Handlung
Das neue Sport-Drama von "Miracle"-Regisseur Gavin O’Connor.
Zwei Brüder stellen sich dem Kampf ihres Lebens - und gleichzeitig den Trümmern ihrer kaputten Familie - innerhalb der brutalen Welt des Mixed Martial Arts (MMA).
Ex-Marine Tommy Riordan (Tom Hardy), verfolgt von seiner tragischen Vergangenheit, kehrt nach langer Abwesenheit in seine Heimatstadt Pittsburgh zurück und fordert seinen Vater Paddy Conlon (Nick Nolte), einen ehemaligen Alkoholiker und Ex-Trainer, auf, ihn für das bevorstehende MMA Turnier zu trainieren, bei dem es um ein Preisgeld von 5 Millionen Dollar geht.
Während Tommy seinen brutalen Weg bestreitet, plagen seinen Bruder Brendan (Joel Edgerton), einem ehemaligen MMA Kämpfer, ganz andere Sorgen. Seine Familie ist pleite und braucht dringend Geld, das eigene Heim steht auf dem Spiel und ebenso die medizinische Behandlung der eigenen Tochter. Als Lehrer verdient er nicht genug Geld und so muss er nun notgedrungen, gegen den Willen seiner Frau, zum MMA-Sport zurückkehren. Beide Brüder sind schon seit etlichen Jahren miteinander zerstritten, sowohl untereinander, als auch mit ihrem Vater. Doch nun geraten sie alle auf Konfrontationskurs um den Titel und müßen sich nun nicht nur im Wettkampf gegeneinander stellen, sondern auch ihrer dunklen Vergangenheit gegenüber...
Kritik
Kürzlich mischte das Boxer-Drama "The Fighter" ordentlich bei den Academy Awards mit, nun steht pünktlich zur nächsten Awardseason mit "Warrior" schon ein neues großes Sport-Drama in den Startlöchern, das, allerdings nur auf den ersten Blick, Parallelen zu "The Fighter" aufweist. Inszeniert wurde der Film von Gavin O’Connor, für den das Genre nicht ganz fremd ist, immerhin drehte er vor einigen Jahren bereits mit "Miracle - Das Wunder von Lake Placid" einen Genreableger, wenn auch dort eine völlig andere Sportart Bestandteil der Geschichte war, nämlich Hockey.
Neben dem sportlichen Part ist "Warrior" vor allem aber ein kraftvolles Familiendrama. Im Mittelpunkt steht eine zerstörte Familie, die sich völlig auseinander gelebt hat und nichts mehr mit den jeweils anderen zu tun haben will. Warum? Das erfährt man nach und nach während des Films. Was sie aber zwangsläufig wieder aufeinandertreffen lässt, ist der Sport. Allerdings sind auch hier die Fronten verhärtet und jeder arbeitet für sich. Was den dramatischischen Part rund um die Familie angeht ist "Warrior" absolut fantastisch. Der Film baut unheimlich viel Spannung auf und entlädt sich mit solch einer emotionalen Wucht, dass es den Zuschauer nicht kalt lassen kann. Die Stimmung ist von Beginn an sehr bedrückend, ähnlich wie man es beispielsweise aus Aronofskys Sport-Drama "Wrestler" gewohnt war. "Warrior" spielt meistens nachts, die Hauptakteure sind deutlich gekennzeichnet durch ihre Vergangenheit und jeder von ihnen befindet sich auch aktuell in einer miserablen Situation. Eine Vielzahl an Szenen sind hierbei vorhanden, die besonders nahe gehen und den Zuschauer regelrecht mitfühlen lassen werden. Ganz großes Kino und Hut ab vor O'Connor für diese starke Inszenierung, die man so schnell nicht vergessen wird.
