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Sex on the Beach 2011

Originaltitel: The Inbetweeners Movie
von Lina Wolff / 25.01.12 09:15 Uhr


Film Kritik

97
Länder
Großbritannien
Genres
Komödie
Kinostart
02.02.2012

Handlung

Die Kinoadaption der erfolgreichen britischen Sitcom „The Inbetweeners“

Der Schulabschluss ist in der Tasche und den wollen die vier Kumpels Will (Simon Bird), Simon (Joe Thomas), Jay (James Buckley) und Neil (Blake Harrison) natürlich gebührend feiern. Um dem langweiligen Kleinstadtleben zu entfliehen, soll die Reise nach Kreta gehen, wo sich die selbsternannte „Pussy Patrol“ möglichst viel Party, Alkohol und nackte Haut erhofft. Doch wie so oft im Leben kommt es ganz anders, als ursprünglich geplant und das spätpubertierende Quartett muss sich zunächst von einer Urlaubskatastrophe zur nächsten schlagen, um das erhoffte Paradies zu erreichen...

Kritik

In Großbritannien kennt mittlerweile jeder das Chaotenquartett Will, Simon, Jay und Neil aus der seit 2008 ausgestrahlten Sitcom „The Inbetweeners“. Die vier Vorstadtteenager eroberten das britische Publikum im Sturm, ließen die Einschaltquoten in die Höhe schnellen und heimsten einige namhafte Preise ein. Die logische Konsequenz auf soviel Zuschauerliebe gipfelte im August 2011, als der erste gleichnamige Kinofilm Kassenrekorde brach und zur erfolgreichsten englischen Komödie der letzten 10 Jahre avancierte. Für die Kino-Adaption konnte das Autoren-Team Ian Morris und Damon Beesley, auf deren Ideen die Fernsehserie basiert, Regisseur Ben Palmer, der bereits für einige Folgen „The Inbetweeners“ hinter der Kamera stand und hiermit sein Kinodebut gab, engagieren. 
Nun darf man auch hierzulande endlich Bekanntschaft mit den vier jungen Außenseitern machen, doch ob die Erfolgswelle ebenso heftig über die deutschen Kinos hereinbrechen wird, wie bei unseren britischen Nachbarn, bleibt abzuwarten, denn eine Einführung der Charaktere durch die Serie blieb bislang in Form einer TV-Ausstrahlung aus und auch der deutsche Titel „Sex on the Beach“ scheint jeglichen Bezug zur Serie abzubrechen.

