft ruft schon bald einen alten Bekannten auf den Plan, den die meisten in der Stadt nur noch als blutigen Mythos oder iPhone-App kennen: der Ghostface Killer ist zurück. Während Gale den Fall unbedingt lösen will, um ihre einstige Karriere wiederaufleben zu lassen, beginnt in Jills Freundeskreis das große Sterben. Denn sein Lieblingsopfer Sidney will der Mörder sich bis ganz zum Schluss aufbewahren.
Kritik
Schon kurz nach
"Scream 3" wurden Stimmen laut, die sich eine weitere Fortsetzung wünschten und obwohl es in den den letzten Jahren immer wieder ein paar Meldungen zu diesem Thema gab tat sich nichts, primär weil Hauptdarstellerin
Neve Campbell an einem weiteren 'Schrei' nicht interessiert war. Deshalb schwenkten die Pläne langsam in Richtung Remake um.
Das änderte sich glücklicherweise 2010 als
Kevin Williamson, der Hauptautor der Trilogie, sein neues Drehbuch vorstellte und somit den Weg für eine Weitererzählung der Horrorthriller Reihe ebnete und Produzent
Weinstein ein altbekanntes Team um sich versammelte. Von
Peter Deming hinter der Kamera über
Wes Craven, der erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm, bis hin zu den bekannten Darstellern Campbell,
Courteney Cox und
David Arquette in den Hauptrollen, waren alle wieder mit von der Partie, so dass die Dreharbeiten beginnen konnten.
Während der Produktion geriet der Film dann plötzlich ins Straucheln, als er mit zahlreichen Verlusten und Problemen zu kämpfen hatte. Zuerst musste Autor Williamson wegen seines
"The Vampire Diaries" Engagements die finale Fertigstellung des Drehbuchs an
Ehren Kruger übergeben und dann stieg vier Tage vor Drehbeginn auch noch
Kate Darstellerin
Lauren Graham aus - für sie übernahm die Oscar-nominierte
Mary McDonnell. Als dann auch noch das Ende der Ehe von Courteney Cox und David Arquette bekannt gegeben wurde, machte sich in der Fangemeinde, also auch in mir, ein sorgenvolles Gefühl breit.
Ein Gefühl, das, um die Katze aus dem Sack zu lassen, sich in keiner Weise bestätigte, da Regisseur Wes Craven alle Fehler, die er mit der Fortsetzung hätte machen können umgangen hat. Er hat einen Film für die Fans abgeliefert hat, der qualitätsmäßig ohne Bedenken im gleichen Atemzug mit dem ersten Teil der Reihe genannt werden kann.
Aber lasst mich diese Aussage genauer erläutern. Hierzu eine Warnung: Wer die vorigen Teile nicht gesehen hat und dies noch vor hat, der überspringt am besten den nächsten Absatz. Keine Angst, die Auflösung des aktuellen Films werde ich nicht verraten, denn das wäre das Gemeinste was ein Kritiker tun könnte.
Als sich im dritten Teil von Scream herausgestellt hatte dass es Sidneys unbekannter Bruder war, der das ganze Grauen heraufbeschworen hat, nachdem er von seiner eigenen Mutter weggeschickt wurde, hatte die Geschichte ihr logisches und perfektes Ende gefunden. Worauf sollte "Scream 4" also aufbauen? Das war die große Frage die nicht nur mich beschäftigte. Diese Frage ist jetzt beantwortet und es ist eine großartige Auflösung, die so schockierend logisch und konsequent daherkommt, wie ich es nicht erwartet hätte.
"Scream 4" ist gleichermaßen Fortsetzung, Remake und Neuinterpretation. Indem mit der Figur Jill und ihren Freunden eine ganze Gruppe neuer junger Personen eingeführt wird, kommt der Film dem ersten Teil thematisch am Nächsten. Wieder sind es Teenager, die von einem Mörder systematisch abgeschlachtet werden. Und wieder sind diese Teenager ausgebuffte Horrorfilmliebhaber, die über die Regeln von solchen Filmen sprechen und dem Killer doch, obwohl sie sich scheinbar richtig verhalten, nicht entkommen können.
Der neuen Generation setzt der Film die ältere Generation der Überlebenden von damals gegenüber und punktet dabei überraschenderweise mit reichlich Gesellschaftskritik. Etwa wenn Gale sich ob der neuen Medien wie
Facebook oder Blogger Berichtserstattungen nicht mehr up-to-date fühlt und einen Pakt mit den jugendlichen Möchtegern-Journalisten schließt, um sie für ihre Zwecke auszunutzen und sich ungewollte damit wieder ins Visier des Killers begibt. Wenn Sidneys Publizistin in Euphorie verfällt, weil die neuen Morde riesige Absätze für die Buchverkäufe garantieren oder wenn die Jugendlichen im Klassenzimmer per SMS von den Morden erfahren, dann wird klar, dass die
"Scream"-Reihe im Heute angekommen ist.
Die Sicht auf die mörderischen Ereignisse werden stets von zwei Seiten erzählt. Zum einen aus Sicht der unbekümmerten Teenager und zum anderen aus Sicht der sorgenvollen Erwachsenen. Jill, ihr Ex-Freund Trevor, die quirlige Kirby und die beiden Blogger Charlie und Robbie sind im Angesicht der Morde nur für den Moment geschockt, um im Nächsten dann aber wieder gemeinsam Horrorfilme zu gucken; genauso wie einst die Jugendlichen im ersten Teil der Reihe reagiert hatten.