"God, man, I don't understand this. You won't forgive me, but you'll forgive Pop?" - Brendan Conlon
"Shit. He's just some old vet I train with. He means nothing to me. From what I hear he means nothing to you, either, so you got balls talking about forgiveness" - Tom Conlon
Neben dem dramatischen Part ist Sport natürlich ein wichtiger Bestandteil des Films, in diesem Fall der äußerst brutale Mixed Martial Arts (kurz: MMA). Auch hier zeigen die Macher, dass sie ihr Handwerk verstehen, denn diese Szenen sind recht realistisch und hart ausgefallen. Darüber hinaus versteht es O’Connor, diese Szenen noch mit so viel Dramaturgie anzureichern, dass selbst Zuschauer, die mit Sport nichts am Hut haben, gespannt vor der Leinwand sitzen und mitfiebern werden. Das schafft er, indem dem Zuschauer bewusst gemacht wird, wieviel für die einzelnen Personen auf dem Spiel steht. Mitfiebernde Freunde und Verwandte inklusive, die das Event vor Ort oder vor dem heimischen Bildschirm verfolgen, der optimale Einsatz eines fantastischen Soundtracks von Mark Isham, dessen Musik die Szenen noch weitaus intensiver wirken lässt sowie jede Menge Feingefühl seitens des Regisseur, wenn es darum geht, das Geschehen und seine Akteure optimal mit der Kamera einzufangen.
Auch die Darsteller liefern allesamt eine Spitzenleistung ab. Großartig ist dabei Nick Nolte, der einen rehabilitierten Alkoholiker spielt, der den Kontakt zu seinen beiden Söhnen verloren hat und nun sein Leben völlig einsam weiterlebt. Lange haben wir Nolte nicht mehr so großartig wie hier erlebt. Das Studio war zu Beginn dagegen, ihn für die Rolle zu Casten, dem Regisseur und Drehbuchautoren hat er sie aber letztendlich zu verdanken, da sie mit ihm befreundet sind und ihm Vertrauen schenktem. Vertrauen, das sich bezahlt gemacht hat.
Tom Hardy weiß ebenso zu beeindrucken, als brutaler Kämpfer, den eine mysteriöse Vergangenheit jagt und der innerlich jede Menge Wut mit sich trägt, die nur danach schreit, sich mit einem großen Knall zu entladen, ist er die Idealbesetzung für die Rolle. Sowohl die Kämpfe als auch die emotionalen Szenen, in denen schauspielerisches Talent gefragt ist, weiß er beide zu meistern.
"I'm really trying here, Tommy" - Paddy Conlon
"You're trying? Now? Where were you when it mattered? I needed this guy back when I was a kid. I don't need you now. It's too late now. Everything's already happened. You and Brendan don't seem to understand that. Let me explain something to you: the only thing I have in common with Brendan Conlon is that we have absolutely no use for you." - Tom Conlon
Nicht ganz so stark wie seine beiden Kollegen, dennoch aber verdammt gut, ist Joel Edgerton. Zwar steht er ein wenig im Schatten der beiden anderen, die die Meßlatte einfach verdammt hoch gelegt haben, macht seine Sache aber dennoch ausgesprochen zufriedenstellend, so dass man sich als Zuschauer über ein tolles Schauspielensemble freuen darf.
Schade, dass der Film trotz mehr als positiver Kritiken in den USA gerade einmal 13,6 Millionen Dollar an den Kinokassen eingespielt hat - er hätte deutlich mehr Publikum verdient. Daher wird es in Deutschland nun wohl auch keinen Kinostart mehr geben, die DVD und Blu-Ray sind bereits ab 24. Februar 2012 käuflich zu erwerben. Vielleicht hat der Film aber noch das Glück und wird, wie zuvor auch "The Fighter", mit einer Oscarnominierung belohnt, so dass spätestens dann ein gewaltiger Push erfolgt.
Fazit: "Warrior" ist ein Sport-Drama, wie man es sich nur wünschen kann. 140 Minuten bepackt mit jeder Menge Spannung, großartigen Schauspielern, vielen Gänsehautmomenten und einer großen emotionalen Wucht, die den Zuschauer erschüttern wird. Ob man nun Sport mag oder nicht spielt hier gar keine Rolle, denn als Familiendrama sollte er jeden überzeugen können. Ein wahres Highlight - unbedingt ansehen!