Das Konzept des Films ist bereits nach den ersten Trailern und Kinoplakaten erfasst und Vergleiche zu Vorbildern, wie „American Pie“ oder „Ballermann 6“ sind ziemlich schnell gezogen, so dass „Sex on the Beach“ wohl außerhalb der anvisierten Zielgruppe nur spärlich Zulauf finden wird. Da dieses Subgenre der Kategorie ‚Komödie‘ in der Vergangenheit allerdings einen überaus respektablen Erfolg an den Kinokassen verbuchen konnte, ist dies für das Filmteam wohl weniger von Bedeutung. Bei „Sex on the Beach“ wird nur eine Sache wichtig genommen und die zieht sich wie ein roter Faden von vorn bis hinten durch den Film: Spaß und das möglichst auf allertiefstem Niveau! Immerhin geht es auf die Party-Insel Kreta, wo sich ein Haufen sexgeiler und alkoholdurstiger Teenager tümmeln, die scheinbar alle ihr Gehirn, samt Anstand und gesunden Menschenverstand am heimischen Flughafen zurückgelassen haben, um jetzt mal richtig die Sau raus zulassen. Mittendrin befinden sich unsere vier Protagonisten, die vor lauter Partys, Cocktails und Pussys gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen mit feiern. So werden die unerfahrenen Jungs kurzerhand von einer attraktiven Promoterin in einen langweiligen, beinahe menschenleeren Club gelotst, der sich im Laufe des Films zum primären Anlaufpunkt aller Beteiligten entwickelt. Hier treffen sie rein zufällig auf eine Mädchentruppe, die – dank der barmherzigen Drehbuch-Fortuna – ebenfalls zu viert sind und sich obendrein auch noch vom spätpubertären ‚Charme‘ der Jungs nicht abschrecken lassen. Was die durchaus sympathischen Damen an diesem Quartett finden, bleibt wohl bis zum Ende des Films ein Mysterium, denn bei aller gut gemeinter Toleranz für spaßige und niveaulose Party-Filme, liebenswürdige Hauptfiguren, mit denen man sich wenigstens ansatzweise identifizieren kann sollten das Mindeste sein, was ein Streifen dieser Art zu bieten hat. Stattdessen sehen wir uns mit einer kleinen Jungs-Clique konfrontiert, bestehend aus einem hornbrillentragenden pseudointelligenten Nerd, der letztendlich aber doch zu doof ist, um zu kapieren, dass ihm ein riesiger Penis mit Sonnencreme in den Rücken gebrannt wird; einem weinerlichen Weichei, der von seiner Freundin abserviert wurde und dem in Gegenwart eines überaus hübschen, liebenswürdigen und durchaus interessierten Mädchens nichts anderes einfällt, als ihr pausenlos von seiner Ex vorzuschwärmen; einem sexistischen, notgeilen und arroganten Arschloch, der bis zuletzt nicht kapiert, wann er sein vorlautes und beleidigendes Mundwerk zu halten hat und einem unzurechnungsfähigen Vollidioten, den man – bei aller Liebe zu dümmlichen Charakteren – wohl nur noch als geistig behindert einstufen kann. Dass die Briten in Sachen derber Humor gerne noch einen Zahn zulegen und vor offensichtlichen Tabus nicht zurückschrecken, beweist diese Komödie nur zu gern und zu oft. Allerdings bedeutet besonders derb nicht immer zwangsläufig besonders witzig und irgendwann ist das Maß an Dummheit auch bei dem größten Spaßvogel im Kinosaal voll. 

Bis unsere vier ‚Helden‘ am Ende doch noch erkennen, dass vorrangig die inneren Werte beim potenziellen Geschlechts- / Liebespartner zählen, vergehen zähe anderthalb Stunden Spielzeit voller Fäkalhumor und Fremdschämerei. Wem jeglicher Zugang zu diesem Subgenre fehlt, dem dürfte es schwer fallen, auch nur ansatzweise ein belustigtes Mundwinkelzucken zustande zu bringen. 

Fazit: "Sex on the Beach“ ist eine Teen-Party-Komödie, wie sie im Buche steht. Hier reichen sich Niveaulosigkeit und Klischee die Hände, um bei Genrekollegen, wie „American Pie“ mitmischen zu dürfen. Doch selbst Liebhaber solcher Filme werden bei diesem Streifen nur bedingt ihren Spaß haben, denn entweder erlebt man bei den Gags ein gelangweiltes Déjà Vu-Erlebnis oder einen durch Ekel verursachten Brechreiz, der das Lachen zuweil einfach unmöglich macht.

Kommentare


EastClintwood
24.01.12 13:16 Uhr

"Hier spricht Kapitän Niveau von der MS Absturz (nein, nicht Costa Concordia), wir sinken!"

American Pie auf die britische Art, mit einem größeren Ekel - und Fremdschämfaktor, aber durchaus gelungenen Gags. Derbe und lustige Szenen reihen sich nahtlos an ausgelutschten (haha, witzig) Teenie-Klamauk Witzen (Mutter kommt ins Zimmer wenn der Sohn die Unterarmmuskulatur "trainiert"). Dabei geht der Film aber konsequent einen Schritt weiter als seine amerikanischen Vorbilder und man ist nicht vor Dingen sicher, die man eigentlich niemals sehen will (zumindest manche nicht). Das Loser-Quartett ist soweit sympathisch zusammengestellt worden, wobei der "Obernerd" die meisten Lacher auf sein Konto buchen kann. Doch meistens lässt einem das Gefühl nicht los, das alles in irgendeiner Form schon mal besser gesehen zu haben. Dennoch solide Unterhaltung auf niedrigem Niwoh!


