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Young Adult 2011

von André Schiemer / 24.01.12 10:17 Uhr


Film Kritik

94
Länder
USA
Genres
Komödie, Drama
Kinostart
23.02.2012

Handlung

Der neue Film von Jason Reitman nach einem Drehbuch von Diablo Cody

Einst war Mavis Gary (Charlize Theron) das begehrteste Mädchen der gesamten Highschool. Die attraktivsten Jungs waren verrückt nach ihr, die Welt stand ihr offen. Jetzt ist sie 37 Jahre alt. Und steht vor einem Trümmerhaufen: Sie ist frisch geschieden, die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden, sie trinkt eindeutig zu viel, das Leben zieht an ihr vorbei. Bis sie erfährt, dass Buddy Slade (Patrick Wilson), ihre große Jugendliebe von damals, Vater geworden ist. Mavis weiß, was sie zu tun hat: Sie will ihn aus seinem spießigen Familienleben befreien und endlich an seiner Seite das Leben mit ihm leben, das sie sich immer erträumt hat. Doch die Rückkehr in ihre Vergangenheit erweist sich als viel schwieriger als gedacht. Verständnis wird ihr ausgerechnet von ihrem ehemaligen Klassenkameraden Matt (Patton Oswalt) entgegengebracht, einem wenig attraktiven Außenseiter, der die Vergangenheit ebenfalls nicht abschütteln kann. Doch kein noch so guter Rat kann Mavis von ihrem Plan abbringen, Buddys Liebe zurückzuerobern...

Kritik

Alle werden älter, aber nicht jeder wird erwachsen

Nachdem von Kritikern und Publikum gleichermaßen sehr geschätzten "Up in the Air" serviert uns Jason Reitman mit "Young Adult" nun sein neuestes Werk.
Nach "Juno" arbeitete der Regisseur auch erneut mit Drehbuchautorin Diablo Cody zusammen, für den sie für das beste Drehbuch den Oscar gewann, er hingegen für die beste Regie nominiert wurde. Mit Charlize Theron und Patrick Wilson konnten zudem zwei bekannte Gesichter, die sich zudem schon in herausfordernden Charakterrollen bewiesen haben, gewonnen werden. Die Voraussetzungen für einen weiteren Erfolg stehen also nicht schlecht.

Wie schon bei den drei letzten Filmen von Jason Reitman wird sich auch die Marketing-Abteilung bei "Young Adult" zurückhalten und es den Kritikern und Jurymitgliedern zukünftiger Preisverleihungen überlassen den Film dem Publikum schmackhaft zu machen. Doch genau dies fällt bei "Young Adult“ gar nicht so einfach,  denn das Drama wurde in Amerika zu Recht als "Feel-bad-Movie“ eingestuft. 

Man stelle sich folgendes vor: Nach der Schule hat man sich vom alten langweiligen Landleben losgesagt, seine Heimat und seine alten Freunde hinter sich gelassen, um ein neues aufregendes Leben in der großen Stadt zu beginnen. Wäre es da nicht spannend 20 Jahre später noch einmal zurück in die eigene Vergangenheit zu blicken? 
Eine Frage, die sich Mavis Gary (Charlize Theron) schon länger stellt. Damals an der Highschool war sie bei allen bekannt, wurde von den Jungs angehimmelt und von den Mädels als Miststück bezeichnet. Heute allerdings sitz die erfolgreiche Jugendbuchautorin alleine in ihrem kleinen sterilen Apartment und verzweifelt an einer Schreibblockade. Die einzigen Gefährten sind ein kleiner Hund und der Flachbildfernseher, der nonstop läuft. 
Mavis sitzt vor ihrem Notebook und kramt in ihrer Phantasie nach neuen Ideen für ein Jugendbuch. Immerhin hat sie sich als Schriftstellerin etabliert, fühlt jedoch eine innere Leere und Unzufriedenheit, die sie bei abendlichen Trinkgelagen zu vergessen versucht. Dass sie sich auf Kinder- und Jugendromane spezialisiert hat, hat einen bestimmten Grund: Mavis selbst weigert sich, erwachsen zu werden. Als sie erfährt, dass ihre Highschool-Liebe Buddy Slade (Patrick Wilson) Vater geworden ist, interpretiert sie dies als Zeichen, in ihre alte Heimatstadt und somit ihre Vergangenheit zurückzukehren. Nicht nur das, Mavis will ihrer Einsamkeit ein Ende setzen und Buddy Slade zurückgewinnen. Sie begibt sich auf die heikle Mission ihren einstigen Liebhaber aus dessen Spießerleben mit Frau und Kind zu befreien.