Den wahren Horror, der sich ereignet kann man lange eigentlich nur in Sidneys Gesicht ablesen, als ihr klar wird dass sie der Vergangenheit noch nicht entkommen ist und sie von Ghostface in ein Spiel verwickelt wird, dass sie zwingt den Anderem beim Sterben zuzusehen. Sie ist die Seele des Films und die Spiegelung der Reichweite der mörderischen Ereignisse, als der Zuschauer Zeuge wird, wie sich ihre Welt erneut gegen sie wendet. Zu jedem Zeitpunkt des Films nimmt Wes Craven seine einsame Heldin ernst, während er uns die Witze rund um die neue Generation serviert.
Aber seien wir ehrlich, dass was der Zuschauer in der "Scream"-Reihe sehen will ist nicht nur Charakterentwicklung sondern vor allem aufregende Todesszenen. Und die bietet der vierte Teil reichlich.
Von der stark verschachtelten Anfangssequenz bis hin zum Finale wird hier reichlich Blut vergossen. Die Morde sind detaillierter, langsamer und böser, auch wenn die Brutalität dankenswerterweise niemals den Torture Porn Status erreicht.
In Sachen Ironie setzt "Scream 4" neue Massstäbe, indem er so ziemlich alles thematisiert was in den letzten 10 Jahren Horrorfilm passiert ist und die Jugendlichen manchmal ein bisschen zu redselig darüber philosophieren lässt. Diese Redseligkeit im Mittelteil des Films, die ein bisschen zu gewollt clever daherkommt, wird dann aber durch einen unglaublichen dritten Akt unterbrochen, bei dem es allen Charakteren an den Kragen geht und die Karten neu gemischt werden. Besonders bei einer herzzerreißenden Szene heißt es für die Hardcore Fans tapfer zu bleiben.
Viele der jungen Generation haben im Finale endgültig ihre Unbekümmertheit verloren und in Szenen wie der, als die von
Hayden Panettiere gespielte Kirby vom Killer auf Herz und Nieren auf ihre Horrorfilmkenntnisse geprüft wird, zeigt Craven, dass er Meister darin ist die Ironie durch Horror zu brechen und umgekehrt.
Überhaupt spielt der Film meisterhaft mit den Erwartungen des Zuschauers, vor allem in Bezug auf das Trio Campbell, Cox und Arquette. Sie haben bisher alle Filme überlebt? Werden alle Drei diesen Film überleben? Wird mit den jungen Charakteren eine neue Riege aufgebaut, die den Platz der arrivierten Darsteller einnehmen werden?
Auf diese Fragen gibt uns der Film Antwort und zwar in einer Art wie ich sie nicht erwartet hätte.
Die Auflösung und damit die Demaskierung des Killers ist dabei erschreckenderweise erstaunlich nachvollziehbar und wie schon zuvor erwähnt ein Spiegel der heutigen Zeit. Sie schockiert und offenbart einen Charakter der zerfressen ist von dem was ihn antreibt. Man muss nicht unbedingt die übrigen Scream Filme gesehen haben, um bei diesem Teil mitzukommen; es wird genug erklärt. Aber den richtigen Genuss, die zahlreichen versteckten und offensichtlichen Andeutungen, Homages und den finalen Twist kann man erst dann wirklich erleben, wenn man Sidneys Leidensweg von Anfang an mitverfolgt hat.
Mit Hinblick auf die jugendliche Generation muss ich sagen, dass sämtliche junge Darsteller ihre Sache mehr als gut machen.
Erik Knudsen und
Rory Culkin funktionieren als Homage an Filmliebhaber
Randy aus den ersten beiden Teilen und Hayden Panettiere gibt eine wundervoll toughe und schlagfertige Kirby ab, die jeder als beste Freundin haben will. Die größte Auszeichnung im jungen Cast geht aber an
Julia Roberts Nichte
Emma Roberts, die als Darstellerin von Jill eine sehr intensive Leistung abgibt und sich damit für eine große Karriere im Filmbusiness empfiehlt.
Bei den alten Haudegen spielen Courteney Cox und David Arquette gewohnt charmant auf aber es ist vor allem Neve Campbell, die ihrer Sidney neue Seiten verleiht. Sie hat aufgehört ein Opfer zu sein und schlägt zurück; sie versucht ihre übrig gebliebene Familie zu beschützen und blickt dabei erneut in den Abgrund. Campbell ist unglaublich effektiv in ihrer Darstellung der gebrochenen und tragischen Heldin. Als Neuzugänge glänzen
Marley Shelton als etwas verschrobener Polizeineuling und
Alison Brie als karrieregeile Publizistin, die an eine Gale Weathers in ihren besten Zeiten erinnert.
Eine kleine Notiz am Rande: In der Pressevorstellung, die ich besucht habe, gab es Applaus am Ende des Films, was ich so gut wie noch nie erlebt habe.
Fazit: "Scream 4" ist eine Fortsetzung, wie ich sie mir besser niemals hätte wünschen können. Eine böse, rasante Weiterentwicklung der Horror Saga, die in unglaublich frischem Gewand daherkommt und seinem phantastischen ersten Teil in nichts nachsteht. Welche vierte Teil eines Horrorfilms konnte das jemals von sich behaupten? Mich als Hardcore-Fan der "Scream"-Reihe hat der Film mit nichts als Begeisterung zurückgelassen. Und genau dafür ist der Film gemacht: Für seine Fans.