Anne
57
25.01.12 15:15 Uhr

Ich stimme deiner Kritik zwar durchaus zu, würde dem Film aber dennoch einige Sterne geben. Niveaulos stimmt zwar, aber mich hat er eigentlich ganz gut unterhalten und den Anspruch darauf, 'großes Kino' zu sein, erhebt er ja gar nicht. Ich finde, wer lockere Unterhaltung á la 'Hangover' oder 'American Pie' (zugegebenermaßen 'ne Ecke härter) erwartet, ist hier ganz gut bedient.


Paprika
16
25.01.12 19:43 Uhr

Es kann natürlich sein, dass ich für diesen Humor überhaupt nicht empfänglich bin und mit dieser Bewertung und meiner Kritik sicher den ein oder anderen Liebhaber solcher Filme vor den Kopf stoße. Aber wie ich es auch gedreht und gewendet habe, für mich war der Film sehr sehr schlecht. Ich mag beispielsweise Hangover, mochte die ersten American Pie-Teile und kann mich bei sinnlosem Humor á la Scary Movie schlapplachen... doch hier hat für mich kein einziger Gag gezündet. Als Beispiel: Dieser Jay, der gern auch mal mit Omis ins Bett gegangen ist, war so offensichtlich geistig zurückgeblieben, dass ich mich gewundert habe, wieso er a) an derselben Schule war, wie die anderen drei und b) im Freundeskreis dabei war. Klar gibts immer einen kleinen Trottel in der Außenseitergruppe aber seine Blödheit oder sein Auftreten kann man schon mit Doofy aus Scary Movie vergleichen und der SOLL nun wirklich geistig zurückgeblieben sein / wirken. Das waren alles grundgegebene Sachen, die mich nervten, statt belustigten, um mal ein Beispiel zu nennen.
Ich glaube, ich bin einfach üüüüberhaupt nicht für solche Filme gemacht. Sorry daher für meine höchst subjektiven Gedanken zum Film :(


Freeman
25.01.12 19:50 Uhr

Ohaa welch heftiger Verriss :D

Liest sich aber klasse! Muss sagen, dass ich von diesem Film noch gar nix mitbekommen hatte... zum Glück! Denn diese American Pie-Verschnitte nerven mich nur noch. Und ich hab auch das Gefühl, als ob das Heil nur in der immer weiteren Überschreitung der Geschmacksgrenze läge.


EastClintwood
25.01.12 20:32 Uhr

Man sieht mehr männliche Geschlechtsorgane als weibliche sekundäre Geschlechtsorgane, das sagt schon alles :D
Aber hatte seine guten Gags, sehe es wie Anne. Aber trotzdem fein geschrieben!


EastClintwood
25.01.12 20:33 Uhr

ät Pap: der, der die erste objektive Kritik schreibt erfindet auch das Perpetuum Mobile ;)


Reeler
80
26.01.12 09:34 Uhr

Ich habe den Film gestern in der Sneak Preview gesehen mit einem gewissen Alkoholpegel, und dafür war er perfekt. Hier nimmt sich der Film wirklich überspitzt auf die eigene Schippe und die Gags haben gesessen und das Kino (vor allem die Männer) hatten ihren Spaß ;) Also lohnt sich vielleicht nur, wenn man ein bischen nachhilft ;)


bogi86
27.01.12 14:29 Uhr

Hm,also bei dem Trailer hätte mich auch ein halber Stern nicht überrascht :D


Onepunchmickey
27.01.12 18:14 Uhr

Die Serie ist soooo lustig!!!!
Man muss aber englischen Humor mögen!


marki
65
04.02.12 05:42 Uhr

Hab ihn natürlich im britischen Origiginal gesehen und fand ihn sehr gelungen. Klar, die Gags sind oft sehr, sehr weit unter der Gürtellinie, aber sie sitzen auch regelmäßig. Die Figuren sind zwar berechenbar und dem Genre entsprechend, aber ich hatte 90 witzige Minuten.