Nach mehreren Nebenrollen in den vergangenen Jahren darf Charlize Theron endlich mal wieder im  Mittelpunkt eines Films brillieren. Und man kann eines vorwegnehmen: Seit "Monster“ hat sie nicht mehr so nahe an der Perfektion gespielt wie hier. Sie kann ihrem schwierigen Charakter unglaublich viele Facetten abgewinnen, wirkt arrogant, witzig, kindisch und verletzlich zugleich. Keine 10 Minuten nach der Titelsequenz vergisst man die Schauspielerin Theron und hat nur noch die arrogante und selbstverliebte Mavis Gary vor Augen. Gerade in der ersten Hälfte des Films kann man sich noch köstlich über ihre zynischen Kommentare und ihr selbstverliebtes Verhalten amüsieren. Doch hinter all den komödiantischen Elementen verbirgt sich ein düsteres Drama, das gerade zum Ende hin etwas unbequem wird. Mavis verrennt sich so sehr in der Idee ihre ehemalige Liebe Buddy aus dem vermeintlich langweiligen Familienleben zu befreien, dass man in manchen Momenten schon an einen Psychothriller der Marke "Eine Verhängnisvolle Affäre“ erinnert wird. Mavis sieht ihre neue Mission als einzigen Ausweg in ein neues Leben. In Minneapolis hat sie kein Glück gefunden. Sie ist in ihrem Kopf irgendwann im Teenageralter stehen geblieben, fühlt sich einsam und verloren. 
Kompensiert wird dieser Frust durch Alkohol und Fastfood, zudem stößt Mavis ihren Mitmenschen regelmäßig vor den Kopf, um ihr geringes Selbstbewusstsein zu überspielen.

Es fällt schwer sich mit dieser Person zu identifizieren. Ihre oberflächliche und berechnende Art macht sie unnahbar und schafft eine gewisse Distanz zum Zuschauer, zumal sie selten hinter ihre Stirn blicken lässt.
Ich glaube ich bin Alkoholikerin“ erzählt ihren Eltern, von denen sie sich ebenfalls losgesagt hat. Und tatsächlich gibt es im Film wenige Szenen, in denen Mavis nüchtern ist.
Anders verhält es sich mit der Person des körperlich behinderten und gutherzigen Matt (Patton Oswalt), der sowas wie ein Schlüssel ist, um Zugang zum Film zu finden. Er mimt das gute Gewissen und redet auf Mavis und ihre Pläne ein, bringt ihr jedoch auch Verständnis entgegen. Matt ist ein Nerd, der in den Augen von Mavis anfangs nicht mehr ist, als die typische Schulter zum ausheulen. Auch er ist im Kopf mehr Teenager als Erwachsener und bastelt im Hinterzimmer seine eigenen Action-Spielfiguren. Der Matt-Darsteller Patton Oswald dürfte dem einen oder anderen noch als Spence Olchin in "King of Queens“ bekannt sein. Er sorgt für einige Lacher, vermag auch seiner Rolle eine gewisse Tragik zu verleihen und ist ebenfalls eine Idealbesetzung.

Andere Charaktere werden dabei leider etwas außen vor gelassen. Gerade Patrick Wilson als Buddy Slade hat nur wenige Auftritte und kaum Raum zur Entfaltung. Man erfährt so gut wie nichts über seinen Charakter, dabei wäre es interessant gewesen, wie er sich vom Draufgänger zum liebevollen Vater gewandelt hat. Die simple Rahmen-Geschichte, die sich einer Vorhersehbarkeit nicht erwehren kann, wird allein von Theron und den gut pointierten Dialogen getragen und vorangetrieben.

Was die Inszenierung anbelangt, so muss sich Reitman keine Vorwürfe machen lassen. Wobei "Young Adult“ im Gegensatz zu Reitmans letzten Filmen etwas minimalistisch wirkt und fast schon an einen Indie-Film erinnert. Er verlässt sich voll auf seine Darsteller, die er meistens nah ins Bild rückt. Auffällig ist auch, dass Hintergrundmusik nur selten eingespielt wird, dafür aber umso besser ihre Wirkung entfaltet. Wenn Mavis in ihrem Auto jedes Mal ein von ihr erstelltes 90er-Jahre-Mixtape abspielt, so macht das noch einmal deutlich, wie sehr sie in ihrer eigenen Vergangenheit gefangen ist.

Leicht enttäuschend und sicherlich nicht zufriedenstellend fällt das Ende aus. Erwartet man mit fortschreitender Handlung eine wahre emotionale Explosion der Ereignisse, bleiben die letzten Minuten doch relativ zahm mit wenig Aussagekraft. Man kann "Young Adult“ sicherlich mit gemischten Gefühlen sehen. Mit "Thank You for Smoking“, "Juno“ und "Up in the Air“ hat Jason Reitman die Messlatte ziemlich hoch gelegt. Zudem waren diese Werke weit einfacher zu konsumieren als es bei "Young Adult“ der Fall ist. Letztendlich muss man den Film als das nehmen, was er ist: Eine mutige Charakterstudie, bei der man über Szenen lacht, die im Grunde nicht lustig, sondern tragisch sind. Wer nach den Trailern eine Komödie à la "Bad Teacher“ erwartet, sollte jedenfalls einen großen Bogen um "Young Adult“ machen.

Fazit: Führt man sich "Young Adult“ noch einmal zusammenfassend vor Augen, so wären die Schwächen des Films ohne die herausragende Hauptdarstellerin zu deutlich. Die Handlung wird etwas zu ruhig erzählt und ist im Grunde relativ überraschungsarm, weshalb sich trotz der geringen Laufzeit doch einige Längen einschleichen. Durch Charlize Therons nuanciertes Schauspiel und den einfallsreichen Dialogen hat sich der neue Film von Jason Reitman trotzdem das Prädikat "sehenswert“ verdient. Hier geht es weniger um eine unterhaltsame Story, als um das gelungene Porträt eines gebrochenen und alkoholabhängigen Charakters.

Kommentare


tarantino
17.12.11 11:43 Uhr

Wenn das mal nicht mein Geburtstagsfilm 2012 wird^^


Anne
100
23.01.12 05:53 Uhr

Super Film. Ich hab ihn letzte Woche in 'ner PV gesehen und war einfach begeistert :) Einfach sehenswert!


siBBe
57
24.01.12 10:50 Uhr

Kann mich den ganzen Lobeshymnen, die ich überall so las, nicht ganz anschließen. Young Adult ist ein nett gemachter Film, hat mich auch gewissermaßen unterhalten, hat tolle Darsteller zu bieten etc., ist im Grunde aber doch sehr arm an Highlights. Die Handlung hat einfach nicht sehr viel hergegeben, und wenn man sich schon so sehr auf eine Charakterstudie fokussiert, muss diese einfach interessanter sein.

Up In The Air war handlungstechnisch bei weitem besser in jeder Hinsicht sogar, Juno hatte spritzige Dialoge zu bieten und auch Smoking war letztendlich ein viel interessanterer Film. Reitman ist ein toller Regisseur, keine Frage, doch mit Young Adult liefert er meiner Meinung nach nicht mehr als einen nett gemachten kleinen Film ab, der hinter seinen Erwartungen und Möglichkeiten zurückbleibt.


Bumblebert
24.01.12 10:55 Uhr

Ich freue mich drauf. Ich mag den Stil von Reitman. Juno ist einer meiner liebsten "kleinen" Filme. Wird definitiv gesichtet der Film!


EastClintwood
24.01.12 11:02 Uhr

Sehr schön geschrieben, aber ne leichte Ernüchterung nach den überragenden Pressestimmen. Werde mir den Film aber dennoch nicht entegehen lassen!


StylaMex
24.01.12 23:45 Uhr

Hört sich gut an und Charlize kann wenn sie will


mjk89
24.01.12 23:50 Uhr

Die Kritik ist gutgeschrieben, werd mir den Film mal auf DVD geben.


Reeler
86
22.02.12 22:50 Uhr

Ich konnte den Film gerade in einer Sneak-Preview sehen und war sehr überrascht. Viele haben gelacht, ich allerdings war sehr ruhig, weil ich hinter der Oberfläche sehr viel Tragik empfunden habe. Vielleicht gehöre ich da zu einer Minderheit, aber meiner Meinung nach, ist die Oberfläche eine Teeniekomödie und was dadrunter verborgen ist, Drama, was es in sich hat. Ich kann mich den positiven Pressestimmen also vollkommen anschließen.


8martin
25.02.12 11:56 Uhr

Allein dem schauspielerischen Talent von Charlize Theron ist es zu danken, dass man über diesen mittelmäßigen Film ein Wort verliert. Sie spielt die etwas unreife, für Teenies schreibende Enddreißigerin erschreckend überzeugend. Die anderen Figuren bleiben blass. Die Ausgangssituation ist wie in unzähligen amerikanischen Filmen bereits geschildert, die Heimkehr nach vielen Jahren in den Ort, wo man aufgewachsen ist. Nur dass Mavis (Theron) beabsichtigt ihren Jugendschwarm (Patrick Wilson), der glücklich verheiratet und gerade Vater geworden ist, zurückzuerobern. Das Vorhaben muss scheitern, aber wie das geschieht, verdeutlicht nur die Hauptdarstellerin bravourös.
Es ist keine Komödie, eher ein Psychogramm einer gestörten, gescheiterten Frau, die man nur bemitleiden kann. Ihr wunderschönes Gesicht verfinstert sich, erstarrt in Eiseskälte, wobei es eine potentielle tödliche Gefahr ausstrahlt oder es wirkt nach durchsoffener Nacht leicht derangiert. Sie zeigt neben kurzen Einblicken in ihr Innenleben auch noch Reaktionen auf diese hinterwäldlerische, spießige Welt von Losern. Da bleibt vieles aber an der Oberfläche. Lediglich das Geschwisterpaar (Collette Wolfe, Patton Oswalt) hebt sich durch differenziertere Darstellung von den übrigen etwas ab. Diese beiden geben Mavis sogar Impulse für eine mögliche Weiterentwicklung, deren Auswirkungen aber am Ende offen bleiben. Man fragt sich, ob Mavis ein anderes, neues Leben beginnen kann? So ist das alles nichts Besonderes.


tarantino
26.02.12 13:17 Uhr

Mein Geburtstagsfilm 2012.
Jason Reitman hat mich auch mit seinem 4 Film überzeugt.
Er versteht es wie kaum ein anderer realistische Charaktere und deren Probleme zu zeigen.
Charlize Theron liefert in diesem ganz auf sie fokussierten Film eine beeindruckende Leistung ab und zeigt mal wieder Mut zu einer Rolle, die andere Schauspielerinnen sofort abgelehnt hätten.
Neben Theron überzeugt King of Queens Darsteller Patton Oswalt, wirklich tolle Leistung, die er hier abliefert, wobei er natürlich auch die sympathischste Rolle im Film hat, alleine schon mit seinem selbst gemachter Bourbon, der den Namen: Mos Eisley Special Reserve trägt, sammelt er jede menge Pluspunkte.
Fazit: Wer mit den bisherigen Filmen von Reitman was anfangen konnte macht mit Young Adult nichts falsch.